TASCHENBUCH oe, 4 —
von der Donau Auf das Jahr 1824
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Snbaltsverzeichniß.
Seite T, Erescentia und ihre Schwefern Ein Fü= miliengemäblde von Ludwig Neuffer, 4
HI. $abein von Gellert.
Die Wahrheit und die Lüge + + +++ or]... 61 DaB junge Wiefel- «+ rer .. 65 Die Murchel und der Sirebg, » nennen . 64 Die Bald, + msn 66 ie gewonnen, fo jekronnet: » se nen ....68 Der Spielen «Huren nenne 70 Montan und Balage- «Herren nee 2 Die Frame nennen nn . 74
II. Hden aus Horaz mit einigen Erläutes rungen von Qudwig Neuffer An du Schif, das den Birailiug nah Athen
brachte- 1-5 - «on. En SE BAER SH KEh DSIeIINEE Il Be a ae ee 9 An den Biciniud IL 10: - ver. 0... a BL 81 Sn er BauelLH 6 en IS An den Grosphus II. 16 «screen rn. ton An die Ste II 414. -enaesen ER . An den Mäcenas. ILL. 29. - - - .. ne 92 ONE DIEIBONIEHE EN Be nee en x 08 Eob des Kandlebens: Epod. Il, 2. ...er:202. 96 un bierssteuhner Bode Are nee aan: 99
IV. Sonradin Brudftüd von®. Uhland.- - 129
V. Gedichte von verfchiedenen Berfaffern .„ 149 Ngathon. Erinnerung und Greude- -» ++. r 0.0.0. 4180 Gong DE Burg: Zune aa ee a
Eonys Due en Eonette an Grafen Reinhardt: 3; 5. An Mich. Eonett ++ + - .. Fa Dem Könige von Würtemberg- Sn ı Namen der
Univerfität Tübingen =» > + rennen. 208
An Deren Baron von Saßberg «= + sn nn nn = 25 Der Kichhof. » Hr erkennen nun nn 254 Gräter An Böttinn Fra «ernennen. 2 Haug Nänie ernennen nn 174 STUNDE SedEnd: 8 a eh see ee Brabrchrift des Artillerieichef5 De + er rn nn. 48 Dolwanenaefpräd:- » re... re eier EL Au Cart Wächter. ER NE able, Eonderbarer Ehrgeiz. El a re HE nd Stammbitch der if I le Rivarof an einen gewiten Klubb. «== 2... . 22 eo een nenn ae eeteiel he an Tee Mer Krebs Und die Dichter. raue nn en ae 290 ae et FESTE HRELEIL AREUDIRE wre ae nee ne
Sin meinem Geburiätäge- - +0 cu nennen. UN EEE ee ne ana an men woman EN Re Er ER RE Hölderlin. Un tie Movie ons ce.ken dan. BUREDL CHEN NETEMTDNCEER a ara uaimemn ehe an Einer abweienden Sreundint- » «2-22 0 rn 00. DUDEN SRENSCHEDE Kerken me ale en ee or beisifhe Mafnea aa aaa san ne Die Eltmeitauatifier vw nr er anne Ehre DIE Sr feiitintiden- ne Dagenam. Ermunterung zum Gefange «er. . WIONEr BEHODTee ee e eee ee Der fterbente Sechliald «a un 0 rn en Maid Wilhelmine Meinen lieben Röschen zum Geburtstage den 21ften Auauft 1795 +... + Marthbifon Huldigung der Feet nenn n. Blumen für Daug » ou nennen ne
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Mitter (Iohann Martin) GSäfufargefang beym Anfang des neunzehnten Sabrhundertd- » + - 164 Senne use Be ee sera ©, "ade Km Mondfcheine «mr nee nennen nn 244 An hie Mielreine need nennen nn 264 eufer Nemefil--- sure nn nn + 449 Sragment aus Luciang Charım rennen. +60 An einen unwirdig Befreuzten- + 179 Der Todtenfopf im Walde + Herren nn: 103 Am Neniahrsabend «en. nennen nn. 106 Tifte und Wilküher »» ernennen nennen 499 Den Aufflärem «seen erenn rer nn nen 2410 Mancden Mufenzöalingen » + ++ ernennen. Conmund an Marien: «sn erenr ernennen. B24 Marie an Edmund Aus bem Englifchen. » - +. .- 225 Den Ghlücköritter «eurer nennen nn. 250 Manden Etaatömännern- «ee rennen. 240
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Den Kevolutionsiufiact -+ rennen nn. 250 Der Abichied- Aus dem Arabifchen » + "ter. + 256
Sreundestroft an Haug. Nach dem Tode seiner Tr PR ee ee Reinhardt Antwort an Eon. Eonett: « - + + + 159 Ehwahb Der Graf von Jollerm «++ re. r + 169 Dad Mahl zu Heidelberg « re rennen ne. 245 Grom KERine an Be dem Kengviechifchen- - » « - 266 Stäudlin (Gorthold Friedrich) Todesfeier der im Kampfe fürs Vaterland gefallenen frei- willigen Reieaen - >» ++ Hr rennen nn. 416 An die Schaambaftiafei- - +++. rennen. 200 Etric van Linfhoten Phnfiid an Damon- - 175 Theodor Schifahrtstied auf der Donau bey Um. 185 Bagenfeil. An die Sreude rer rennen. 176 Weifer Aufgebot am deutiche Frauen «+ + +++ 166 Die Leibe Hrn nern nenne 21D Der Unverseßlihen » es rennen nenne 260
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Eeite VI Das Sränsdhen. Ein häusfiches Gemählde, von Lubwig MNeuffen „se rs rennen ren . 271 VI Ehwänfe und Ränfe Die benben Bünde «+ sr nel Die Didyutatloıe «or mr mr nel en nn nn 522
Das Efelein und der woetische a ... 324 Der re de3 Randesvaterd «0... 528
Der Ruß seen nenne SE a te PR Die Geifenhändfer- Kreta kennn en nne 34 Da8 große Look rer rer nn 355 Der Schacderiude » vr rennen ne 358 Die Dienelfupye sr rennen en wa n.ear 507 Echlfdogefrädh. „ae rennen Ei, TUE NEIN IEDHN e aeeenereiene s ehr Anfertigung. a: 0 = 2. Dar re ae
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eier die Erfbbeinung diefes Tafhenbudhs will ich bey dem Bublikum Feine Entfchuldigung einlegen; feit dreyßig Sahren find eine unzählige Menge entitänden und vergangen, fo mag denn auch diefes fein Heil verfuchen; aber über den Sn- halt und die Einrihtung feyen mir einige Worte vergönnt.
Die Erzählung, zu welcher die Kupfer ge: ftechen find, war zwar fiben einmal in den » Mans
nigfaltigkeiten” abgedruckt; weil aber diefe
vi Zeitfehrift, gewiß ohne ıhr Verfehulden, früh hin welkte, ohne fich ein Publikum zu erftreben, fo habe ich fie verbeffert nech einmal dem Zafıhen: buche einverleibt.
Die Oden aus Horaz habe ich mit vieler Mühe und Genauigkeit überfegt, und zwifchen Wort: zwang und ängftlicher Sylbenftecherey auf der einen, wie zwifchen bequemer Abfchreitung und Leichter Sreibildnerey auf der andern Seite den Mittelweg gehalten, sehne übrigens der Treue den mindeften Abbrud thun oder dem Genius bes Nomers etwas vergeben zu wollen. Sch fragte mich immer, wie würde Horaz gefprochen haben, wenn er deutfih gedichtet hätte? Werftändige Männer mögen die weiter prüfen, nur bitte ich fie, wenn fie auf Stellen fteßen, die ihnen nicht behagen, verber, ebe fie
über mich abfiwechen, den Werfuch zu machen, ob
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vr fie etwas Vefferes zu Stande bringen, als ih. Wer da weiß, wie fchwer es ift, einen Dichter, wie Horaz, in freier Sprache und ohne Sylbenmaaf zu überfegen, der wird begreifen, welche Fertigkeit und Gewandtheit e8 erfordere, den Dichter im nehmlihen Spylbenmaaß nah Sinn und GSeift frifeh und Tebendig wieder zu geben. Die wenigen Sprachkünftler unfrer Nation find darin gewiß mit mir einverftanden, befenders wenn fie fid) felbft in Arbeiten diefer Art verfucht haben, das größere Publiftum aber, das nur liest, um zu ges nießen, und fih um die überftandenen Schwierig: Feiten nichts befümmert, wird es ohne Zweifel gerne glauben. Die Abfiht, warum ich diefe Oden in das Tafchenbuc, einrückte, ift meines Dünfens nicht verwerflih; ich wollte nehmlich auf diefem
Wege einige Meifterwerke bes Haffifchen Alterthums
Yıll auch in folhe Hände bringen, welche auf dem ges wöhnfichen Wege nicht danach greifen. Es gibt viele achtungswerthe Perfonen unter beyden Ge: jhhlechtern, weldhe Sinn und Gefühl firs Schöne haben, aber durch Vorurtheil abgehalten werden, die herrlichen Geifteswerfe der Griechen und Nömer zu Tefen und zu fludiren. Möchten diefe Vor: urtheile fehwinden, und möchte auch meine Arbeit etwas dazu beytragen, dann würde unter der bejfern Klafje des Iefenden Publikums fich allgemeiner ein reiner und ficherer Gefchmack bilden, vor dem die lappifhen, myflifchen und monftrudfen Ausgeburten des Ungefihmads und die erbärmlichen Spiele des Afterwißges nicht mehr gedeihen Eönnten. Die Ans merkEungen zu den Oben find nicht für Ge: (ehrte, fondern für Dilettanten zum nsthigen Ver:
ftandniß. Sch werde auch in Eünftigen Zahrgängen
IX Ueberfegungen einrücen, und zwar das nächftes mal aus den Briefen und Gatyren bes Horaz.
Sn Sinfiht der Gedichte im Tafıhen: buch Bin ich fo glücklich gewefen, nicht nur von lebenden, ehrenwerthen und berühmten Dichtern, denen ich hiemit meinen verbindlichften Dank öffent lich abftatte, fbhägbare VBeyträge zu erhalten, Ton: devn auch noch Lleberbleibfel aus den Papieren eini- ger Verftorbenen. PVefonders gefreut haben mich die Lieder von Johann Martin Miller, mei: nem ruhmwirdigen Amtsvorgänger, den ich als einen der erften Lieberdichter unfrer Nation verehre. Er Brad) fih mit Bürger, Hölty, den bey: den Stollbergen und Voß eine Bahn, die wir nie hätten verlaffen follen. NMirgends it das Naive und Herzliche in edlerer Einfachheit dar
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ftellt, alsın Millers Iprifchen Gedichten. And dody hat diefer Dichter, beifen Siegmwart eine neue Periode unfrer Nomanenliteratur ftiftete und beynahe in alle europäifche Sprachen überfegt wurde, das Unglück gehabt, jekt fihon beynahe vergefjen zu feyn. ein würdiger Verleger und vieljähriger Sreund, der Herr Vuchhändler Köhler, dejfen Güte ich die mitgetheilten Stücke verdanfe, hat die erfte Auflage feiner Gedichte noch nicht ver: fihloffen, während fo mandes elende Zeug fich fehnell vergriffen hat.
Was den Zwed des Tafhbenbuchs be trifft, fo will e$, wie feine zahlreiche Eippfchaft,, auf eine angenehme und decente Art unterhalten, und hat auf Mannigfaltigfeit des Inhalts befondere Nüchficht genommen. Ueber die »Shwänke
und Ränfe” werden vielleicht manche überfeine
x 5 Herren die Nafe vümpfen; allein vielen Lefern wers den fie doch nicht umwillfemmen feyn, und mögen bie und da eine Gefellfchaft erheitern, zumal: wenn fie einen guten Vorlefer finden. Auch darf ich fiher annehmen, daß nicht wenige Lefer fie den Schauer» und Herengefchichten unfver wenderfüchs tigen Zeit vorziehen werden,
In Betreff des Titelfupfers hätte ich, nach dem Wunfche des Herrn Ardhitefts Hei: deloff, der bie fehönen Zeichnungen zu den Aus pfern machte, gern einen poetifchen Prolog voran: gefchieft, wenn ich über die Behandlung des Gegen: flands mit mir hätte einig werden Finnen. Zur Erktärung alfo nur fo viel: Man fieht im Kinters grunde die Stadt Ulm, mit dem herrlichen Müne fter, als'den Geburtsort des Tafchenbuchs. Die
allegerifche VPerfon, die fih zum KSimmel erhebt
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mit Himmelsjehnfucht im Btiefe, it die Göttinn,
welcher die Mitarbeiter des Tafıhenbuchs alle huls digen, die Poefie. ie wird beglänzt von der eben aufgehbenden Sonne, denn fie liebt dastichr. Im Vordergrunde fißt der alte Danu: bius, den Strom aus feiner Urne gießend, der Schußpatron des Tafhenbuhs, das ich übrigens nicht nur den Bewohnern feiner Geftade empfehle, fondern allen Freunden und Freundinnen deutfcher Piteratur. Möchte das Werkchen vecht
viele Gönner und Veförderer finden ! Ulm den 10ten Zul, 1828,
Der Herausgeber.
Erestentia
und ihre ShakKfern
Ein Familiengemäldbe von
EDDIE MERTLeN
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2,
er AUmtmann Hellborn von Buchenau gab zu Ehren feiner Freunde und Bekannten in der Nachbarfchaft ein Eleines ländliches Freudenfeft, zu weldhem auch ih, als ein Schulfreund und Verwandter des Mannes, einge: laden wurde, Da id) einige Stunden zu reifen hatte, traf ich bei meiner Ankunft fchon eine zahlreiche Gefell: fhaft von Honoratioren der Gegend an, und hatte noch, eben Zeit, mic zum Effen nieberzufegen, das im Gat- tenfaal aufgetragen wurde, Es war ein fehr fehöner Sommertag, unfre Herzen waren heiter, wie ber Him= mel über und, und ein reines Vergnügen herrfchte in unferm freundfchaftlichen Kreife,
Die Mahlzeit war noch nicht ganz geendet, als ein Srauenzimmer bereinteat und ohne viele Umftände fid)
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auf dem nächiten lebigen Plabe niederließ, Sobald fie Pofto gefaßt hatte, ließ fie. gegen Hellborn fich etwas une zart alfo verlauten: » Sie haben mic, zwar nicht einges laden, Herr Schwager; allein id bacdıte, ungebetene Säfte find die liebften, und fam von felber. ?— Hellborn entjcehuldigte fich etwas verlegen, baß er von ihrer Uns wefenheit in ber Gegend nichts gewußt habe, wendete fodann fich an die Gefelihaft und fprady: »Sch habe biemit die Ehre, Shnen die Fräulein Erefcentia Frafer vorzuftellen, eine Schwefter meiner Frau,? Wir verbeug: ten uns alle aufs höflichfte; fie aber fchien unfere Höf- lichkeit als einen Zribut der Schuldigkeit anzunehmen, Grefcentia war eine Art alter Tungfer, fchlane wie eine Spindel, und ernfthaft wie eine Duenna, Gie war nicht mehr fern von der früben Zeit des KBerbftes, wo fich die Tage einftellen, die nich£ gefallen, und bie Zugvögel fi zum Abfchied rüften. Ihre Wangen, fonft ein fchwellendes Rofenbette, nahmen eine Ridytung nad) innen, vermuthlich weil fie mit der gottlofen Welt nichts mehr mochten zu thun haben, und die £ippen, fonft im= mer bereit, zwo Reihen glänzendes Elfenbein zu enthiül= len, beeiferten fih, die Verheerungen der Zeit mit weis fer Sorgfalt zu verbergen, Aus diefem Grunde öffnete fie im Gefpräde den Mund fo wenig, wie möglidy, und felbft bei einem freundlichen Lächeln zogen fich die Lippen
nur in bie Länge, Die Amtmännin war bei Grefcentias Ankunft nihtim Gartenfaale,, weil fte den Nachtifch be= forgte, diefe aber fragte nicht im minbeften nadı der ab= wefenden Schwefter, fondern nöthigte einen jungen Geift- lichen, dem fie der Zufall an die Seite geworfen hatte, zu einem Gefpräde über die Naturphilofophie, welche eben ihr Lieblingsftubium zu feyn fchien.
Sndeß kehrte die Amtmännin zur Gefellfchaft zurüc, und ging, da fie ihre Schweiter gewahrte, herzlich auf fie zu, um fie zu umarmen, Grefcentia aber reichte ihr ganz Ealt die Eonkave Geite bes Badens zum Kuffe, ohne Telbft den Kuß zu erwiedern, Der Geiftliche glaubte nun, dem unwillfommenen Gefprähe entwifchen zu Eönnen, allein vergebens. Gie ließ ihren Mann nicht fahren, und framte, zu fchlehter Erbauung der Gefellfchaft, den arm: feligen Plunder ihres Afterwiffens aus, Man bot den Stachtifch herum, So oft der Teller an Erefcentia kam, warf fie die ganze Ladung unter einander, ehe fie nahm, was ihr beliebte, den genommenen PBorrath aber zers bröcelte fie mehr, alö fie ihn Koftete, Als man ihre den Kaffee reichte, griff fie fo lange in die Zuderbüdfe, bis ihre Zaffe ganz voll von Zuder war, Den vor ihr ftehenben Kelch füllte fie ohne Bedenken mehrmals mit füßem Weine, und tauchte Biskuit hinein. Sie hatte dvurhaus viel Sons
derbares und Auffallendes, felbft in ihrem Anzug, denn diefer war ein Gemifc von Mode und Phantafie,
Sch Kann nicht läugnen, daß mir diefe Fräulein Eref- tentia ein Stein des Anftoßes wurde; doch als fie fidh endlich gar auch für mich zu intereffiven fchien, war's um die Heiterkeit meiner Laune gefchehen, Mißmuthig fuchte ich ihren Fragen und Anmerkungen auszumweichenz; da aber die Störungen meiner Freiheit nicht aufhören woll: ten, benüste id) die erfte Gelegenheit, mid, zu entfernen. Stillfehweigend und, wie ich meinte, ungefehen verlief ich den Saal, um mich zur Heimreife anzufchiden, weil ich mir für den Keft des Zages wenig Vergnügen mehr verfprad. SHellborn aber hatte mich bemerkt und meine Abfiht errathen, Darum kam er mir auf dem Fuße nad. »Xreund, fprad) er, ich laffe dich nicht, du mußt bei mir übernahten.? — »Laß mid, abziehen, Befter, erwieberte ich, es ift nicht gut haufen, wo man von Kos bolden belagert wird,? — Er aber drang in mich, zu bleiben, „Nur nod ein Stündden, fagte er, ergib did) in Geduld, ich will für deine Ruhe forgen. Sc habe für Grefcentia eine Nachricht, durd welche id) fie unver: züglid aus unfrer Gefellfhaft entfernen Fann. Indeffen fannft bu ja ein wenig im Garten lufiwanbeln.?— Ic blieb, und ehe noch eine halbe Stunde vergangen war, fah ich Erefcentien Haftig und eilfertig weggeben.
Der Mittag wurbe nun in allgemeiner Freude unb Beluftigung hingebracht, Man fang, fpielte, gab Räth- fel auf, fprad) über die Ereigniffe der Zeit, und die Zus gend ergößte fi) dazwifchen mit Tänzen nad) dem Klang eines Pianoforte., Die Gefellfchaft, immer inniger und berzlicher fid) gegenfeitig anziehend, trennte fi nicht eher, als bis der Tag fich geneigt hatte und der Mond über dem Föhrenwald aufftieg, Iest fing man an auf: zubrechen, fchilderte das Vergnügen einer fommernädt- lichen Heimreife im Mondlicht, die Frauen und Mädchen fuchten Halstüher, Schirmden und Körbchen, die Mänz- ner ihre Hüte und Stöde, alle dankten für den fchönen Genuß des Tags, und die Gefellfchaft zog mit Heiterkeit ab, einige zu Wagen, die meiften zu Fuße,
Sobald ich mich mit Hellborn allein fah, Konnte ich mich nicht enthalten, über feine Schwägerin frei mit ihm zu reden. »Wie ift es möglich, fagte ih, daß diefe Grefcentia, die vormals in dem vortheilhafteften Rufe der Feinheit und Artigkeit ftand, num in ein fo bizarres Mefen verwandelt werben konnte? Wie ging es zu, daß fie, unter ihren Schweftern von der Natur vielleicht am vor= züglichften ausgeftattet, ihre Beftimmung ald Gattin und Mutter allein verfehlte? Das find die widrigften Kofet- ten, die dem Zerfall ihrer Reize duch Gelehrfamteit auf- helfen wollen, und es ift oft nicht unintereffant, die
Befchichte ihrer Verirrung zu erfahren.” Hellborn ent: fprad) gerne meinem Wunfhe, Wir festen uns auf den Sopha,- ich fhmaucdhte behaglich mein Abendpfeifchen, und mein Freund fing die Erzählung an.
2:
Der Ohervogt von Nellenburg, Seinrih Frafer, batte drei Töchter, Erefeentia, Louife und Therefe, Er bildete fich auf diefelben nicht wenig ein, denn fie waren nicht nur fein von Geftalt, fondern aud) geiftreic, und ge= wandt in den Manieren eines angenehmen Umgangs, Er jelbft liebte die Gefellfhaft, und jah es auch nicht ungern, wenn er Befuche von jungen Männern erhielt, die den Mädchen Aufmerkfamkeit bewiefen. Ob er gleid) in feinen Grundfägen fireng war, fo geftattete er doch den Zöchtern ungemein viele Freiheit, weil ev glaubte, fie durch eingeprägte Grundfäße und durdy Hülfe einer guten Erziehung gegen Verlodungen gefichert zu haben; aud) hielt er einen ungezwungenen Umgang beider Ge: fchlechter für eine Schule der Artigkeit und guter Sitten, Die forglichere Mutter hatte freilih mande Einwenduns gen, allein da fie ihre Meinung nicht durchzufegen verz mochte, fo. gab fie nad), und die Sache blieb, wie ihe Gatte wollte, Es herrfchte ein gefälliger Ton im Haufe, man war frei, ohne die Anftändigteit zu beleidigen, ge=
fprächig mit Geift, gejellfehaftlich mit Würde, Doc) id) Tehre zu Grefcentien zurück, welche die ältefte Zochter und die Lieblingin ihres Vaters war, ein Mädchen, das eben fowohl durd; geiftige Vorzlige fid) auszeichnete, alddurd) Törperliche Reize,
Gie hatte ihren fünfzehnten Frühling angetreten, als Ferdinand Walther, ein Süngling von guter Erzie- bung und Familie, in’s Haus aufgenommen wurde, um unter Frafers Anleitung das Rechnungswefen und bie erften Elemente ber Rechtspflege als Vorübung für die bobe Schule zu erlernen, Ferdinand war nicht lange in Grefcentiens Nähe und Umgang, als die zärklichfte Neiz gung in feinem Herzen erwacdte und zu einer immer größern Flamme aufloderte; aud, Erefcentia fühlte fid) allmählig zu dem guten und gefühloollen Süngling mit allem Feuer der erften Liebe hingezogen. Der fcharffes bende Obervogt bemerkte bald, was in dem Herzen ber jungen Leute vorging, legte aber ihren Gefühlen, Wins fchen und Hoffnungen Eein Sindernif in den Weg, da ex gegen eine künftige Verbindung nichts einzuwenden hatte, So verging ohngefähr ein Sahr, im Rofenlicht jugendlid) fchwärmerifcher Liebe verlebt, voll unausfprechlicher Freude und Seligkeit, aber nur allzufhnell, denn die Stunde des Abfchieds rücdte heran, die den Züngling für eine höhere Laufbahn abrief. Der Abfchied war zärtlich und
traurig, dod) gemildert durch das gegenfeitige Verfprechen eines fleißigen Briefiwechfels.
Gerdinand bezog alfo die Univerfität, Crefcentia aber wurde zu einer Tante in die Nefidenz gefchict, um das felbft der Zeitfitte gemäß fi für ihre Künftige Beftim- mung vollendend auszubilden, Die Tante gehörte zu der großen Welt, und verfäumte nichts, um die Zalente ihrer Pfleglingin zu entwiceln und in’s redyte Licht zu ftellen. Das Mädchen trat in größeren Gefellfchaften auf, erregte Auffehen, und hatte bald die Wahl unter Degleitern auf den Ball und in’s Theater, She nur zu reizbares Herz verfank in einen Strudel von Zerftreuunz gen. Darüber verlor das Andenken an ihren Ferdinand bald an Kraft und Innigkeit, Seine Briefe, voll Schwär: merey und Leidenfchaft, riefen zwar anfangs das geliebte Bild noch oft in ihre Seele zurüd, aber nad) und nad) wurde es immer tiefer in den Dintergrund ihres Gemüthes veriiefen, und ihre Antworten wurden Fälter und feltener, Ferdinand befchwerte fich ; darüber wurde fie empfindlid) und oft bitter, Der gute Süngling litt unausfprechlich, während Grefcentia forglos und unbeffimmert auf dem Pfade des Leichtfinns und der Gleichgültigkeit forttaumelte,
Unter mehreren Belanntfchaften, welche Grefcentia damals mit jungen Männern hatte, wurde dem Baron von Lindholm bald die erite Stelle eingeräumt. Die Tante,
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ftatt Grefcentien liebreich zu warnen, hatte vielmehr eine Freude an den Zriumphen des Mädchens, und fehäßte fih es jelbft zue Ehre, den Baron in ihrem Haufe zu eben. Geit diefer Zeit wurde der gefühlvolle Ferdinand ganz vergeffen, und auf eine Reihe von Briefen Fam Feine Antwort zurüd, Darüber verfiel ev je mehr und mehr in Betrübniß und Kummer, fann hin und her, fid) die Urfache diefer Bernadläßigung zu enträthfeln, und fonnte fie durdhaus nicht errathen, denn fein argwohnlofes Herz dachte fich das nicht möglich, was wirklich fehon fich be= geben hatte, bis ihm durch den Brief eines Wetters aus der Stadt, welcher fein Verhältnig zu Erefcentien Eannte, die Augen eröffnet wurden, Sest erft fah er den Abgrund, in welchen feine Hoffnungen und Freuden verfanten, na= menlofer Schmerz ergriff feine Geele, er Eonnte weder ruhen noch bleiben vor innerer Qual verratbener Liebe, und eilte in die Stadt, um feinem theilnehmenden Freunde fih) in die Arme zu werfen, und mit ihm zu überlegen, welchen Entihlug er nun faffen follte,
Liebreich empfing ihn der Vetter und tröftete ihn, aber das wunde Herz war nicht empfänglich für den Bal- fam des Zroftes, »Wohlan denn, fagte der Vetter, es gibt Krankheiten, die man nur durd; Krankheit beilen fann, und mandje Wunden muß man erft tiefer aufreifs fen, wenn fie vernarben follen, Begleiten Sie mid) die:
fen Abend in’s Theater, vielleicht werden Sie dort mehr duch, She Augen als durd) meine Borftellungen für Shre Genefung gewinnen,? — Ferdinand willigte ein, und fie gingen zur feftgefegten Stunde, Sie hatten nody nicht lang im Parterre ihren Pla gewählt, als Grefcentia mit dem Baron in einer Loge fichtbar ward, Ferdinand fühlte fi ganz niedergedrückt bei ihrem Anblie, alle Qualen der Eiferfucht folterten fein Herz, und die Flammen des brenz nenditen Unmuths durchglühten ihn, als er die fchäcernde Dertraulichkeit bemerkte, die zwifcdhen feiner Ungetreuen und ihrem Liebhaber beftand. Als er aber jah, wie fie faft immer einander zuflüfterten, ganz und gar nur mit Tich felbft befehäftigt waren, und des Schaufpiels wenig achteten, da meinte er vergehen zu müffen vor Xerger und Zorn, da bielt er den Anblie niht mehr aus, bie Luft deuchte ihm verpeftet in ihrer Nähe, die Wände fdienen ihm zu zittern und die Wölbung des Haufes über ihn herzuftürzen. Er verließ das Theater, wie ver- nichtet im innerften feines Gemüths, doch der theilnehz mende Better folgte ihm auf dem Fuße nad), Gie gin- gen zum Zhore hinaus in die Kaftanienallee, Ferdinand tobte und weinte wechfelöweis, Erampfhaft fühlte er fein Herz gepreft, und fein Kopf brannte, wie im Fieber, Us fie zu Haufe anlamen, warf er fih aufs Bette ‚und eine fchredlihe Naht, weder Wachen noch Schlaf,
weder Zraum nod) Wirklichkeit, ging über fein Leben bin; Als der Morgen anbrah, wollte er plöslich abreifen, allein ber Vetter redete ihm zu, Grefcentien vorher nod) einen Befuc abzuftatten. Lange Eonnte fi Ferdinand nicht entfchließen ; da aber der Vetter ihm vorftellte, daß diefer Befud, für feine Ruhe, ja vielleicht für fein Schidz fal entfcheidend feyn Eönnte, willigte er ein und ging bin,
Wie Eopfte fein Herz, als er an dem Haufe anfam ! Wie zitterte er, als er der Thüre ihres Zimmers fich nahte! Wie ganz aber verlor er alle Faffung, als ex endlich fie jelbft Jah, nacläßig angekleidet und auf dem Sopha fisend neben dem Baron, welcher traulich feinen Arm um ihren NRacden fchlang! Kaum vermochte ers die Worte zu ffammeln, dag er gekommen fey, fich perföne ih nad ihrem Wohlfeyn zu erkundigen, weil ex fhon fo lange Teine Briefe mehr von ihr erhalten hätte, Gref- centia, nichtim mindeften verlegen, verficerte ihn ganz teocden ihres Wohlbefindens, und fagte zum Baron: Dieß ift Herr Walther, der vormals Schreiber bei meis nem Bater war, ?— Diefe Kälte, diefe höhnifche Be: handlung war mehr, als Ferbinand ertragen Eonnte, » Wie, rief er aufgebracht, ift das alles, was Gie von mir zu fagen wiffen? Nidts von dem Verhältniffe, in weldhem wir ftehen? Nichts von Ihrer fo oft mir heilig zugefagten Zreue? Nichts von der Einwilligung unferer
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eltern? Bon dem allem wiffen Sie nichts mehr?” — Grefcentia fchwieg, >Nun dann, fuhr Ferdinand mit Stolz und Würde fort, fo ift die mein lestes Wort, Unfre Sachen find für immer abgethban. Leben. Sie wohl !? — Damit verließ er das Zimmer. Rubiger, als er den Better verlaffen hatte, Eehrte er zu demfelben zus züe, und dankte ihm herzlic für feine Freundfchaft und Zurechtweifung.
Er eilte aus der Stadt, und Fam noc, denfelben Abend in Nellenburg an, Der Obervogt und feine Gat- tin empfingen ihn als einen Sohn mit älterlicher Liebe, Aber in weldhe Beftürzung geriethen die guten Leute, als Ferdinand ihnen erzählte, auf welche Art er Eref- centien wieder gefehen habe! Wie fihmerzte es fie, als fie feinen Entfchluß vernommen, das gefchlungene Band auf ewig zu zerreifen! Mit weldem Kummer erfüllte fie die getäufchte Hoffnung, die Zochter einft mit dem guten Süngling glüdlic verbunden zu fehen! Wie fehr ver= wiünfchten fie Grefeentias Leichtfinn, und die Sorglofigkeit der Zante!
Kachdem fich Ferdinand einige Tage in Nellenburg aufgehalten und im Umgange mit diefer würdigen Familie fein gepreßtes Gerz ein wenig erleichtert hatte, Zehrte er von frommen Gegenswünfchen begleitet wieder an den
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Ort jeiner Beftimmung zurücd, Grefcentia wurde fogleid) heimberufen. Die Borwürfe des Vaters, die Betrübnif der Mutter, und noch mehr der firenge Befehl, ohne Berzug die Stadt zu verlaffen und ins älterlihe Haus zurücdzufommen, erfüllten fie mit. Schredien und Leid, Sie und die Tante baten um einen verlängerten Aufent- halt mit den flehentlihften Worten und mit den reuvoll- ften Berfprechungen; allein vergebens und wieder verger bens. Um nun den Briefwechiel in diefer verdrießlichen Sade jhnell zu endigen, erihien der Vater unvermuthet jelbft, fobald er ablommen Eonnte, E& war eine traurige Heimfahrt. Der Vater, voll Xergers, fprad) wenig, und der Tochter war's, wie wenn fie aus einem langen Eraume errvacht wäre. Die raufchenden Zerftreuungen, die glänz zenden Zirkel, das gefchäftlofe Freudenhafchen hatte nun ein Ende, und flach wibrig für fie ab ‚mit der häuslichen Stille eines Landftädtchens, und mit den gerechten WVerz weifen ihrer tiefgefräntten Xeltern, Was ihren Zuffand noch unerträglicher machte, war die Nachricht, daß der Baron, welder ihr fo oft ewige Liebe gefchworen hatte, fih über ihre Abreife gar leicht habe tröften Fönnen, und ihrer bereits in den Armen einer andern Auserwähl- ten vergeffen habe. Dazu kamen nodh oft wehmüthige Erinnerungen an ihren verlornen Ferdinand, deffen Bild dur alles, was fie umgab, unwillführlich ihrem Her-
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zen wieder näher gebracht wurde, Wie oft bereute fie ihre Shorheit und ihr Unrecht ! Uber e8 war zu fpät,
Gerdinand verlor lange den Frohfinn der Zugend; nur allmählig fand er die Ruhe wieder in dem angeftrengs ten Eifer, womit er fihb auf Wiffenfhaften legte. Rad) Bollendung feiner Studien erhielt er eine Gere: tairsfielle in der Ganzley, und flieg in Eurzer Zeit zu der Würde eines Oberregierungsraths, welde Stelle er eben fo rühmlid) als gemeinnüsig nod) bekleidet, Er lebt in einer glüclichen Ehe und ift Bater von Hoffnungsvollen Söhnen und Töchtern,
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Nach einigen in ftiller Alltäglichkeit vorüber gejchwunz denen Sahren, ging Erefcentien ein neuer Stern der Liebe auf, Horftig, der erfte Geiftliche des Stäntcdhens, hatte einen einzigen Sohn, der Kandidat des Predigtamts war, jedoch feit adyt Fahren in dem Haufe eines ruffiihen Für: ften als Hofmeifter feiner Kinder gelebt hatte, allein eben jest nad) einer fo langen und weiten Trennung wieder in die Arme feines Vaters umgekehrt war, Die Eitte erforderte ed, im Städtchen Befude zu machen, unb das Haus des Obervogts war eines der erifen, dem er feine Aufmerffamfeit widmete, Grefcentia war damals in ber vollen Blüthe ihrer Sugend und Schönheit,
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Unwiberftehlic war der Eindrud, den fie gleich beim erften Anblick auf Wilhelm machte; dieß war der Vorname des jungen Horflig. Er wieberholte daher feine Befuche fehr häufig und bemerkte bald, daß er Erefcentien auch nicht gleichgültig fey. Frafer und feine Gattin jahen mit Wohl: gefallen das neue Verftändniß, aber der alte Horftig warnte feinen Sohn, vorfichtig zu feyn, verfagte ihm übrigens die väterlihe Einwilligung nicht zu einer nä= bern Berbindung. Alfo entdedte Wilhelm eines Abends der Geliebten in der Laube des Gartens fein Gerz, und erhielt auch von ihr ohne Ziererey und viele AUmftände die Verficherung der zärtlichiten Zuneigung, Feurige Küffe verfiegelten den Bund.
Die Liebenden hatten noch nicht lange die Seligkeit ihres [chönen und glüdlichen Berhältniffes genoffen, als ein Regiment Dragoner in’s Städtchen einrücdte, und auf einige Zeit dafelbft Quartier nahm. Der Oberft, ein Mann in feinem beiten Lebensalter, groß, fchlanE, artig gegen das Frauenzimmer, fonft aber etwas rauf und aus Neigung Soldat, wählte feinen Aufenthalt im Haufe des Dbervogts. Wilhelm fahb nicht gut zur Sache, denn ihm fielen die Warnungen des Baters ein, und eine fdwermüthige Ahnung preßte feine Bruft zu= jammen. Der Oberft betrug fich indeß fehr anftändig, war gegen Jedermann im Haufe freundlic und gefällig,
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erbat fich öfters die Familie des Haufes zur Sheilnahme an feinen gefelligen Vergnügungen, und vermied forgfältig alles Mifliebige, daß im Haufe bald nur Eine Stimme über die Höflichkeit und Freundfchaftlichkeit des Oberften war, Gerade damals aber wurde Wilhelm in die Nefis denz berufen, um feine Tauglichkeit zu einem geiftlicdhen Amte durch öffentliche Prüfung zu beurkunden. lnges fäumt reifte er ab und voll frohen Muthes, weil er num einer baldigen Anftellung und der damit verbundenen Be= fhleunigung feiner feligften Hoffnung entgegen fah, Er befand in der Prüfung mit großer Ehre und Auszeic- nung, und wurde mit den glänzendften Verfprechungen entlaffen. In wenigen Zagen waren feine Gefchäfte ab gethan, und er fchickte fi) an, aufden Flügeln der Liebe verzuglos wieder heimzureifen, allein einige Verwandte bielten ihn mit liebevollen Nöthigungen nod) zurüd, daß er nicht ausweichen Eonnte, nod) einige Zeit in ihrem Kreife zu verweilen, Sobald er aber fi, Losreigen Eonnte, machte er fidh auf den Heimweg, voll feliger Empfindung und von Rofenträumen der Liebe umgaufelt. — Armer Betrogner, wie fehr hat fih in zwölf Zagen die ganze Scene verändert !
Wilhelm war kaum im väterlichen Haufe angefoms men, und hatte kaum in ber gebrängteften Erzählung die Neugierde feines Vaters befriedigt, ald er fogleich zu
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der Geliebten eilen wollte, Da fagte ber Vater; »Ih fürdte, mein Sohn, daß meine VBorherfagungen nur zu bald eingetroffen find, Das ganze Städtchen [pricht zweiz beufig von Grefcentias Umgang mit dem Oberften, und bebauert dich, Der Oberft fcheint deine Abwefenheit für fi wohl benust zu haben, und fpielt feit deiner Ent- fernung die Rolle eines erklärten, ja, was nod mehr fagen will, eines begünftigten Licbhabers. Sch will die Gerüchte, die über Grefeentias Betragen umlaufen, weder nachfagen noch zergliedern, nit einmal glau- ben, dod väterlich warnen will ich dich noch einmal, Und nun gehe hin und prüfe mit eigenen Augen.? — Wilhelm ging, mehr traurig als froh, und zwifchen Glauben und Zweifel getheilt, Die Sonne war bereits unfergegangen, ald er die Wohnung des Oberpogts ber rat, Mit fihtbarer Freude empfing die Familieden Wie- dergefehrten, aber Grefcentia fehlte, Auf feine Erkune digung erfuhr er, daß fie noch im Garten fey, aber mit jebem Augenblicke heimtommen müffe. Aengftlich harrte er ihrer Ankunft entgegen. Sie erfchien endlih, als bie Dämmerung bereits in Nacht überging, und der Oberft war ihr Begleiter, Das fuhr ihm durdh8 Serz. Dens noch fuchte ex fich möglichft zu faffen, und feine Begrüfe fung war würdevoll und warm: Grefcentia war kälter, frembartiger, Zwar konnte ihre fteife Abgemeffenbeit aus
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einer jungfräulichen Scheu vor der Gegenwart des Ober: ften erklärt werden, allein ihr Betragen bekam die richtige Deutung dadurd) , daß fie fich fait ausfchliegend mit dem Dberften befchäftigte, um Wilhelms Gegenwart fidy nicht viel zu befümmern fdhien, und an feinen Erzählungen wenig Antheil nahm, Das Fränkte und fchmerzte ihn im Snnerften, Es war unverkennbar, daß die Sadyen nicht mehr ftanden, wie vormals; allein an einen gänzlichen Brud) dachte er immer noch nicht, Darum feste er auch ferner feine Befuche fort, und gab fi alle Mühe, das alte Berhältniß wieder herzuftellen, Grefcentia aber wich feinen Erklärungen und Ermahnungen je mehr und mehr aus, ja er meinte fogar einigemal zu bemerken, daß feine Gegenwart fie zu drüden anfange,
SISndem fo fein Liebesverhältnig auf fchwacen Füßen ftand, und immer fchwanfender, bedenklicher wurde, etz hielt er die unwillfommene Nachricht, fein Großvater liege auf den Zod, und winfhe ihn vor feinem Ende nod) einmalzu fehen und zufegnen. Wilhelm hatteden heite- ren Morgen feiner Kindheit bei dem guten Grofvater, der immer eine befondere Liebe zu ihm gehegt, auf dem Lande verlebt, wo er Pfarrer gewefen, und bei demfel- ben auch den erften Zugendunterricht genoffen, daher war 5 für ihn heilige Pflicht, den Willen des fterbenden Grei- fen zu erfüllen, Spät Abends empfing er den Brief,
und am andern Morgen ging ex zu Grefcentien, um ihr die bevorftehende Reife anzuzeigen, Er traf fie mit Ge- genftänden des Puses befchäftigt, und erhielt, da er fie um die Abficht ihrer Befhäftigung befrug, die Antwort, fie werde biefen Abend auf den Ball gehen. »Sift das umiberruflich befchloffen?? frug Wilhelm weiter, mit einem zärtlichen, bittenden Ton. — » Allerdings, erwiederte fie, ich habe mein Wort gegeben, ?— »Und Eönnen denn, fuhr jener fort, nicht Umftände eintreten, die uns bes ffimmen, ein gegebenes Wort wieder zurüdzunehmen ? Zheure Erefcentia, ein fterbender Großvater ruft mid) zu feinem Zodtenbette, ich werde diefe Nacht noch mit dem Poftwagen abreifen, wir werden uns vielleicht meh- vere Wochen lang nicht wieder fehen; erweifen Gie mir vor meinem Xbfchiede noch die Liebe, und fchenten Gie mie diefen Abend, ? — » Bitten Sie mid nicht länger, Herr Horflig, dev Oberft würde es fehr übel nehmen, wenn ich nicht mit ihm ginge,” — »Und haben Sie denn theurere Pflichten gegen den Oberft, als gegen mid)? Gibt es nicht Ausflüdhte? Können Gie fih nidyt mit einer Unpäßlichkeit entfchuldigen®? — Bei diefen legten Morten trat der Oberft in das Zimmer, und frug: » Bon weldyer Unpäßlichkeit reden fie da?” Grefcentia aber antz wortete ganz boshaft: ». Herr Horftig gibt mir den Rath, mich beute Eranf zu ftellen, um meines Worts entbunden
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zu feyn, mit Shnen auf ben Ball zu gehen,? — Kaum hatte der Oberft diefe Worte vernommen, als er mit dem grimmigften Zorn in die Eränkendften Schmähungen ausbrah, und fagte: »Ha, meinHerr, gehen die Pfafz fen hier zu Lande aud) mit Lügen und Kabalen um? Ich will Shnen übrigens ein für allemal wohlmeinend rathen, fi nicht weiter in Sachen zu mifchen,, weldhe Sie nichts angehen,? Wilhelm, fo empört auch fein Gemüth bei diefem Auftritte war, verlor doch die Geiftesgegenwart einen Augenblick, und fagte mit edler Würde: „Ich bante Shnen recht fehr für Ihren wohlgemeinten Rath, und gebe Ihnen die heilige Berficherung, daß ich mic) nie mehr in dieje Sache mifchen werbe,? — Mit diefen Morten entfernte er fich.
Er eilte heim zu feinem guten Vater, in beffen Bus fen er fein ganzes Herz ausfchüttete, » Danke Gott, mein Sohn, fagte der Edle, daß er dir nody zur vedhz ten Zeit die Augen eröffnet hat, Du warft im Begriff, did) unglüclidy zu machen, die Vorfehung hat did, ger rettet, Denke nicht mehr an’s Vergangene, und glaube, daß Gottes Gnade dir etwas Befferes aufbewahrt hat, ? — Milhelm wurde ruhiger, die Naht brah an, und die Stunde feiner Abreife nahte, Er ging zur beftimme ten Zeit auf das Pofthaus und harrte, (mit welchen Ems pfindungen! denn gerade auf dem Pofthaufe war ber
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Ball) in feinen Mantel gehüllt, auf ver dunkeln Straße gegenüber, des abgehenden Wagens. Alle Zimmer waren erleuchtet, die raufhende Mufit fholl in feine Ohren, bie Tanzenden [hwebten an den hellen Fenftern des Saals an feinen Augen vorüber, und mehrmals fah er felbft Grefcentien, in den Armen des Oberften, die Reihen hinunter fliegen. Wie unglüdlid) fühlte fd) da der junge Mann, weld ein Sturm von Empfine dungen und Gedanken empörte das-Innerfte feiner Seele ! Endlic, fuhr der Wagen vor, Tchweigend nahm er feis nen Plas ein, und rollte davon,
Dierzehn Tage nod) blieb das Regiment im Städte chen, Während berfelbigen war ein beftändiger Wechfel von Freudenfeften im Haufe des Obervogts, täglich wurs den Befuche empfangen ober gegeben, ‚es war ein Taus mel von Zerftreuungen, in welchen man lebte, Greftens tia kam zu Feiner Befonnenheit und Weberlegung, nur des Augenblids dachte fie, die Zukunft wurde nie von ihr mit Ernft beachtet, Na dem Verfluffe diefer Zeit mußte das Regiment feine Standquartiere plöglid ver- Yaffen, und der Oberft fchied von der Familie. Da er aber nur wenige Meilen weit verlegt war, fo Fam er beinahe täglich angefahren, Fam er aber nicht felbft, fo wecfelte ev mit Grefcentien heimlich Briefe, Der Ins halt derfelben wurde nie befannt, doc läßt er fi er=
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vathen. Sie fchwebte an einem Abgrunde des Verder: bens, Ihr guter ‚Engel rettete fie noch. Der Brief: wechfel Eonnte dem Vater nicht verborgen bleiben, er trat alfo eben, als ein Schreiben an fie angelangt war und fie Faum daffelbe erbrodhen hatte, in das Zimmer, um den Inhalt veffelben zu erfahren. Woher, fragte er, ift der Brief? Laß ihn lefen,? — Schmeigend und erröthend gab fie ihn hin, Wie erjchraf der überrafchte Vater, als er eine Einladung zu einer heimlichen Zus fammentunft darin fand! Bol Beflürzung frug er: »Mie fommt der Oberft dazu, dir einen fo fehändlichen Antrag zu machen?? — Grefcentia zitterte, »Haft du ihm Hoffnungen gemadht, Unglüdlihe! fuhr der Vater fort, und feine Liebeleien fir Ernft aufgenommen 2? — Erefcentia weinte, » Sprid aufrihtig, und fage mir, wie ftehft du mit dem Oberft 2? — » Er bat, ftammelte Grefcentia, mir die Ehe verfprochen.? — „Nun, fo er= fenne ganz bein Elend und deine Schande,” donnerte der Vater fie an, und wiffe, der Oberft ift fchon feit zwölf Sahren verheirathet. Test aber geh’ mir aus den Au- gen, Nihtswürdige, und laß dich nicht eher vor mir fer ben, als bis ich dich rufe, Sch Unglüdlicher, warum hab’ ich ihr fo viele Freiheit gelaffen!? — Erefcentia entfernte fih, um in fchmerzliher Reue ihre Zhorheit zu befeufzen , und über den Berluft eines edeln Mannes
bittere Betrachtungen anzufteilen, Vater und Mutter waren ihr gram und blieben es lange, befonders nadı= dem fie erfahren hatten, weld ein Glüc fie verfcherzt habe, und voie fchändlic fie dem redlichen Wilhelm begegnet fey. Sie wurde nun unter ftrengere Auffiht genommen, dem DOberft aber feine galante Einladung im Original wieder zugefhidt, Seit diefer Zeit fhrieb und Fam er nicht mehr.
Den jungen Horftig gelang es bald, die fo unver: fchuldete Wunde feines Herzens zu heilen, Nachdem er feinem fterbenden Großvater unter den Gegnungen def= jelben mit frommen Händen die Augen zugedrüdt hatte, fehrte er zum Vater zurück, und lebte ganz in der Stille, E53 ftand nicht Yange an, fo befam er eine fehr anges nehme Pfarre in der Nahbarfchaft, und bald darauf gab ihm ein fehr edles und gebildetes Mädchen die Hand, Als rin Frafers Haufe der Sitte gemäs den Brauts befudy machte, hatte fid) Grefcentia in ihr Zimmer ein- geichloffen; als aber der alte Horftig vor einer Menge anwefender und freudig theilnehmender Zeugen am Altare den Segen Über dad Brautpaar fpradh, war Erefcentia verreift,
Zum beittenmal lächelte Grefcentien die Sonne häugs lichen Glüds, Es lebte ein Kaufmann im Städtchen, Namens Peter Baldinger, ein Mann, der, ohne ein fpe= Eulativer Kopf zu jeyn, fich durd) Glück im Handel ein anfehnliches Vermögen erworben hatte, Sein einziger Sohn, Bernhard, hatte feit zehn Jahren auf großen SHandelspläsen fi) umgethan, und in der Welt etwas tüchtiges gefehen und erfahren. Da der Vater bei feinem berannahenden Alter fih in die Ruhe begeben und feiz nem Sohne die Handlung übergeben wollte, wurde dies fer heimberufen, und war feit einigen Tagen angelangt, um bie Gefchäfte nad feinem Kopfe zu ordnen, Er mochte etwa dreißig Jahre alt jeyn, war nicht fondeulich groß, aber von ftarker Pofitur, Übrigens von gutem Xus- fehen, männlich in feinem Betragen, höflich ohne viele orte, und in feinen Sitten [hliht und unbefcholten, Er hielt fich feit feiner Heimkehr gewöhnlich ftill zu Haufe, weil er dem Eeinftädtifchen Vifitenmachen gram war, und bdiefe läftige und umftändliche Höflichkeit nicht leiden Eonnte,
Eines Sonntags Vormittags lag er unterm Fenfter und fchmauchte feine Pfeife Knafter in die frifche Luft hinaus, als eben das Geläute der Glocen zur Kirche
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rief, Mit einmal fprang er, wie wenn ihn ein eleftri- fher Schlag getroffen hätte, von dem Plas auf, wo er behaglich die Vortibergehenden betrachtet hatte, und zief; »Bater! Bater!? — Der alte Baldinger erfchrat und meinte, feinem Gohne fey ein Unglück begegnet. » Was ift dir, Bernhard?” fragte er beftürzt, » O fehen Sie, fehen Sie doch, entgegnete der Sohn, jenes götte liche Srauenzimmer mit dem Heinen, grünfeidenen Hüt: hen! Wer ift fie wohl?” — Der Vater fah hin und fagfe ganz ruhig: » Das ift die ältefte Zochter unfers Dbervogts, Sie geht gewöhnlich Sonntags hier vor: über in die Kirche, ? — » So! So!? erwiederte Bern: hard haftig, legte die Pfeifeweg, fprang aus der Stube, und warf fich auf feinem Schlafzimmer gefcdywind in feft- lihe Kleider, um gleichfalls nad) der Kirche zu gehen. Er wählte dort feinen Plab fo, daß er dem Stuhle des Obervogts gerade gegenüber zu ftehen Fam, folglich den erkorenen Gegenftand feiner Bewunderung immer im Auge hatte. Ohne Aufhören heftete ex feine Blide auf Grefcentien, und wurde Mr Anfchauen fo liebetrunz ten, daß er beinahe des Ortes vergaß, wo er war, Kaum war der Gottesdienft zu Ende, als er nah Haufe eilte, feinem Vater unverholen den Eindrud fchilderte, den Grefcentia auf ihn gemadht hatte, und den Wunfch Auf: ferte, fie zu beirathen. Mir all vet, fagte Peter
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Baldinger, es ift eine gute Samilie, und Mittel foll der Obervogt aud haben; allein die Sache hat doch ihr Hädlein, Das Mädchen ift fehon in einigen Liebeshänz deln geftedt, die für fie feinen guten Ausgang hatten, ? — „Shut nihts, Baker, folhe Mädchen geratben oft am beften in der Ehe. Wenn fie nur ihre jungfräulide Ehre nicht beflecit hat, fcheue ich den Verfuch nicht, ? — Rurz, Bernhard überredete ven Vater, daß er fi ent= ihloß, beute noch für den Sohn den Brautwerber zu machen.
Kaum war bemnad) in des Obervogts Haufe die Mits tagstafel geräumt, als Peter Baldinger gravitätifch und fattlicdy gepußt in das Zimmer trat. »Ey, das iftja ein feltener Gaft, rief ihm Srafer fogleich entgegen, feyn Sie uns herzlich willfommen, Herr Baldinger!? Mit diefen Worten ftand er auf und führte ihn zum Sopha, Nacdı) manchen Umfchweifen Fam der gute Alte endlich auf feinen Sohn zu fprechen, rühmte deffen gute Eigene Tchaften, fehilderte feinen VBermögenszuftand, und offene barte endlich feine WfihM, um die Hand Grefcentieng für ihn anzuhalten, Die Familie war überrafcht, »Ic, meines Theil, fagte der Obervogt, finde mich fehr ge: ehrt durd) den Antrag, allein ich fann der Neigung mei: ner Zohter nicht vorgreifen. ?— Grefcentia benahm fic fehr vernünftig. » Eine Sade von folder Wichtigkeit,
jprad) fie, ann nicht fo plöglich abgemacht werden, Ich babe das GlÜüd noch nicht gehabt, den Herrn Sohn fen- nen zu lernen, eben jo wenig Eennt er mid, Die Ent: fcheidung wird alfo von einem näheren Umgang abhäns gen,? — » Brapiffimo, rief Peter, das ift gut und recht geiprochen. Sch werde meinem Sohn diefe Antwort bin- terbringen,? — Siemit entfernte er fich,
Bernhard fäumte nicht, dem guten Winde zu fol- gen, Die ganze Kamilie hatte eine herzlihe Freude bei feiner Ankunft, man mußte ihm gut feyn, ibn empfahl die Äächte Farbe feiner Biederkeit, Nur Crefcentia war nicht ganz mit ihm zufrieden, und meinte, dem guten Bernhard, der nicht viele Umftände zu machen gewohnt war, fehle es ein wenig an Politur, indep begegnete fie ihm mit Artigkeit, unterwarf fi) dem väterlichen Gut diünfen, und gab ihm ihr Sawort, Kaum war dief ge- fchehen, als der alte Baldinger, der auf Förmlichkeit und Herkommen hielt, ein glänzendes Gaftmahl bereiten ließ, woburd) fich der reihe Mann beurkundete, Es wurde ein Berlobungsfeft gefeiert, Und die erften Häufer des Städtiens dazu eingeladen, Grefcentia war die Fürftin des Feftes, und Bernhard bezeugte ihr die zärtlichfte Aufmerkfamteit. Ws das Effen vorüber war, wechfelte das Brautpaar die Ringe, Bernhard legte zu dem feiniz gen nod) fo Eoftbaren Schmud, daß eine Fürftin fich das
durch gefchmeichelt gefunden hätte, Unter Freude, Freunde Thaft und Liebe verging der Zag; die Trauung wurde vers abredet und auf die nächfte Woche feftgejestz alles fchien in Richtigkeit zu feyn, als auf einmal das ganze Borhas ben fcheiterte,
Grefcentia war für diefe Verbindung mehr überredet als gewonnen, Sie empfand für Bernhard zwar Ace fung, aber feine zärtlidhe Zuneigung, vieles mißvtel ihre fogar an ihm, felbft fein Name, Se näher der Tag der Bermählung beranrüdte, defto fchwieriger wurde fie, fing an ihrem bevorftehenden Glüce zu zweifeln an, und empfand zulest Anwandlungen von Angft und Widere willen, Nad einem heftigen Kampfe mit fidy jelbft, faßte fie den Entihluß, aud) diejes Band wieder zu zer= reifen, Shrem Bater fagte fie nichts davon, denn fie | fürdhtete feinen Zorn. Alfo wendete fie fich Tchriftlich an den Bräutigam felbft, und gab ihm, wiewohl mit der größten Schonung und mit einem Schwall füßer Worte, zu verftehen: »Daß fie nicht hoffen Eönne, ihn fo glüd-
lid) zu machen , als er verdiene, ?— MUebrigens bat fie 2 ihn nod »um die Großmuth, die Sache noch geheim zu halten, und öffentlich felbft den rechten Schritt zur Aufkündigung zu thun, Sie fege fich darüber hinweg, vor den Augen der Welt als eine verfhmähte Braut zu ericheinen, ?— Das war ehrlich genug, aber nieder-
fchmetternd für den armen Bernhard, der Grefcentien von Herzen liebte, und dbiefes Auftritts fich nicht vers feben hatte, Er Eonnte nit umhin, er mußte feinem Vater den Brief zeigen, Als diefer die Brille aufgefegt und den Inhalt deffelben begriffen hätte, fprad) er zieme lich gelaffen: »Nun fiehft bu, daß die Eile hier nichts genüst bat, Allein fo leicht foll fie doch nicht loskome men, Gie verdient eine Züchtigung, und die foll ihe werben. ?
Er warf fi fhnell in feine Kleidung, nahm den Brief zur Hand, und ging zum Obervogt, » Sehen Sie, Herr Oberpogt, fagte er, indem er ihm den Brief in vie Hand gab, fehen Sie, wie man fich in feiner Meinung und Erwartung betrügen Eann.? — Der Obervogt las, erblaßte und ftampfte den Boden vor Zorn, Grefs centia wurde berufen, »Kennft du diefen Brief?” donnerte ber Vater fie an, als fie faum das Zimmer betreten hatte, ©ie verftummte. Er aber fuhr fort: Bift du fo gewohnt, Wort zu halten? Meint du, man werde deine Zollheiten dir immer ungeftraft hingehen lafs fen? Du bift einmal alt genug, um überlegen zu lönnen, was recht und gut if, Was du verfprocdhen haft, mußt bu auch halten, oder ich erkenne dich nicht mehr für meine Zohter,? — Sie fing an zu weinen. Der Vater aber fuhr fort: » Spare deine Ehränen, Nihtswürdige! und Gie,
Herr Baldinger, fordern Sie Genugthuung. Sie haben über Sie zu disponiven, Um die Freundihaft aller Mens fhen im Orte. könnte ich noch Eommen, wenn id) dem ffräflichen Leihtfinn nicht Saum und Gebif in’ Maul legte, ? — y»Rieber Here Obervogt, erwiederte Baldinger, ic) habe nun hinlängliche Genugthuung, und Ihres Worts entlag ich Sie gern, Sc denke, es fey ein Glüd für meinen Sohn, daß aus ber Sache nichts geworben ift, Im Übrigen wird er fhon noch ein Weib befommen.? — »3echn für Eine,? fagte der Obervogt, »und Würdigere, als meine ungerathene Tochter, Lieber Herr Baldinger, laffen Sie doch diefen Brucd unfere bisherige Freunde Tchaft nicht ftören,? — YNicht im mindeften,? fagte dies fer, »aber für die Mamfell möchte es gut feyn, wenn fie Eünftig unter eine fchärfere Zucht genommen würde, ? — »Das wird gefchehen,? entgegnete der Obervogt, » ver= laffen Sie fi) darauf.? — Baldinger ging.
Nun war freilich Grefcentiens Leben nicht das er= freulichfte im Haufe. Der Obervogt, deffen Lieblingin fie immer nody gewefen, war fo erbost über fie, daß er fie gar nicht mehr fehen modıte, Die Mutter, gleic- falls aufgebraht, machte ihr die bitterften Vorwürfe, » Gib acht, Grefcentia, wie Dein Wankelmuth fi nod) enden wird! Schon mehrmals haft Du Did an Deinem Schicfal verfündiget, und das Tann Feine gute Folgen
haben.” — Bernhard war über den unerwarteten Aus: gang feiner Deirathsangelegenheit eine Zeitlang ärgerlich und traurig; aber eine Reife heilte ihn bald und gründ- ih, Er übernahm fodann die Handlung des Vaters, verheirathete fih an ein fehr feines und edles Mädchen, und lebt gegenwärtig im größten Glüd und Wohlftande,
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Mährend folher Bamilienaufteitte wucfen Grefcen- tiad Schweftern in blühender Schönheit heran. Ein fdjimmerndes Zwillingsgeftivn,, das die ältere Sonne bald zu verdunfeln drohte, ging dem Frafer’fhen Haufe auf, Grefcentia fühlte das wohl, und war defhalb den Schwee ftern nicht hold, Louife war ftill, fanft, nachdentlicd,, vwiethichaftlich ; Sherefe war redfelig, fchalkhaft, Luftig, forgenlos: fo verfchieden Übrigens ihr Temperament, fo gut war bei beiden das Gemüth, Jene war fchlanE, feingebaut, blond und blau von Augen; diefe etwas bes leibter, ftärfer von Gliedern, braun von Haar und fchwarz von Augen, Die Mutter hielt beide wader zu weiblichen Arbeiten an, und wollte das an den jüngern Zöchtern einbringen, was fie an der Altern verfäumt zu haben glaubte. Der Vater hingegen fparte nichts, um ihnen zugleic) eine elegante Erziehung zugeben. Dennoch chickte er fie nicht in die Hauptftadt, Beide Mädchen waren
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den Xeltern Lieb, dod) Lonife ‚mehr nadı dem Sinne ber Mutter, Sherefe mehr, nad) des Vaters Gefhmad; Eref- centia aber konnte fich nicht vecht mit ihnen vertragen, hofmeifterte an ihnen den ganzen Zag, und ftörte fie öfr ters in ihren unfchuldigen Freuden, Daher hatten fie aud) nie ein volles Zutrauen zu ihr, nedten fie zumeis len mit jugendlichem Leichtfinn, und es gab öfters fchwe- fterliche Fehden und Verdrüßlichkeiten, in welche die Xel- tern fich, zu legen genöthigt waren,
um diefe Zeit, fuhr Hellborn fort, führte mid der Stern meines Schidfals in des Obervogts Haus: Frafer und mein Bater waren einft Schulflameraden gewefen und taglebens gute Freunde geblieben, Sch war zu einer Landbeamtung beftimmt, wozu mein Vater durd den Grafen von Lindheim, indeffen Dienften er ftand, Hoff: nung erhalten hatte. Den erften vorbereitenden Unter: richt gab mir mein Vater felbft; in meinem acdhtzehnten Sahre aber wurde ich dem Obervogt übergeben, um uns ter deffen Leitung, weil ex ein fehr braucdhbarer und ge: fhidter Gefhäftsmann war, mid tüchtig zu maden für meine Beftimmung. Nicht wie ein Subaltern, fondern wie ein Sohn vom Haufe wurde id aufgenommen und behandelt, durfte, foweit es meine Gefchäfte erlaubten, an allen Vergnügungen Antheil nehmen, deren es nicht wenige gab, war öfters bei Befuchen gegenwärtig , und
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fehlte zumeilen aud) dann in der Gefellfichaft nicht, wenn man fidh auswärts einen guten Tag machte. Mit grene zenlofer Ergebenheit war ich einem Haufe zugethan, wo es mir fo gut ging, was mid) aber nod mehr an die Familie feffelte, war eine erwachende Neigung zu der fanften Louife.
Mir war's, ald wide ich in eine neue Welt vers feßt, das Leben entfaltete fi) mir in einer größeren Fülle und Herrlichkeit, ich durfte den Wonnebecher meis ner erften und einzigen Liebe rein und lauter Eoften, denn auch ich blieb Louifen , wie id, bald merken konnte, nicht lange gleichgültig. Sudhte id) fie auf, um einige Atigen: blide in ihrer befeligenden Nähe allein mit ihr zu feyn, fo fuchte fie auch mich, und machte fid) manchmal ein Ges fchäft in meinem Arbeitszimmer, war es aud) nur, um fi eine Feder durch mich fdhneiden zu Taffenz hatte fie unter allerlei Vorwand ,dieß und das von mir zu erfra= gen, fo hatte ih von ihre dieß und bas zu erbit- ten, immer hatten wir etwas mit einander auszumachen, und immer fand fid’s, daß nod) etiwas auf ben künftiz gen Tag unausgemacht blieb,
Sch war ohngefähr ein und ein halbes Zahr im Haufe, als unfere Keine Gefellfihaft einen Zuwachs be- fam an einem jungen Mann, der Eiirzlich die Univerfität verlaffen hatte, und ald Abvofat fih in Nellenburg zu
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jeßen gedachte, Er hieß Karl Miltenheim, und wurde, da er in Gefchäften öfters zum Obervogtlam, bald aud) mit dem Übrigen Haufe und mit mir bekannt, Wir fchlofs fen ein Freundjchaftsbiindniß, das um fo inniger wurde, da Miltenheim von den aufblühenden Reizen der liebenss würdigen Therefe bezaubert wurde, und mid) zum Vers trauten feiner Empfindungen madte, Auch Therefe, ob= gleich fie erft den fechszehnten Frühling zurückgelegt hatte, war nicht gleichgültig gegen die ehrerbietige Auszeichnung, womit der im Stillen feufzende Liebhaber fie behandelte, Es war ein eigenes Verhältnig, in welchem bie neuen Kreunde unter fi und gegen die fchönen Gegenftände ihrer zärtlichen Neigung ftanden,
Wir wähnten, die Angelegenheiten unferee Herzen feyen ein Geheimniß, von dem nur wir wüßten, und doc fprach das ganze Städtchen von unferm Liebeshans del, Sc jcheute mich vor Vater und Mutter, und dod) war id) Zouifen fchon beftimmt, bevor id) in’s5 Haus geloms men war, denn mein Vater hatte mit Genehmigung der Xeltern Louifens jchon voraus im Stillen unfre Berbins dung befchloffen, im Fall wir Liebe für einander empfins den würden, Mein Freund, Karl Miltenheim fcheute fi) gleichfalls, und meinte, fein freier Zutritt im Haufe möchte befchränkt werden, wenn feine Abfiht auf das noch fo junge Mädchen enthecit würde, und doch fah der
Obervogt die Huldigungen nit ungern, die er der Klei= nen Therefe bezeugte, &o war unjve Liebe ffumm und befcheiden, und dennod; mit einer unausfpreclichen Ins nigteit und Serzlichkeit verbunden, ja fie war fo rein und zart, daß wir vor unfern geheimften Wünfchen nit erröthen durften,
Während wir auf diefe Art forglos und felig auf dem ruhigen Steome unferer Empfindungen fortgetragen wurden, zogen fih Stürme über uns zufammen, die ans fangs nur unfern Forhfinn trübten, aber zulest unfes ver Liebe den Untergang drohten, Es wadhte ein Auge über uns, aufmerffamer und lauernder, als alle übrige der Stadt, Grefcentien war es unerträglid, daß die jüngern Schweftern durd; Liebe glücklich feyn follten, wäh: rend ihr eigenes Herz darben. mußte, Dffen gegen die Schweftern handeln durfte fie nicht, weil fie unter dem Schuge der Xeltern ftanden, und weil aud) fie felbft eben die Freiheit genoffen hatte, deren die Schweftern fih jest erfreutenz; aud, galt ihre Stimme aus leicht begreiflichen Urfadhen wenig im Haufe: Sie fing alfo damit an, uns unfre Berhältniffe zu verbittern, fuchte bei jeder Gelegenheit die Liebhaber oder die Schweftern lächerlich zu madyen, und war unerfchöpfli an Spott und Hämifchen Urtheilen. Freilich erreichte fie dadurd) nut all zu oft ihre böfe Abfiht, denn es that den Mädchen
wehe, wenn ihre Liebhaber hämifch gerichtet wurden, und uns fchmerzte es, wenn unfre Mädchen eine fchnip= pifhe und kränfende Behandlung erfuhren, Oft fand ich Louifen in Thränen, weil Grefcentiens unverfühnliche fhwarze Laune ihr Gemüth verwundete; Therefe aber nahm die Unfreundlichkeit ihrer Schmefter weniger zu Herzen, Louife juchte fie durdy Nachgiebigkeit und Liebe zu gewinnen; aber Therefe vergalt nicht felten gleiches mit gleihem, denn ihr Iebhafter Geift war frudtbar an Mitteln , die Zuchtmeifterin oft zum Schweigen zu brins gen. Dod dadurd) wurde Grefcentia nur nodh erbitters ter, nur noch mehr gereizt, und zu Eränfen, und, wo möglich , unfre Verhältniffe zu trennen,
Miltenheim batte Faum ein halbes Sahr im Städt: hen gelebt, als allerlei böfe Gerüchte über ihn in Umz lauf famen, Der Obervogt behandelte ihn mit Kälte, öfters fogar mit einem fichtbaren Widerwillen, Louife und Therefe wichen ihm aus, ja diefe, fonft fo heiter und fröhlich, wurde ganz niedergefchlagen und fdwerz müthig. VBergebens frug ich die Mädchen um die Ur- fache diefes veränderten Benehmensz fie wollten nicht mit der Sprache heraus; exft auf langes Zureden öffnes ten fie ihre Herzen und Lippen, und fchilderten den gu= ten Miltenheim als den verworfenften Menfchen. Uns glaublich war mir, was ich hörte. Ich fprach gut für
meinen Freund, aber es wollte nichts helfen; ich faßte das Herz, mit dem Obervogte darüber zu reden, erhielt aber von ihm einen Eurzen Befcheid, Miltenheim, dvem ich nicht verfchweigen Eonnte, was id, erfahren hatte, verfanEk in die größte Betrübnif, Aufs heiligfte betheuerte er feine Unfchuld, nur die fchändlichfte und boshaftefte Ver- läumdung, fagte er, habe foldhe Gerichte über ihn aus breiten fönnen, Mebrigens entfchloß er fih, das Haus des DObervogts und den Umgang mit Therefen zu meiden, bis feine Unfchuld an’s Licht gefommen fey.
Während ih nun vedlid mit meinem gemißhandel- ten Freunde Leid und. Kummer theilte, brach auch über meinem Haupte ein Ungewitter aus, das meinen füßes ften Hoffnungen ein Ende zu madyen drohte, Sch erhielt einen böchft unerwarteten Brief von meinem Vater, in welchem er mir Eurz und dringend fchrieb, je bälber je eher das Haus des Dbervogts zu verlaffen, und mic heimzubegeben, Sch erfchrat nicht wenig Über diefen mir fo unwilltommnen Befehl, Eonnte mir aber die Beranlaf: fung fchlechterdings nicht enträthfeln, und wußte mir in meiner Beklommenbeit und Ungewißbeit nicht anders zu helfen, als daß ich den Brief dem Dbervogt zu lefen gab, Diefer fchüttelte bedenklich den Kopf, und mußte nicht, was er aus der Sade maden follte, begriff übris gens leicht, daß Mißverftändniffe vorwalten müßten, und
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hrieb felbft an meinen Vater, um ihn von feinem vas fhen Entfchluffe abzubeingen, ober wenigftens die Gründe defjelben zu erfahren, Mein Vater aber antwortete Eutrz und troden: »Daß er es für gut halte, feinem Sohn eine andere Laufbahn anzumweifen, und dag er durd) die feiftigften Gründe dazu bewogen werde,? Der Obervogt hatte immer viel auf meinen Vater gehalten, daher fhmerzte ihn dieß zurüidhaltende und mißtrauifche Wefen; weil ihm aber daran lag, das gute Vernehmen aud) Tünftig mit demfelben fortzufegen, und die alte Freunde haft, welher nun ein Bruch drohte, nicht fahren zu laffen: fo entfchloß er fih, die Sache perfünlich mit meinem Bater abzumachen. Demnad ermahnte er mich, einfiweilen zu bleiben, und erklärte, er wolle felbft zu meinem Vater reifen, Uebrigens gebot er mir, über die ganze Sache ein unverbrüchliches Stillfchweigen gegen Sedermann zu beobachten, Des andern Tages fuhr er ab, ohne daß ein Menfch, außer mir, wußte, wohin, Meine feurigften Wünfche für eine günftige Wendung der Sache folgten ihm nad), Zmwifchen Furcht und Hoffe nung fchwebend fonnte ich feine Wiederkehr Faum erwar: ten, Am vierten Tage war er zurüd,
Wie podhte mein Herz von Beforgniß, als der Wagen anrollte, aber wie leicht wurde ed mir um bie Bruft, als id) den DObervogt heiter und mit einem lächelnden
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Blide aus dem Wagen fteigen fah! Sobald wir allein waren, fagte er zu mir: Sie bleiben bier, Ihr Vater hat eingewilligt; allein es Eoftete mid) nit wenig Mühe, ihn von feinem Borfag abwendig zu machen. Eine fchänds lihe Berläumdung bat den alten, wadern Freund gegen mid) und meine Familie fo eingenommen, daß er im Begriff war, mit mir in der Stille zu beehen. Wenn ich doch nur die boshafte Greatur ausfindig machen könnte, die diefe fchändliche Kabale gefchmiedet hat !?
Die Urheberin all diefer Mißverhältniffe war Nies mand anders, als Mamfell Grefcentia, wie fid) einige Sabre fpäter ergab, Der Faden war verbedt gefponnen, Dur) ihre geheimen Ränfe wurden meinem Bater von Zeit zu Zeit und von verfchiedenen Drten her bebauer: lihe Winke mitgetheilt über feine Verblendung in Abe fiht meiner, Frafer und fein ganzes Haus wurden in dem häflichften Lichte dargeftellt, und mein Aufenthalt als gefahrvoll für Unfehuld und gute Sitten gefchildert, indem die Mädchen in einem fehr zweideufigen Rufe ftäns den, Da war e5 denn meinem Bater nicht zu verargen, wenn er mich heimberief. Eben diefe Grefcentia, die ein Bedenken getragen hatte, die Ehre ihrer Familie zu befleden, um die Furien ihres Neides zu befänftigen war aud) die verborgene Schöpferin all der böfen Ges rüchte, die über meinen unfhuldigen Freund ergangen
waren. Er fey ein Wollüftling, in Werfchwender, ein umpiffender Ge, hieß es, allein zum Glücke Eonnte ver Ungrund folder VBerläumdungen leicht nachgewiejen werz den. Auf diefe Art fcheiterte die Kabale, Die Liebenden, nach folchem gehobenen Mißverftändniß nur noch inniger angezogen, feierten aufs neue den Bund der Herzen, entdeckten den Xeltern ihre Neigung und ihre Wünfce, und erhielten mit ihrer Einwilligung ihren Gegen. Das befeffigte unfern Bund und vermehrte unfre Geligkeit, 6.
Noch einmal ging ein Stern der Liebe Erefcentien auf. Ein Mann von edelm Anfehen und adytungsgebie- tender Würde, im Uter ohngefähr vierzig Sahre, doch noch voll jugendlicher Kraft, hatte von einem Edelmann in ver Nadhbarfchaft ein Landgut erkauft, und Iebte da- feloft in philofophifcher Ruhe, Niemand wußte, wer er war, wie er hieß, und woher er gekommen: fey. Dem Anfheine nad) war er fehr rei, weil er fich aufs ges ihmadvollfte einrichtete, Bedienten und Pferde hielt, und alles gut und fchnell bezahlte. Mehrere Sprachen redete er fhyön und mit Fertigkeit, befaß in verfchiedenen Bächern der Gelehrfamkeit mehr als gewöhnliche Kennt: niffe, hatte die feinften und einnehmendften Manieren, und offenbarte indem Gewandten, Gefälligen und C.ıhid-
lichen feines Benehmens einen Mann, der in den Sphären vergrößern Welt fich umgetrieben hatte, So eingezogen er lekte, fo machte er doc) bisweilen Befuche in der Nachbarz ichaft, und fuhr vemnad) audy am Haufe des Obervogts vor, Seine Erfcheinung verurfachte eine lebhafte Freude, allein das Intereffe an ihm wuchs, je mehr man ihn Eennen kente, Was er fpradh, war gedacht und fpannte bie Aufmerffamfeitz feine Unterredungen waren eben fo ehr: reich ald unterhaltend, Still und innig bewegt laufd: ten wir im Kreis umher, warn er erzählte, befonders aber hing Erefcentia mit unverwandtem Blid und ganzer Eeele an feinem Munde, Der Fremde hatte Eindrud auf fie gemadt, das war fihtbar, und eben fo unvers Efennbar war die Mühe, die fie fi gab, ihm gefällig zu feyn. In allen Stüden fuchte fie feine Meinung und Anfiht auszuforfhen, in Wort und That, in Kleidung und Geberde richtete fie fih) nady feinem Gefhmad, Er war ein Liebhaber der Mufif; mit dem größten Eifer legte fid) jest Crefcentia von neuem auf Gejang und Flügelipiel, Er war ein Freund der Wiffenfchaften; mit angeftrengtem Nachdenken verweilte fie jest über beleh- venden Werfen, An Berftand und Gewandtheit hatte e8 ihr nie gefehlt, auch befaß fie eine gewiffe Grazie, wo durd) fie Sedermann für fi einnehmen Tonnte, fobald fie e5 darauf anlegte. Alffo ließ fie nun mit feinbered):
netee Klugheit alle Künfte der Kofetterie mit der fchein: barften Unbefangenheit und Abfichtlofigkeit auf den Frem- den jpielen, und war aud fo glüdlic, in ihren Bemii: hungen, ihm nicht nur einexhohe Meinung von fi ein- auflößen, fondern au), wie es fi) bald offenbarte , felbft fein Herz in ihre Abfihten zu verflehten, Das war endlich ein Dann nad ihrem Sdealen, durch ihn Eonnte fie glänzen und vielleicht nod eine Rolle in der Welt fpielen,
Der Fremde gehörte nicht zu dem gewöhnlichen Schlage der Männer, Gegen Eörperlihe Schönheit war er zivar nicht unempfindlich, dody hutldigte er noch mehr der fittlihen Grazie und der Schönheit des Geiftes, Ereftentia hatte fid) das bald abgemerkt, und benahm Th nicht übel gegen ihn, Shre neugefammelten Kennt: niffe fchienen ein alter Schag und ein zufälliger Erwerb zu jeyn, und fo fehr ihr daran lag, damit zu alänzen, wußte fie dod alles Gefuchte und Abfichtliche zu ver bergen, und verfüumte nicht, wenigftens vor feinen Aus gen, eine empfehlungswerthe Gefchäftigkeit im Hauswe- fen zu zeigen, Dft fragte fie ihn mit hingebendem Berz trauen um Rath, zuweilen erbat fie fid) au ein Bud, und ließ fi), wenn fie’s gelefen hatte, die dunfeln Stel: len von ihm erklären, So fanft und wohlwollend , wie damals, war fie nie fonft gewefen, fo freundlich und
liebreich hatte fie fich nie gegen ihre Schweftern benonz men, fo zuvorfommend und dienftbefliffen hatte fie fid) nie gegen uns Freunde bewiefen, Shre ganze Gemüths- art fihien veredelt zu feynz; aud an ihrem Beifpiele konnte man fehen, daß wahre Liebe den Menfchen beffer macht, denn Liebe, feurige Liebe war eönun, was an ben Frem- den fie feffelte,
Diefer fchien aud gegen fie eine mit jevem Tage wachfende Zuneigung zu befommen, was nidht nur feine häufigen Befuche merken liefen, fondern was aud) an einer gewiffen Serzlichkeit und Vertraulichkeit, die er immer wer niger zu verbergen fic) bemühte, leicht zu errathen war. © unzweideutig übrigens die Zeichen waren, die auf zärtliche Gefinnungen fchliegen ließen, jo vermied er gleis wohl immer nod) eine nähere Erklärung, Er fchien ein Mann zu feyn, den fehmerzliche Erfahrungen von jeder raihen Boreiligkeit zurüd hielten, und der fich beßwegen nicht jo fehnell ‚ganz und leidenfchaftlich hingab. Bon der Ehe hatte er hohe Sdeen, und machte defiwegen große Forderungen an eine Frau, Das häusliche Glük hielt er fürdas erfte und höchfte in der Welt, aber er behaup= tete öfters, daß e8 unter hundert nit Eine Ehe gebe, welche man glüdlid) heißen könne, Bon den Menfchen hatte er im Ganzen eine geringe Meinung, aber er ftellte die Menjcenliebe dennod) als die erfie Zugend auf,
Grefcentia dachte fi) Tchon als die Erwählte biejes merkwürdigen Mannes, aber bald zeigte es fi, daß fie zu frühe teiumphirt habe, Der Fremde machte den Weg, den er in feiner Zärtlichkeit vorwärts genommen, fichte bar wieder zurück, feine Befuche wurden immer feltener und feine Anwejenheit immer kürzer, Kam er, fo unters vebete er fi) meiftens mit den Xeltern, und fchenite auch ben jlingern Schweftern mehr Aufmerkfamteit als zuvor, " Grefcentia verfuchte zwar alles, die vorige Berz traulichkeit wieder einzuleiten, allein ihre Bemühungen waren fruchtlos; fie fpielte zuweilen die Eraueende und Br= trübte, allein ihre Kummer wurde wenig beachtet; fie verdoppelte ihre Wärme. und Anhänglichkeit, allein fie wurbe mit fleigender Kälte und Gleichgültigkeit erwies dert; fie fuchte auf allen möglichen Wegen ihn zu Ers Härungen zu bringen, allein er entjchlüpfte ihr mit der größten Leichtigkeit und Feinheit, In die gewöhnlichen Schranken der Höflichkeit, die man jedem gebildeten Frauenzimmer erweist, fehloß er nun fein ganzes Betras gen ein, Darüber verfiel fie Zufehends in wirkliche Scwermuth und fihtbaren Seelenfchmerz; allein auch dieg ftimmte die gefunfene Zärtlichkeit des Fremden nicht mebr höher. Endlicd blieb er ganz aus, und nad) weni- gen Zagen erfuhr man, daß er verfchiwunden fey. Nies mand wußte, wo er bingefommen. Eine Zeit lang
blieben einige Bedientennod auf dem Schloffe, doch auch fie wurden ihres Dienftes entlaffen, ‚und das Landgut mit dem ganzen Kausgeräthe zum Verkauf ausgeboten.' Nun war es freilic nur allzu. Kar, daß er niemals wies der kommen würde,
Dem Obervogt that es fehr leid, daßer feinen geifte reihen Haugfreund, mit dem er fo mande füße Stunde verlebt hatte, fo fchnell und unerwortet verlor. Dazu tam nod) , daß er felbft aud) der fchmeicdhelhaften Hoff: nung, Erefcentia Eönnte die Gattin diefes Mannes wer= den, fich überlaffen hatte, Diefer Genuß und diefe Hoff: nung waren nun unmiederbringlid dahin, So fehr ihn das fchmerzte, fo Eonnte er fich doc die Urfadhen diejes Abtchieds Leicht denken, ohne daran etwas tabelswerthes zu finden, Der Fremde war in der lesten Zeit feines Aufenthalts mit dem Pfarrer Horflig, der von Erefcens tien fo jchnöde behandelt worden war, öfters zufammen gekommen, und hatte, weil er an ihm einen Mann nad) feinem Herzen gefunden, eine vertraute Kreundfchaft mit ihm gepflogen. Don diefem erhielt er ohne Zweifel über Grefeentiens Charakter Auffchlüffe, die ihm allen Muth benahmen, das Verhältnig mit ihr enger und fejter zu fnüpfen, Aud, mit Bernhard Baldinger war er bekannt, denn diefer beforgte feine Wechfel, und befam aud) den Auftrag, den Verkauf des Landguts zu leiten. Bon ihm
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erfuhren wir in der Folge auch, wer der Fremde war, Er hieß Warburton, ein englifcher Lord, der, nachdem er fein Vaterland verlaffen hatte, weil er dort eine Kränkung erlitten, die feine Ehre antaftete,, die mert= würbdigften Länder von Europa durdreift, und nun wiis lens war, in unferm fchönen Zhale den Heft feines Les bens zuzubringen, Er würde fi mit Grefcentien vers bunden haben, wenn ihre früheren Abentheuer ihn nicht abgefchredt hätten,
Auf Grefcentien machte die fehlgefchhlagene Hoffnung und die verjchmähte Liebe einen fücdhterlichen Eindrud. Sie fand um fo weniger Troft in fih, je mehr fie fid) vorzumerfen hatte, daß fie ihr Schidfal verdient habe. Sie litt nicht nur am Gemüthe, fondern aud) ihr Körs per wurde duch den Seelenfchmerz jo ftarf ergriffen, daß fie in eine £ödtliche Krankheit verfiel, und daß man lange an ihrem Aufflommen zweifelt, Das Uebel war um fo hartnädiger, da die Haupturfache vefjelben in ber Seele lag, Zwar genas fie allmählig wieder, aber fehr Tangfam, und ihre Geftalt zerfiel gänzlid), denn die Rofen ihrer Schönheit welkten dahin, um nie wieder aufzublühen, Sie erjchraf vor fi felbft, als fie das Bette wieder verlaffen Eonnte, und fi zum erftenmal wieder im Spiegel befah. Obwohl fie bereits nicht mehr ferne vom dreißigften Sommer war, fo hatte fie immer
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nod) für fchön gelten Eönnen, bis die unerbittliche Hand eines rädhenden Schidfals ihr diefen gefährlichen und täufchenden Schmud auf immer raubte, Sie erkannte nun wohl, daß ihre Frühlingszeit vorüber fey, und daß fie durch Eörperliche Reize den Männern kein großes Ins tereffe mehr einflößen Eönne, darum fing fie an, fi mit wiffenfhaftlihen Gegenftänden zu befaffen, an welchen fie fhon während ihres Umgangs mit Warburton Sefhmad gefunden hatte, und fo warf fie fidh endlich auc in die Abgründe der Naturphilofophie, Gie ver: mehrte dadurd) die Anzahl jener unfeligen Gefhöpfe,, die aus Verzweiflung an einem Liebhaber fi in die Arme der Gelchrfamkeit flüchten, Les
Nach diefer Begebenheit, fuhr Sellborn fort, vers floffen einige Sabre, ohne daß fid) etwas befonders in der Familie ereignet hätte, Meim und meines Freun- de8 Verhältnig blieb fi immer gleich, und wir waren felig im Genuß einer ungeflörten Liebe, Ieht farb ein Peanıter des Grafen von Lindheim. »Diefer Tod führte mich fchnell dem Ziele meiner Wünfche entgegen, denn der großmüthige Graf gedachte feines Verfprechens, und vertraute mir den erlebigten Dienfl. Welche Freude mir dieß unerwartete Glük madte, kann ic) nicht befchreiben ;
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auch nahm das ganze Haus, Crefcentien ausgenommen, den wärmften Antheil daran, » Endlich, fagte der Ober vogt, geht doch wieder eine Sonne des Heils iiber meinem Haupfe auf, Gehe hin, mein Sohn, und entrichte dem guten Grafen in Perfon den fchuldigen Zoll deines dank: baren Herzens, Gött fegne dich, und bringe dich bald wieder froh und gefund in meine Arme zur, ?— Ges rührt nahm ich Abfchted; Louife weinte ftill an meinem Halfe, Sch eilte in die Arme meines Vaters, und mit diefem zum Grafen, Wie dankte id) dem Ebdeln fiir fein Vertrauen und feine Güte! Wie glüdlich hatte er mid) gemacht! Wie heilig gelobte ih, ihm mit der größten Zreue zu dienen!
Nachdem ich auf diefe Art einer fhuldigen Pflicht Genüge geleiftet, Fam ich zu einem neuen Überrafchenden Anblick in dem mir fo theuren Haufe wieder an, denn des andern Morgens nad) meiner Wiederkehr trat der DObervogt mit einem ungewöhnlich heitern Geficht in’s Zimmer, wo wir uns zum Frühftück verfammelt hatten, Wir merkten gleich), daß etwas auferorbentliches in ihm vorging, und franken den Kaffee in ftiller Erwartung, A8 dieß gefchehen war, fprach er: » Ich habe diefe Nacıt über einem Entwurfe gebrütet, den ich ungefäumt aug- führen werde, wenn böhern Orts fich fein Sinderniß ent gegen wirft, Ic fange allmählig an, etwas von Alter:
Schwäche zu fühlen, und fehne mich nah Nube. Darum wünfche ich meinen Dienft zu Gunften Miltenheims und meiner guten Zherefe abzutreten. Wird mein Wunfc erfüllt, fo wollen wir eine Doppelhodhzeit feiern.? — Wonne leuchtete aus feinen Augen, als er dieß fprad. Zherefe Eüßte ihm mit weinendem Danke die Hand, Roc an demfelben Zage reifte er in die Kefidenz , wo es ihm feiner bedeutenden Freunde wegen nicht fehwer gemacht wurde, fein Gefuch durdhzufesen. Seine Ent: laffung wurde angenommen, und Miltenheim befam das Amt, Schon am dritten Tage erhielt er das Dekret, und brachte es felhft in der Zafche mit nad) Haufe, Auf bie dritte Woche wurde der Tag dev beiden Hochzeiten feftgefest. Als der beftimmte Tag erfehienen war, fchritten wir, von den fegnenden Xeltern begleitet, in feftlichen Gewans den nach der Kirche zum Zraualtar, und eine Menge
Volks begaffte uns oder z0g uns nad), ES war ein Zug, der nicht alle Tage im Städchen zu fehen war, indem auch mein Bater, Miltenbeims Xeltern, und nod) mehrere Ber: wandte von uns der feierlichen Handlung beiwohnten. Sobald das unauflösliche Band gefchlungen war, bega= ben wir uns auf ben großen Saal bes Rathhaufes, welcher für die Freuden diefes Tags eingerichtet worden war, Alle Sonoratisren des Städtdhens fammt ihren
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Srauen und berangewachjenen Kindern waren geladen
und erfehienen zahlreih. Auch Bernhard Baldinger und der Pfarrer Horflig mit ihren liebenswürdigen Gattinnen befanden fi unter den Gäften, und, fonderbar genug, aud) der Oberregierungsrath Walther, welder gerade damals auf Gommiffion im Städtchen war, zierte, in feinem Eirzlich fir ausgezeichnete Dienfte vom König er= baltenen Oxdensktreuze, das glänzende Feft. Auf Diefe Art waren alle vormalige Freier Grefcentiens, den eins zigen Lord Warburton ausgenommen, bei der Kodzeit der jüngeren Schweftern, während fie jelbft als eine ver= dunfelte Lebrige einfam zu Haufe faß, Unpäßlichkeit vors fhügend, und nun reihe, ungeflörte Gelegenheit hatte, die Folgen ihres Leichtfinns zu fühlen, und ihren Webers muth zu beveuen, Schmaus, Zanz, Mufit und Spiel dauerten bis Mitternacht.
Auf den dritten Tag nach ber Hochzeit war meine
und Ben Ubreife feftgefest, So jelig wir waren, fo viele Thränen Eoftete ung doch die Trennung vom älterlihen Heerd. Es that mir wehe, ein Haus zu ver- Yaffen, wo ich in harmlofer Sugend fünf Sahre beinahe ununterbrochen gelebt und fo viele Freuden genoffen hatte, wie viel fchmerzlicher mußte es Louifen feyn, die noch nie
aus dem Älterlihen Haufe entfernt gewefen war! Des MWeinens und Abjchiednehmens war beinahe fein Ende,
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sent fuhr der Wagen vor; da faßte mein Vater Lonifen am Arm, und half ihe hinein mit ven Worten: » Laffet es nun guf feyn, und dentet an’s Wieberfehen.? Wenige Augenblide nachher war der Wagen um die Ede gerollt, Der Obervogt bewohnte num mit feiner Gattin und mit Grefcentien das obere Stocdwerk des Haufes, und überließ dem Zochtermann den untern Zheil, Die Rube behagte ihm Übrigens nicht fehr, denn er war in feinem ganzen Leben ein thätiger Mann gewefen, jeßt aber mit feiner Beit oft verlegen, und in die Amtsgefchäfte des Tochtermanns mochte er fih) aus Grundfägen nicht mi- fhen, Seine Gefundheit fing an zu leiden, und die Nerzte erklärten feinen Zuftand fir einen Marasmusz ein hal- be8 Zahr nad feiner Dienftentfagung war er eine Leiche, Mir meinten an feinem Sarge aufrichtige Thränen der Liebe, denn er war ein gerader Mann und ein zärtlicher Vater gewefen, Die Mutter griff der Tod ihres gelieb- ten Gatten, mit welchem fie in der zufriedenften Ehe “gelebt hatte, fo heftig an, daß fie in fTummem Schmerze dahinjchmachtete , und wenige Monden nad) feiner Beerdi= gung aus Kummer ftarb, Die guten Leute, unzertrennlic) im Leben, waren es aud im Tode; ihre Hülle rubt neben der feinigen dem fchönen Auferficehungstag entgegen. Auf Grefrentien machte der fihnelle Eod ihrer Xelz
tern einen fo berzzerreißenden Eindrud, daß fie beinahe
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tieffinnig wurde, Shre legte Stüße war gebrochen, und fie mußte nun auf fich felber ftehen, in der That mit ihwachen Füßen, denn das binteriaffene Vermögen des
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Obervogts wurde nicht jo groß erfunden, als vermutbet wurde, Als ein gutthätiger, gaftfreundfchaftlicher und uneigennüsiger Mann Eonnte er Eeine große Schäge auf: häufen, Grefcentiens Exbtheil fiel alfo auch nicht fo beträchtlich aus, als fie gehofft hatte, Nur durdy große Einfhränkungen und eine Sparfamfeit, an die fie nicht gewöhnt ift, Eann fie unabhängig leben, Sm Haufe, das nun dem Schwager zufiel, galt fie nichts mehr, und wenn fie fi einmal einfallen ließ, ihrer döfen Laune, wie fonft, Luft zu machen, wurde fie von Therefen und zuweilen aud von Miltenheim an ihre Bedeutungslofige fett und Ohnmacht etwas nachdrücdlich erinnert, Sie fing nun an, herumzureijen, und bald da bald dort ein- zufpredhen; allein fie kann wohl merken, daß fie nirgends in die Länge angenehm ift, GSelbft nie gewohnt ihre Mitmenfhen zu fchonen, findet aud) fie nirgends Zindigs
keit und theilnehmendes Wohlwollen, # Gegenwärtig zieht fie einem jungen Menfchen nad, der eine Zeit lang als Gehülfe in der Apotheke zu Net: lenburg fand, Er war einigemal an einem dritten Ort zufällig mit Grefcentien zufammen gekommen, hatte ihr vielleicht einige Artigkeiten gefagt, vielleicht aud), ohne
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es fo ernftlich zu meinen, ein Wort von Liebe gefprocen. Allein alten Zungfern muß man fo nicht kommen, fie verftehen in folchen Fällen Eeinen Spaß. Grefcentia nahm die Galanterieen als vollen Ernft auf, wurde von Stund’ an zärtlich, und überfiel den jungen Mann jo oft mit Briefchen, felbit mit Befuhen, daß er, um ihrer Zus dringlichfeit los zu werden, feine Stelle aufgab und in die weite Welt z0g. Geftern hatte ich, weil er eben in unfver Nähe fid; aufhält, die unvermuthete Ehre, ihn felbft Eennen zu lernen und mit ihm zu fprechen. Davon gab ich Erefcentien einen Wink, darum entfernte fie fi heute fo fhnell, und ließ unfre Gefellfchaft in Ruhe und Srieden, Sie ftellt fi vor, Nehte an den Menjden zu haben, und willdiefe nun geltend machen, da fie nicht im mindeften gefonnen ift, den Flüdhtling großmüthig feis nem Scicdfal zu Überlaffen, Das tft jene Grefcentia, die vormals die erfte Sonne der Schönheit in Nellenburg und der Umgegend war, die bei Bällen und Affembleen alles um fich ber verduntelte, eine gefährlihe Circe für fo mandes Männerherz, der Stolz ihrer Familie und ber Abgott ihrer Liebhaber,
Hellborn hörte nun auf zu erzählen. Hody ftand der Mond bereits am Himmel, die Mitte der Nacht war fchon angebrochen, und wir gingen heiter zu Bette, nad
dem ich meinem Freunde herzlich fir bie Unterhaltung gedankt hatte, die mix biefe Gefchichte machte, Weil fie mir intereffant fchien, fchrieb id fie nachher nieder, und weit fie viel Belchrendes enthält, hab’ ich fie öffentlich bekannt gemacht.
Hteuffer.
Fabeln
von
GE. F- Gellert.
20. Tom Died,
Diefe Kabeln find die Erftlinge der Geller ficden
Mufe, und, bie lebte ausgenommen, ehemals in den Beluftligungen des Berftandes und Wises, bie in ben vierziger Fahren bei Breitkopfin keipzig erfchies
nen, gefianden, Gellert hat fie indie Sammlung feiner Fabeln und Erzählungen nicht aufgenommen, jedoch fie in einem eignen Heffihen aufbewahrt, und an einigen Gtel- len merkiih verändert, ohne fie für den Drud zu be= flimmen. Mir ift durch einen literarifchen Freund, ber durch befondern Zufall in den Befis des Meanufcripts Fam, eine Abfchrift davon mitgetheilt worden, bie ich mit jo größerem Bergnügen in mein Zafchenbudy ein- rüde, da Gellert immer nod, und zwar mit Nedht, viele und große Verehrer bat, und ich erwarten darf, daß mir die Aufnahme um fo weniger verargt werden wird, als auch diefe Kabeln, wenn fie glei nicht den
poetischen Werth feiner übrigen haben und bucd) die
fhwerfälligen Werandrinen eintönig find, dennoch ducd)
eine eigenthümliche Simplicität und de a und nicht minder durch den Exrnft eines reinen fittlichen Gefühls anfprechen,
Anmerkung des Herausgebers,
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Die Wahrheit und die Lüge.
Man forfchte feit viel taufend Sahrenz Barum die Wahrheit nackend geht, Und nie hat man's genau errabven eif nichts davon in Büchern ftehtz Doch endlich deift der Zeiten Lauf
Der Welt auch dieß Geheimniß aur.
Sin einem alten Königshore Bar einft die Wahrheit angefteflt » Drauf ward im Dienft ald Ehrvenzore ra? ibe beisereltt ;
Do fonnten fie fih nicht werfich'n ,
Ienn Diefe bleibt, muß Sene gch'n.
Ein vangen fie im offnen Stveite, Doc war der Kampf lang ungewiß, Bis daf die Lig’ als Siegesbeute
Der Wahrheit dad Gewand entrif-
Eie blieb am Hof, und feit der Zeit,
Trägt fie dafeldft der Wahrheit Kleid.
Die Wahrheit aber floh von himnen, Und irrt nun bloß von Sand zu Sand. Eie Fan nicht Achtung mehr gewinnen, Und bleibt den Meiften unbefannt, Darür nun fieht fait Iedermann
Die Siige für Die Wahrheit am,
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Das junge Wiefel.
Fin WBiefel, da3 am Tag die Falle ftehen fahr
Kam, wann 25 dunkel war, niemals ber Falle nah.
„Sch Eenne die Gefahr, mich wirft du nicht bethören , Mein Bater farb durch dich, dich folt mich Borficht Tchren. Ev jung ich auch noch Bin, doch bin ich div zu Flug,
Wer den Betrug erkennt, dem fchadet Fein Betrug.
Den Eyern geh’ ich nach , und habe dad Veranigen
Bei folder leckern Koft die Hausfrau zu berrügen- “
Eo Toricht dad Wiefel froh, in blinder Sicherheit, Und venft nicht bev Gefahr, bie ihm wo ander! dräut- Denn als e3 emft in’ En fich einbig, blieb, o Schreien ! Dad Wiefel mit dem Kopf felbit in der Echanle flecfen , Und zog ihn nicht heraus im Anaft und großer Nord.
Da Fam die Hansfraun an, und flug das Wirfel tobt.
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Die Mufchel und der Kreb3.*)
Sinn fab ein iunger Krebs aus feiner Hohl’ am Etrande
Der muntern Mufchel zit, die auf dem Uferfande
Des nahen Stroms ihr Haus jebt auseinander bug,
est als ein leichtes Eviel gefchwind zuiammen 300.
„ Beglückte, vier fie aus, ih mu in Schlamm und Höhfen
Mich Tag für Tag in Angst und ohne Ruhe quälen;
Bald Hoßt ein Nachbar mich von meinen Laser audy
Bald fchreeit mich Menfchenhand- Du haft ein eianes Haus, Du fannft ed, wie du willit, jest dffnen, jest verfchlichen. DO, daf wir Kvebfe doch jo efend Teben nuigen! DVergönnteft du mir doch nur eine Furze Zeit
Den Aufenthalt bei dir, das Glück der Sicherheit!
Ah, wollteft du mich nur in Deine Wohnung nehmen,
Sp wird ich doch einmal vergeften, mich zu grämen, “
*) Gellert hat diefe Fabel noch einmal überarbeitet in feine Sanmmlung aufgenommen. Dieß it Die Seile der äweiten Hand,
Anmerfung des Herausgebers-
„Sreund, forach die Mufchel drauf, aefälit dir meine Nuhr Und bin ich iwie du inaft, weit alücklicher als du,
Ep aräme dich nicht mehr, ich diene mit Vergnügen. Berfuch' ed, Fannit du dich an meine Seite fchmicgen ,
Ep mad’ ih gern dir Pas.“ Der Krebs aehordht im Yu, And Friecht ald Gaft in’3 Haus. Die Mufchel fchließt es zu; Doch, ac, der Krebs erfiickt, und mitten im Erfricden Muß frerbend er zugleich die Freundin auch erdricken,
Ein Dienft im Inderfiand bringt doppelt Unheil ort,
Den, ber den Dienft vollbringt, und den, der Bortheil hofft,
Die Band.
a Städten wird aus mir doch etwas noch gemacht, Syradı eine junge Gans, die man zu Marft gebracht,
Am Dorfe wußte man nur graufam mich zu veifen,
Hier jucdht mich mande Hand Tiebfojend anzugreifen;
Man hebt mich lachend auf und jest mich wieder hin, Weil ich fo weiß, als Schnee, am ganzen Leibe bin;
Man ftreichelt meine Bruft, aveirt unter meine Schwingen; Das muß die Art wohl fen, mir Huldigung zu bringen. Ein allerliebftes hier, ein Phönie muß ich jenn;
Das unverftänd’ge Dorf jah meinen Werth nicht ein.
Bei dummen Senten Fan man nie zu Ehren Fommen,
Kur in der Stadt wird noch Verdienft in Schuß genommen.“
Die Gans wird eingekauft und in den Etall gethan, Auch wohnet neben ihr ein Ealefuticher Hahn. „Nun, fpradı fie, feh’ ich ganz, wie man Verdienfie fchäßet, Weil man fol einem Heren mich an die Geite jelet. Sm Dorfe Tief ich mie die miüden Füße wund,
Hier fireft man mir fogar das Eiffen in den Mundy
Heat auf dem Schoofe mich, und gibt mir Milch zu trinfen; Auch feh” ich oft die Frau, mit holdem Blick mir winfen,
a3 denk ich mir davon ? das muß Wohl Liebe feyn- *
„Ad, fchrie die Magd, dein Sett, dein Gett nur nimmt uns ein,
Doc muß ich diefen Spaf auch meiner Fräulein fagen, Denn hätte fie Fein Geld, wer wiirde nach ihe fragen ?“
Wie gewonnen, fo jerronnen.
5)
ie farge Klaudia, die nur dem Wucher lebte,
Und einzia ihren Eha zu niehren fi) beftvebte, Die fträflihen Gewinn hohnlachend fich erwarb, Als mander arme Mann in North und Hunger ftarh,
Diek Eluse Weib ward Frank, und Tief den Arzt berufen,
Weil Gicht und Mayenframpf ihr arofe Schmerzen Ychuren- Der Arsi erfihien, doch fie, noch ficher in Gefahr, Und weil fie felbft im Tod dem Epiel gewogen war,
Siet ihm in’3 Wort und fprach: » Sie mürfen bei mir bleiben,
Und durch ein Kartenfpiet mir Zeit und Schmerz; vertreiben.
Eie fvielten ziemlich hoch, der Slrzt verlor fein Geld,
ilmd wollte weiter aeh'n. Doch die Verfchmiste hält Ahn Bittendb auf: „Sie feh'n, ih muß mein Ende fühlen ,
Kir wollen um den Werth der Leichenfoiten fpielen« *
9 fchnödes Kartenaliick , wie ungerecht bift dir! Mas du dem Einen mimmft, wirfft du dem Undern zu- Der unbeforgte Mann muß aeden fie verlieren , And fir ben ganzen Werth de3 Leichenprunfs quittiren- „Nun, vief fie, frerb’ich gern, mein Haus ift wohl beftefit,
Und mein Begräbniß auch; doc, um das baare Geld,
69
Das ich don Ahnen 304, vecht wohl verforgt zu wien z
Sp fol’ die Memmuth einft durch ein Legat genießen. “
Drei Tage Tebt fie noch, und bringet diefe Srift Mit ftetem Lefen zu , weil fie im Schuldbud, liest. Sie rechnet auf ein Haar die eingetragne Beute, Das blutige Procent in North aefürzter Leute Cie farb. Ihe Zimmer wird mit Trauer angerülit, Und ftandesmäßig bald in fchwarzes Tuch gehürlt , Um da3 die Eluge Frau den Eigner einft geprändetr Weil er den Zins ihre nicht zur vechten Zeit gefendet- Die Lichter fackelten erhellend um den Sara, uls Sich , ich weiß nicht wie, ein Sunf’ im Tuche bara , Sn Furzem um fich griff, und eine Stamm’ erregte, Die Leihe, Schuldbuh, Haus und Hof in Afche Tegte- Denn Söfhen war umfonft; de3 legten Spield Gewinm, Und was im Leben fie mit GSimd’ erfargt, war hin-
Dank fen bev Seuersbrunit, die fo viel Wwacre Leute, Bon Schuld und Wechfelbrief in Einer Nacht befreite.
Drop Teer.
Küngn kam zire Unterwelt anf Charons leichtem Hahn
Ein Meifter in dem Gpiel mit andern Gerlen an.
Echnell ging der Ruran ibn, fich vor dem Gott der Höllen,
Dem Richter diered Reichs, zur Mechenfchaft zu ftelien.
Drauf fing ver Spieler an: „ Was Täugn’ ich, großer Sürftl
Mein Leben taugt nicht viel, wie du erfahren wirft.
Ach habe nichts gethan, als Karten abaesogen ,
Und manchen Ehrenmann durch falsches Spiel betrogen-
Mein Glück blieb wandelbar, bald hatt? ich nichts, bald viel
und ob ich’3 oft verfchwur, dod ließ ich nicht vom Spiel.
Im Spielen farb ich auch, felbft mitten im Verlieven ,
Km WMerger und im Fluch muß mich dev Schlag berühren.
Sch habe meine Seit nicht Töblich hingebracht ,
Dod; der hats arößre Schuld, der diefes Epiel erdachtz
md folche Blätter fchuf; den mag die Etvaf’ erwarten. “
Hier ariff er in den Nock und fuchte feine Karten , und fand fie unverfehrt, und mifchte finf und rrifch, gud felbft den Minos ein, und bat um Gtubl und Zird. „ Gut, faate Minos drauf, hier foltft du ewig mifchen,
Doch fpielen follft du nie am unterivd’fchen ZTifchen.
“
Ev fieht denn feine Hand nicht Mugenblicke fill,
Etets Fommt ein Geifterheer , das fcheinbar fegen will; Doc wenn der Spieler Faum verfucht ein Blatt zu sichen, Ss it die Müh? umfonft, denn alle Geifter fliehen,
„D Unglück, ruft er aus, bat denn Fein Menfch hier Geld ? Licht Niemand hier dad Epiel! Was ift doch eine Welt, Bo Fein Kaffeehaus ift? Ah, Brüder, bleibt auf Erdenr Da EFann ein braver Mann mit Ruhm ein Spieler werden.“
14
Mountan und Lalage,
Maontan und Salagen trieb Lieb’ und Yorh aufs Meer; Sp zärtlich Tiebte fih Fein Paar auf Erben mehr;
Es war Ein Geift und Sinn; oft fchiwuren fie, ihr Leben, Zur Probe ihrer Treu, mit Sreuden hinzugeben:
Sch weiß nicht, hat die Eee den Echwur mit angehört? Genug, e8 Fommt ein Sturm, der ihre Ruhe ftört;
Die Wellen fangen an gleich Bergen fich. zu thürmen
Als woliten fie die Welt und nidt ein Schiff beitiienen. Montan und Salage, durd die Gefahr bedroht,
Ech’n ftare in den Tumult, evivarten ihren Tod;
Doc wollen fie umarmt binfinfen in’s Verderben ,
Und Eines am der Bruft de3 Andern gerne fterben.
Suderfen wächit der Sturm, es fleigt und fällt das Schiff, und fpießt aulest fich feft auf einen Selfenrift- | Dod da der Kiel zerfährt und fih die Planfen foalten ,
Muß noch ein fchmales Bret dad arme Paar erhalten. Nun ruht ber wilde Eturn- Eie fchrwimmen durch das Meer, Doc für ein Fleines Bret war diefe Lat zu fehwer,
» ch, fchrie Miontan beftürit, das Bret wird unterfinfen,
Uumd, wenn nicht Eines weicht , wir Beide num ertrinfen!" —
D Probe voller Ang! Wer opfert fi der See? Das Leben liebt Montan, doch Fiebts auch Lalager Allein file Beide nicht ift Rettung zu vermuthen , enn Eines leben foll, muß Eine! in die Sluthen,
er denkt de8 Schwurd nunmehr? Gewiß Montan; doc nein ! » Sch, vief nun Salage, will dich vom Tod bervei’n, Doc, dak du weißt, wer dich gerettet vom Verderben, &o fioße mich in’3 Meer !— NMontan, nicht felbft zu fterben,, Größt, ad, das zärtlichfte, das treufte Herz hinab!
Doc, edle Salage! zu edel für die Grab,
Die See fühlt deinen Werth, und läßt es dir gelingen z
Und weiß auch ohne ‘Bret dih an den Strand zu bringen,
Hier trifft die Herrliche den fchivurveraefnen Mann; Er Eniet vor ihr, er fleht- »Dd, Spricht fie, ach, Montan ! Sch Habe dich geliebt, dich durch dad Meer begleitet, Das Leben dir aefchenft, du mie den Tod bereitet. Berlaß auf ewia mich, weil mich ein Herz betrübt, Das in der Ruhe zwar, doch in Gerahe nicht Tiebts Sn flet3 begfückt, Montan! Dich werd ich niemals hafen,
Befiraren will ih sich! — Drauf hat fie ihm verlafen.
/
Die Sreunde
um} ® } . wei Freunde Wanvelten durch einen dichten Wald.
Der Eine foradı: » Hier ift der Büren Aufenthalt *
Der Andre fpracdh: „Hier find von rohen Diebeöhorden Hft Neifende beraubt, und oft getödtet worden. “
Danı fpraden Beide: Wohl, was ung auc treffen mag, Al Freunde waren Wir vereint bis diefen Tag. | ir bleibens Fünftiga auch, und Werden in Gefahren
And durch verbundne Kraft in jeder Noth beivahren- “
Kaum war dich Wort gefadt, da joa ein arofer Bär Kur imfee Sreunde fchon aus dem Gebürche here Der Eine füchtere fich aleich auf eine Eiche, Der Unpre aber fiel, und laa wie eine Leiche An Boden hingeftrecft , weil er einmal achört, Dap nie ein Bar vom Steifh erichlagner Menfchen zehrt- Der Bär fprana auf ihn los, er aber hielt den Ddem , Der Bär beroch ihn vings und leckt’ ihn an dent Boden,
Und lief sulest davon, weil er als todt ihm nahm-
Sekt fprang der Freund von Bau, und als er nahe Fam, Mief er: „Was hat der Bär dir in das Ohr aefprocdhen, AUS er am Boden dich befchnuffelt und berochen? “
„Er hat, forach STener, mich aewarııt: Nimm dich in Acht,
Bor Freunden, die die Noch dir fogleich untreu macht. *
Oden aus Woraz nit einigen ECrlgauterungen
Ludwig Neuffer,
un ARRARAANEDOEALLAUAAADA mm
An das Schiff das den Birgiliusnadh Athen bradte,
1.3;
SR fey Eyprins Götterfchuß ,
Ep de Brudergeftiend leitende Licht mit Dir, En der Winde Beherrfcher audı
(Afle halt’,er zuriit, mır den Japyr nicht.)
Dr
Schiff, das ichuldis cin theures Prand,
Den Birailins ift, dak du zur Attifchen Grenz’ ihn ohne Verlegung bringft ,
Und, ich flehe, der Seel’ anderen Theil bewahrft! Eichen lagen und dreifah Erz
Am den Buren ded Mann’ , der ein zerbrechliches 10 Boot der tobenden Eee vertraut
Erfimald, und nicht ded Süds jähen DVertilgunasfampf Mit DOrfanen ded Nords gefchent ,
Noch die agraufe Hand’ oder des Notus Wuthr, Welcher, Adrias furchtbarfter 15
Herefcher, fehwellen die Sfuth oder fie finfen heißt.
78
Welcher Todesgefahr erfchrad, er mit trockenem Blick fdwinmende Ingeheu'tr er die Gee in Empdrung fahr Und die ruchbare Klipp’ hoher Geraunien? 20 Sruchtlos hat durd des Deeand Kluft ein forgender Gott Sünder von Sand getrenntz Nenn die frevelnden Echiffe doc Hüpren über der Mteergründe verfagte Bahn. Tofllfühn alles zu überfteh’n, 25 Kennt durch Sünd’ und Berbot immer das Menjchenvolf. Tolfühn terug des Tavetuß Sohn mit böfem Berrug Feuer den Bölfern su. Als das Sew’e aus der Netherburg
Bar entwendet, da fiel über die Erd’ ein Schwarnt 50 Neuer Sieber und Giechthum ber,
Und des zaudernden Tod’s einft fo verfpätetes Echiekjal flügelre jest den Schritt.
Dädal prüfte der Burt Leere mir Sittinen,
or
Die nicht Menichen gegeben find;
“a
Durd den Acheron brach Herkules Kiefenthat, Nichts it Sterblihen allzuhoch ! Selbft den Himmel bedroht unfre Vermeifenheit Und nicht dulder ed unire Echuld, Daß den zürnenden Blig Jupiter niederlent, 40
Un den Delltus.
IT:8: Tr ıeihmüthig fireb’ im Drange ded Mifaefchicft Dein Herz zu halten, aber nicht minder auch Sm Gfüde frei von ibermäß’aer Freude, mein Delius, denn du ftirbft einft,
Db alle Zeit in Kimmernig du verleht, Ob auf entlegnem Rafen zurückgefehnt Du mit Salerner des geiparten Kruad dih am feftlichen Tag befeligft.
Bo Eilberpappeln und die erhabne Ficht’ Einladend ihren Schatten durch Laubgesweig VBermählen, und in frunmen Ufern Mühfem der flüchtiae Duell hinabbebt,
Dort Schafe Wein und Salben und der zu bald Bermwelften Rof anmuthige Blüthe hin, Beil Glück und Alter und der Parzen
Näctlibe Faden es noch geftatten.
Du mußt die rings erfauften Gehölze, mußt Dein Haus, dag Landgut, welches die Tiber nebt, Berlaften, und der aufgethürmten Echäte bemäctiger fih der Erbe,
[3,0
10
20
Gey reich, dem alten Inachusblur entflanmt, Scey arm, vom tiefften Volke, ded Himmels Dadı Dein Aufenthalt» aleichviel ! ein Opfer
Bleibft bu dem nimmererflehten Orkus:
Uns alle treibt ein Schiefal; uns allen Miingt
Einft früher, fväter aus dem gefchwungnen Topf Das Lood, zu eidiger Verbannung
Uns in den fingirchen Kahn zu feten.
“
SR. H AR Beier wirft du Teben, Sicin, wenn weder
Etet3 das hohe Meer dm verfolnft > noch forafam Bor Orfanen zitternd, zu nah am falfchen
Strande dich andrüngft-
Wer das Heil der goldenen Mittelfiraße Eid erwählt, wird ruhig der morfchen Hiitte
Ecken Schmuß, wird nüchtern de Hofs mißgönnten
Echimmer entbehren,
Heft’aer bebt von Etirmen arfaßt der Fichte Riefenftamm, mit fcehwererem Galle fürzen Hohe Warten ein, und aufs Haupf der Berge
Ecdmettern die Blike,
Beife hofft im Stück md Geforat im Unglück Ein aedivanıd Herz de3 Gefchicfet Wechrel. Zeus erichafft die häffichen Winter, Zeus auch
Sernet fie wieder.
Bin du Hems umalüichlich, die Sukunft wird nicht
Alfo feyn. Zuweilen erweckt die ftunme
Mufe mit der Leiee Apoll, und fpannt nicht Smmer den Bogen- 20
Zeige dich im Drucke der Noth mit Ihatfraft, Und aettählet mit Muthe, zugleich doch ziehe Weistich ein im allsugewoanen Sahrmind
Schwellende Gegel-
Bu
Un den Baum,
I. 13. Am Tag des Unglücks legt’ in die Erbe dich Dein erfer Panzer, und mit verruchter Hand Erzog er dich, o Baumz den Enfeln
Einf zum VBerderben, der Flur zur Schande:
Er Hat, da3 alaub’ ich, feinem Erzeuger yelbit
Den Hald gebrochen, näcdtlihes Blut verfprigt
Im innern Echlargenmcdh des Gaftfreunds Koldifhe Gifte gemifcht, und alled
Verübt, was je an Gräueln ein Menfchenhers Gebrütet, wer dich, trauriged Holz, gefebt Auf meinen Acer, dich, zu fallen
Auf des nicht fchuldigen Herren Scheitel.
Has Teder ftindlich meide, das hat ein Men Hoch nie erkundet; Puniens Schiffer bebt Den Bosyorfund, und fürdtet nirgends
Drüber hinaus das verborgne Schickfal-
Der Krieger die Gefchoß’ und behende Flucht Ded VPartbers; diefer Ketten -» und Kerferbloc Des NRönters, aber unaeahnet Raffer nnd vaffte der Tod die Bölfer-
6*
10
4 — of - ‚
ie nabe Tab der dunfen Vrorerpina Gebiet ich, und den richtenden Anafus, Und abgetrennt die Au’'n der Srommen,
Und aur Aolifchen. Saiten Flagend | Die Sapho, gram dem Mädden des Baterlands, 25
Und dich, der voller töner mit goldnem Kiel, Alcius! Noth des Schi! befingend ,
Noth der Berbanmung und Notb des Krieges,
Der Beiden Lieder , heiliger Etille werth,
Bewundern rings die Schatten, dod) gieriger 50 Auf Schladten und veriagte Hevrfcher Horchet die fchulterngedrängte Menge- Was Wunder? Senft ob jenen Gefüngen doch Erftaunt das hundertfönfige Ungehew’r Die fehwarzen Ohren, und die Nattern 35
Schwelgen, der Surien Haar durchfchlängelnd.
‘a felbft Prometheus wird durch den Zauberton Und Peloys Bater dauvender Dual entrücdt, Orion forget nicht mehr, die Löwen
Dover den jchüchternen Luchs au ingen.
An den Grosphus.
If. #6. R # lub? erfleht bon Göttern der Sturmergrif'ne Auf Yegiums Meere, fobald die fchwarze TE umsog den Mond, und Fein Leitgeftien niehe Senchtet den Schiffer.
Ruh? erfleht die fchlachtenentbrannte Thrafe,
Ruhe fich die Füchergefchmückten Mieder ,
Ruh’, o Grosvhus, die für Gefein, für Gold tınd Purpur nicht feil ift.
Denn firwahr nidt Schäte, noch eines Konfuls
2iktor fcheucht unfeligen Sturm der Eeele,
Dder Sorgen weg, die der Prunfgemächer Deren umflattern.
Gricklich Tebt mit Wenigem, went auf fchlichtent
Tirche alänzt ein vaterererbtes Ealzfaßr
Wen nidt Surcht noch häfliche Gier den Teichten EScdjlummer entrühret.
Barım zielt nach VBielem im furzen Veben
Rai der Menfh? Was fuchen wir Sand, das andre
Sonnen wärmen? Wer, aus der Heimathb Wandernd,
Floh auch fich felber ?
wu
10
20
Auch die eriberchlagenen Schiff erfteiget Ehnöte Eora’, und Täft nicht von Reiterfchrwärmen ,
Schneller alt die Hirfch’ und der Wolfentreiber, Schneller al3 Eurus-
Groß der Gegenwart, fen um ferne Zukunft 25 Unbeforgt , und mildre mit fteten Lächeln Bittres dir, Michts ifr in der Welt von allen
Eeiten vollfommen.
Schneller Tod entraffte berühmt Achillen , Sanges Alter zehrte den Greis Tithonußr 30 Und vielleicht fan mir, was fie div verfaste,
Bringen bie Kore-
Dich umbrüfen Sifulerfüh’ in hundert Heerden , dich grüßt wiehernd bed Biergefpannes Edle Kämpferftute, dich Fleidet Wolle, 55
Zwenmal getränft in
Purpurbfut: nie fchenfte geringe Felder, And ein wenig Geit von der Graiermure Eine treue VParz', und den bösgefinnten
Troß zu berachten,
Die nemlide Ode (Berfuch in gereimten Berfen. )
Mur erfieht auf offnen Mieereöwogen , Kenn ein fchiuarz Getwölf den Mond umsogen , Und Fein fichves Leitgeftien ihm ladıt,
Der Pilot in graufer Schredennadt-
Ruh’ auch Ihrakes wilde Sriegerhorden , Und die Meder, die mit Pfeilen morden» Nube, die für PYurpur nicht und Gold, Nicht für Genmen ihren Frieden zollt-
Denn fürwahr, nicht reicher Schäge Prangen ; Nicht des Konfuls Liktor fcheucht den bangen Sturm der Bruft, und felbit in’d Prunfgemac Schweben die beichwinsten Sorgen nad).
Stücklih, wen das Salzfaß biedrer Annen Auf dem fchlichten Tirche blinft! Shn mahnen Nie der Habfucht Qualen; fanft und Teicht Sr fein Schlaf, von Feiner Furcht verfcheucht.
Barum vingt der Menfh im Furzen Leben Kaftlos nach fo manchem Ziel? Was fireben ir nach fremden Landen? Aber entflicht,
Sern von Daus, den eigenen Gemith?
[4
10
15
20
Mit zu Schiffe fieigt der Exrele Kader, gäft nicht ab vom veifigen Gercnonder , Echneller , denn Die Hiriche und der Of,
Der einher mit MWerteriwolfen tost.
Eey zufrieden mir dem Augenblicke, Eorge nit, was dir Die Bufunft schicke , Mild’re Tächelnd jelbit das Bittre dir;
Kein vollfomm’nes Glück aawinnit du hier,
Schnelt erlag Achill den blafen Schatten, Sanges Alter zehrt” Auroras Gatten, Und es wird, was Die fie nicht befchert,
Bon der Hore mir vielleicht gewährt,
Hundert Heerden hörft du dich umblöcken, Und aefärbt in Tyeus Purpurfchnecken Schimmert dein Gewand, zum Biergefpann Edieft die Stute wichernd dir fih an:
Mir verlich die Parse, Die aetreue, Daß ich eine: Heinen Gut! mich freue, Das mich Hellas Dichteraeift durchalübt Der verachtend Tchlechten Pobel Richt.
50
40
au 89 er
III. 41.
Hermes , denn beichret von div dent Meier, Kt Ampbion Steine bewegt mit Eingen, Und auch du, o Leier, auf fieben Saiten
Kundig zu tönen,
Etumm vordem und went beliebt, doc jeko Merth am Tifch ver Meichen und in ben Tempeln, Sag’ ein Lied, zu dem die verfiockten Ohren
Eyde num wende,
Die, mie ein dreiiährigs Füllen, fpielend
Hüpft auf weiten Stur und Berührung fürchtet,
Fremd ver Hochzeitfvend’, und dem ungeftiinen Buhlen noch unveir,
Tiger und begleitende Wälder fannft du Nach dir zieh’n, nnd eilende Bäche hemmten , Ka es wid Dir, Echmeichlerinn-, felbft des Orfus
Gräulicher Hüter,
Eerberus, wiewohl fich ihm Hundert Schlangen Ringeln um das Furtenhaupt, und araufer Athem ibm und Geifer vom dreyasziingten
Rachen berabträuft.
on
10
30
Auch Arion, Tityos aud) erwehrte
Sid de3 Lächelnd nicht, amd ein wenig trocken
Stand die Urn’, als du mit Gefang entziickteft Danaus Züchter.
Syde foll mir hören von GräuT der Sungrramı 23
Und befannter Strafe, vom leeren Safe,
Bo am Bodengrunde da3 Warfer fchwindet , ! Und vom Berhängnif,
Das and fpät im Drfus der Echuld noch harret.
Ha, verrucht ! (Was Eonnten fie arößers freveln?) 50
Ha, verrucht! Sie fonnten mit hartem Eifen Miorden die Freier.
Eine nur von Bielen, der Hochseirfacket
Merth, betrog den fchwürevergefnen Vater
Ehrenvoll, die bis auf die jernfte Nachwelt 55 Rühmliche Fungfrau.
Aufs fo faate fie zum vermählten Süngling ,
Auf, daß dich micht finde der lange Echlummer ,
Bo du nichts dir fürchtet, betreug den Schwäh’r und Schrecdliche Echweitern , 40
Die, wie Röwenmütter die jungen Kälber, | Einzeln, ach, fie fchlachten! doch Sch, die fanrter | Sühlts ald fie, will weder dich morden, noch im
Zimmer dich halten,
ZT 91 a
Lad auf ntich mein Bater erarimmte Ketten, 45 Beil des Unglückdgatten ich mild verfchonte ; Zraae mich verbannend fein Gchiff zum fernfien
2and der Numiden,
Sch, wohin die Sup und der Wind vich reifen, Weil noch Nacht und Benus dich fchirmt, mit auren 50 Zeichen geh’, und vräa’ auf mein Grab die Klage,
Infer aedenfend.
An den Mäcenas.
1II. 29.
yrhenerfprößling, Enkel von Künigen!
Ein milder Wein im nie noch aewandten Saßr Mit Rofenblüthen, o Mäcenas, Marde zugleich, für dein Haar gepreifet,
fe Länaft bei mir fchon. Reif dich vor Hemmung los, 6 Dak du das feuchte Tibur und Meyiılas Abichünig Feld nicht tet berchauft, und Telegond Höhen, de3 Batermörders.
Berfak den unluftfchaffenden Weberfiuß nd deiner Hochburg ragenden Wolfenbat, 10 Und ftaune länger nicht der ftolzen Roma Getümmtel und Vracdt und Rauch ar
Auch Reichen ift oft füh die Veränderung, Und reine Kot, felbft unter de Armen Dad, Hat ohne Baldachin und Yurpur 45
Oft die befümmterte Stirn entrungelt. Schon zeigt verborgned Feuer Andromedag
Slanzpoller Bater, Procyon rast, und fchon
Des grimmen Löwen Stern, da Phöbus
Hieder die alühenden Tag’ herkeifuhrt.
Schon fuhr der Hirt mit fehmachtender Herde fh, Ermüder, Bach und Schatten md Waldgebüfch Des firuppichten Giwans , und jtiffe
Ufer entbehren der Lürte Säuieln,
Du foraft der Stellung , welche den Reich aebührt, Und pflegt der Stadt, anafivoll, was die Serer doch, Tan die von Eyrus einjt beherrichte Baktın, was Tanais Zivift und drobe. Borfchauend hüllt der Fünrftigen Seit Errola Ein Gott in undurchdringliche Sinfternißz Und lacht, wenn über alle Manfen Sterbliche zittern, Was da ift, denfe Gteihmüthie div zu ordnen, das übrige Sährt hin, dem Strom gleich, ver in des Ufers Schooß Sest friedlich zum Etrurermeere Gleitet, und jest die benagten Selfenz Entrafte Baumfänm’, Heerden und? Wohnungen Zugleich dahinwälzt, daß die Gebira’ umher Nachbrüflen, und die nahen Wälder, Wenn die unbändige Fluch die fanrten Thalbäch? enworfiient. Der ift fein eigner Kerry Und wohnt im Frieden, welcher von Tag zu Tag
Sich jagen darf: Ich Tebtet Morsen
Hütte der Vater dem Pol in schwarzes
Gewölf’ ein oder heiteres Sonnenlicht.
Denn, was vorbei ift, fann er nicht tilaen mehr, Nicht ungercheh’n und anders machen, Was dir die fliehende Stunde bradıte.
Fortuna, die araufanen Gefchäftes froh, Bolt Uebermuths zu fpielen ihr Spiel beharrt, 50 Zaufht um die ungewifen Würden , Seßo mir, jeßo dem Andern günftig-
ch 1oß? ed, bleibt fie. Schlägt fie da eilende Gefieder, zahl? ich, was fie verlich, zurücd,
[3 [2,3
md hilfe mich ım meine Tugend, kackte, doch venliche Armuth wählend.
Nicht meine Sach’ if’, wenn von des Arfrifus Orkan der Maft heuft, finfen in’s Sanımerflehn, und durch Gelübde mir bedingen, Dafi nicht die Tyrer = und Eyprerwanre 60
Mit nenem Reichtbum fülle das geis’ae Meer, Dann wird, dem boppelrudriaen Boot vertraut,
Mich ficher durch Mesäums Aufruhr | Führen die Luft und der Swilting Vollur-
Melpyomene
IV. 3.
Wen, Melpomene, du einmal,
8 geboren er ward, abet mit anäd’sem Blick, Solchen wird nicht der Sfehmirche
Ranıyf als Sechter erhöh’n, nicht ein geflügelt Ro Aur Achäifhen Wagen ihn
Zieh’n als Sieger, auch nicht Frieg’rifche Heldenthat Shn, mit delifchem Blatt gefhmückt,
Seil das Drau’n er zermalmt teogiger Könige, Zeigen dem Kapitoliun.
Doch die Waffer, die mein Tibue vorüber zieh’n, Und dichtlaubiger Haine Grün,
Im ävlifchen Lied bilden fie ihn berühmt. Roms, der Städtebeherrfcherinn ,
Söhne würdigen fchon unter das Sieblingschor Geiner Sänger zu reihen mich,
Und fchon nager an mir minder ded Neides Zahn. D, die goldenes Gaitenfpiel
Stimmt zu füßem Getön, göttliche Pieris !
a)
die fchrweigenden Fifchen felbft
Könnte (wollte fie je) Schwanengefana verfeih’n,
SD
40
96
Ganz if dieß dein Gerfchent, daß mich
Als den Meifter das Volk zeigt im Vorüberach’n , Der die römifche Lyra zwang
Daß ich dicht” und gefan?’, 06 ich gefam’? it dei.
2ob des Randlebens,
Eyote 2, er Mann ift jelia, der von Weltgefchärten fern, Dem Urgefchlecht der Menfchen gleich, Das väterliche Feld mit eignen Stieren vfünt, Bon altem MWucherweren frei. Richt weft zur Schlacht ihn der Drommete araufer Ton, 9% Nicht graut ihn vor des Meeres Zorn. Auch meider er den Markt und übermächtiger Mitbürger ftole Schwellen gerite Dafür vermählt mit hoben Papvelbäumen er Der Neb’ erfiarfte Sprößlinge ; 10 Und fchmeidet mit der Hipp’ unnüse Aecıte durdr ’ Ind piropret edlere Keifer drauf. Oder er fiebt vor jich im ticfgefriimmten Thal Der brüflenden Heerden Schwärme jich'n ‚ Dder er preßt in reine Krüge Honiafeim, 15
Dder er fchiert dns Wollenvich-
ern dam das fchon mit veirem Obft gesierte Haupt Der Derbi ans Sruchtacfhlben hebt, ie freut er fich, wenn felbfigeimpite Birn’ er pflückt, und Die Tenube, die wie Burpur alüht, 20 Dir zum Gefchenf, Priapas, und, o Bater, bir, Silvanıd, Schirmer feiner Sturt hm Gehaat’s zu Tienen, jebt von alter Eich’ ummwdlbt, ‘est auf dem fchwellenden Mafenbett, Sindeffen rinnen Büch" in hohen Ufern fort, 26 Die Vögel Elngen im Gehölsr \ Und rtellen vaufchen darein mit janfthinriefender Stutbr Und zaubern leichten Schlaf herben. Doch wenn die Winterzeit de8 Donneraorted Zend Mapregen bringt und Slorfenfchneez 50 Dränge dort und dort er mit vielen Hunden braujende Waldrehwein’ in’d vorgetworrne Neb- Bald jpannt er mafchige Garn’ auf alatten Gabeln aus, Gefräß’gen Drofeln zum Betrug, nd den fehenen Hafen, ımd den Ziigling Kranid audı 55 | Erharfcht die Schlina’ als fühen Raub. Fer wird nicht allen Kunmer, den die Siebe nährt, Beraefen unter folcher Luit! Wenn dann ein firtfam Weib auch ihres Theild das Haus,
ind füher Kinder Wohl befprat, 40
ie die Sabinerfrau, und von der Sonne braun,
7
98
Das Meib ded vafchen Mppulevs
Und trochnes Holz umher auf heil’gem Heerde häuft, Zur Wiederkehr des miüden Manns, tnd in geflochtne Hürden fchlieht das munt’ve Vieh,
D+ wr
Und die gefpannten Euter melft, Und beueisen Bein dem füßerhaltnen Sak entzavrt, j Und unerkanfte Kot ihm bringt: Dann reisten mich Eufrinerauftern nicht jo ch» Meerbutten auch, und Brafen nicht, 50 Wenn auf roiichen Wellen donnernd ein Orkan An unfeen Meerftvand fie verfchlug z Kein Afrervogel fäank’-in meinen Magen dann, ‘ Kein Hafelhuhn aus Sonien
a
Scmacdhafter mir, als die Dlivenfrucht , gepflückt 6 Bom retteften Gezweige des Baums,
Als Anmpfer, der die Wieren liebt, und Malvenfoit, Ein beilfam Kraut den franfen Leib, ind als ein Lanım, geichlachtet am Feft des Terminug,
Und ein dem Wolf entrifner Bock. 60 Ben folhem Schmaus, wie lufia if’ der Schaafe Zug | Zu cha’, der fatt zur Wohnung eilt, Zu fchan’n die miden Stier am umgefürsten Plug , Wie fie mit fchlafem Hals ihn sich’m, Und wie der Snechre Schaar, im reichen Haus erzeutät, 65 m fchinmerpofle Sarın fit! —
Ns dieh geiaat der wucherfeobe Aloping , m Boraefihl ein Bandınann fchon , Treibt an den den all fein Geld er ein) und Tent’s
un den SKalenden wieder an. 70
Aufbeiterung. Un U DENE RER END: IR,
Eyod, 13. Cr Granfendes Ingewitter umzog den Himmel, und Regen und Fiorfen zich’n den Seus herab.
ABälder nunmehr und das Meer
Halten vom Thracifchen Rorde zuriick, Min erbafchet, o Fremde, Bon Tage bie nelea’ne Zeit! 5
Beil uns noch fireben die Knie,
Und 08 fich jiemt , fo erbeitert die Stiene von Wolfen des Alters. Du, bringe Wein, im Konfulsiahr Meines Torguatus geprekt-
Rede vom übrigen nicht! Biefleicht mit erfreufichem MWechfel 10 Bringt ung ein Gott das alte Glück.
resp mit Perfiiher Nard’
100
Eile zu falben dein Haar, ad mit cyllenifcher eier
Bon unbeilvoflem Sorgenfchwarm
[67
Dir zu erleichtern die Bruf. 4:
ie der berühmte Eontaur einit fang dent geiwaltigen Zögling: Anüberwundner Ererbliher, Thetis, der aöttlihen, Sohn!
Deiner harrt des Afavrakus Land, das der Eleine Sfamandrus Mit Falter Stluth, durchfchneidet - und 20
Simpis aleitender Strom.
Aber die Parce verfagt mit veißendem Faden die Heimkehr, Und deiner Mutter blaue Fluth
Träat dich nach Haufe nicht mehr.
Dort verfüße dir jegliches Leid mit Wein und Gefange, 25 Die ungeftalter Traurigkeit
Tröftende Zabumng verleih’n.
@rläuterungem
1.22.
Sin Abfchiedsgedicht, das ein Horaz einem Birgil weiht, Sn weld zarter Berührung die zwen größten Dichter Noms! aber wie einzig it diefer Stoff be- banbelt!
Horaz empfiehlt das Sıhiff, das den geliebten Freund nad) Athen brachte, den fchügenden Mächten der Meerfabrt; dem Götterfhugeder Eypria, B,1., oder Benus, welde, feldft hervorgegangen aus dem Schaume des Meeres, auch Macht hat über die Gewäffer; bem Brudergeftirn, 2, Kaftor und Pollur, oder den Diosfuren, die den Schiffen: den günftig find; dem Beherrfher der Winde, 83.5, Weolus, daß er alle zurücdhalte, nur nicht den (Sapyr) Xbendwind, welcher die Fahrt nad; Athen von Stalien aus am beften förderte, Unter foldhem Schusge wünfht er dem Freunde glücliche Ankunft. Snbem fi aber mit dem Schmerzgefühle der Trennung nod) die Vorftellung vereinigt, welden Gefahren der fcheidende Freund ausgefegt fen, fo führt die Phantafie
den Dichter durch Sdeenveriwandtfchaft zu Rerwins fhungen über den erften Schiffer, und zur Verfluchung des gefammten Seewefens, B. 9— 20. Der muß eine eherne, unerjchrodene und gefühllofe Bruft gehabt ha= ben, welcher zuerft ein zerbrechliches Boot der tobenden See vertraut; (merk auf die Gegenfäge!) und allen Meergefahren Hohn fprady, den Regen und Sturm bringenden Hyaden, (fünf großen Sternen an ber Stirne des GStiers,) der Wuth des Notus, des Südwinds, der das abdriatifhe Meer (Adria) am gewaltigften beftreicht, und den Geraunien, berüc: tigten Klippen an Epirus Geftaden. Welche Scene! Hier das fchwellende Meer, vom Stürmen empört! dort fuchtbare Ungeheuer und toddrohende Felfen! Erfchüt- tert von diefem Bilde ziient der Dichter allen, bie gegen die Natur und ben Schluß der Götter handeln, beißt ihr Unternehmen gottlos, und leitet alles. Unglücd der Menfchen davon ab, ®, 2140. Die Götter wollten dur die Kluft des Meerd die Verbindung entfernter Länder verhindern. Umfonft! Ruchlofe Schiffe [dwimmen darüber hin. Der ecke Menfch achtet weder Gefahr noch Verbot. Der Sohn des Japetus, (Prometheus) durch Minervas Beyftand zum Himmel erhoben, brachte in einem hohlen Stabe, den er am Sonnenwagen anzündete, das Feuer diebifcd zu
ee
den Menjchen. Daher die Krankheiten und der frühe Tod der Sterblichen, (Mit der Entdedung bes Feuers entwickelte fi) die Kultur und bie allmähligen Folgen der Ueberverfeinerung unter ben Menfhen) Dädalus machte fi, Flügel, die dem Menfchen verfagt find, und verfuchte damit eine Ruftreife, dem Könige Minos von Kreta entfliehen. Herkules drang jogar in die Un: terwelt, (Aheron) um den Cerberus, den Hüter des Eingangs, einen furdhtbaren Hund mit drey Köpfen, dem Euryftheus heraufzuholen, Nichts bleibt uns verfucht, Gelbft gegen den Himmel freveln wir, Damit fordert der Fee Menjc den Zupiter heraus, feine zerfchmetternden Blige nie ruhen zu laffen.
Mir finden hier keine langweilende Mahlerei von Empfindungen über Trennung und Abjhieb, dergleichen moderne Dichter bey Ähnlichen Beranlaffungen Preis geben. Horaz nimmt einen ganz andern Gang. Sn lauter Bildern und Gleihhniffen, von der Natur und von der Handlung geborgt, führt ex nit nur. wahre baft Igrifch, fondern auch im Eonfequenteften Zufammens hange und in der abgemefjenften Einheit fein Thema aus, auf weldhes er dur die Gefahren feines fcheidens den Freundes gebracht wird, nehmlich die fträfliche Ver: wegenheit der Sterblihen. Sanft und gefühlvoll ift der Anfang, ftark und voll Affekt der Fortgang, hödhite
Begeifterung der Schluß. Immer an Intereffe wachfend endigt die Ode im einer großen Sdee, womit fich ber gewaltige Eifer des Dichters erfhöpft, Man fühlt es, das Lied ift aus, jede Fortfegung würde den Eindrud ihwädhen, Darin ift Horaz befonders ein großer Mei: fter, daß er am rechten Pla aufzuhören weiß, und daß alles fo ineinander gegliedert ift, daß nichts wege genommen, nidyts eingefchoben, nichts angehängt wer= ben Eann, ohne den herrlichen Organismus zu zerflören. Nichts ift zu viel, nichts zu wenig, alles am vechten Drt, Das tft der gediegene Numerus eines vollendeten Künftlers. IE8;
Gleihmüthigkeit und weifer Lebensgenuß ift bas böchfte Gut, Dieß ift der Gedanke, den Horaz in der vorliegenden Ode ausführt, Er weiht fie dem Del: lius, einem ‚alten Kriegsgefährten, der mit ihm uns ter Brutus und KRaffius fobt, aber nad deren Kiederlage und Tod die Partie des Antonius ergriff, In Vegypten, den Nacdftellungen der Kleopatra ausgefest, floh Dellius nad Rom, und bot fich dem Dftavian (Auguftus) der damals fchon mit dem Antonius zerfallen war, an,
Sey im Unglüde nicht verzagt, im Glücde nicht Übermüthig, und gebrauche was du haft, denn du mußt
einmal fterben, und all dein Gut verlaffen. Wie fchön Horaz diefen Stoff behandelt hat, ift ohne nähere
Bergliederung fühlbar und beutlid,. Alfo nur einige Erläuterungen:
Salerner des gefparten Krugs. In Gams panien, zwifchen Calus und Ginueffa, wudhs ber berühmte Falernerwein, Man bewahrte den Wein in großen, fpiszulaufenden Krügen, deren enger Hals mit Kork verftopft war, Das. Alter und die Güte deffelben pflegte man mit dem Namen des Konjuls zu bezeichnen, in deffen Sahr er gefeltert wurde, An feftlihen Zagen, die hauptfächlih dem Vergnügen ges weibt waren, that man fich gerne mit auserlefenen Weinen gütlich,
Die Parzen (die drei Schidfalsihweftern) fpin= nen den Lebensfaden im Verborgenenz daher der nädht- liche Faden,
Snahus wird für den erften König in Argos gehalten, Die Abftammung von ihm bezeichnet als ten Wbel,
Drkus, Die Unterwelt, das Rei der Zodten, Oft wird auch Pluto, der Gott diefes Reichs alfo genannt,
Die Nothwendigkeit, das unerbittliche, eiferne $a>
tum, bewahrt die verhängnißvolle Urne, in welder
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aller Menfchen Loofe ruhn, und zieht fie nad Willkühr, Das Eodesloos führt in die Verbannung Über den Styr, (einen der unterivdifchen Flüffe) deren Fährmann Cha: von die abgefchiedenen Seelen in feinem leichten Kahn ihrer weiteren Beitimmung zuführt.
Es herrfht in diefer Ode zwar ein fanfter dod) ernfter Geift; fie fängt mit einer weifen Lehre an, fie fchreitet fort mit einer Einladung zum Genuffe; fie fchliegt mit Borftellungen der Vergänglichkeit und des Zodes, Neben der Freude ein tragifher Ernft. Wahs red Bild des Menfchenlebens !
11.10.
Diefe Dde ift dem Licinius VBarro Muräna gewidmet, einem Bruder des Proculejus und der Zerentia, die eine Gemahlin des Mecänas war, und enthält eine Ermahnung zur Zufriedenheit im Mit- telftande des Glücks, Eine der fehönften und gemüthz Lichften Oden des Horaz, und zugleich eine der ver- ftändlihften, Webrigens wird durd folgende hiftorifche Notizen die Beranlaffung, der Zwed und der Inhalt der Dde nod) deutlicher werben.
Licinius Muräna gehörte zur vepublikanifchen Partie des damaligen Roms, und hatte fhon unter Pompejus gegen Eäfar gefohten. Bon gleicyen
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Grundfägen befeelt, diente er aud; gegen den Auguft. Diefer begnadigte ihn dur Verwendung des Mer cänas, feines Schwagers, Allein Muräna konnte fein republikanifches Herz nicht ändern, und gab aud) feine Grundfäge nicht auf; defhalb benahm er fi) et- was zu frei und unvorfidhtig für die neue Monardie, Einft, fo erzählt Dio, legte Auguft vor Geriht ein Zeugniß wider den Primus ab, den Muräna vers theidigte; da fragte Muräna mit Heftigkeitden Auguft: »Wer hat did, hieher gerufen 2? der fehlaue Auguft, der die Formen der untergegangenen Nepublit noch) fohonte, und mit fchmeidhlerifher Gleisnerey die Herzen des Volls gewinnen wollte, antwortete Falt und bes fonnen: „die Republif,? Aber foldhe Freimtüthigkeit empfiehlt fih fchlecht bey Herrfhern, wie Auguft war, Kein Wunder, daß er dem Muräna grollte und ihn feine Ungnade fühlen lief, Muräna ertrug den ders fall feines Glüds mit Unmuth und Bitterkeit; der Leis denfchaftlihe, unruhige, ehrfüchtige und verzweiflungs- volle Mann trachtete nad) Neuerungen, um fi empors zufhwingen, Durch eine neue Revolution hoffte er feinen durdy Proferiptionen zerrütteten Wohlftand wies der herzuftellen und zu den hödften Würden zu ges langen, Horvaz durcdfchaute die Gefinnungen und Abfichten des Manns, und fah Leicht voraus, weldh ein
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ägliches Ende fie nehmen müßten, Dieß gab ihm Beranlaffung zu unfrer Ode, die von allen Stennern alter und neuer Zeit unter die gelungenften. gezählt worden if. Er warnt vor Ertremen 1— 4 Sodann fchildert er das Glüd des Mittelftandes 5— 8. Sierauf zeigt er die Gefahren der Hoheit 9—12. Nun folgt eine Gnome, als NWebergang zum zweiten Theil der Dhe 13 und 14. Damit verbindet Horaz für den Muräna Hoffnung und Zroft, 15—20, Mertfe ins fonderheit: Apollo (Auguft ließ fih gern einen Sohn des Apollo heißen) Tpannt nicht immer den Bogen, un“jeine ftrafenden Pfeile abzufchnellen, er führt auc die Epyther, und wedt bie fchlummernde Mufe zum Gefang: Damit eröffnet Horaz dem Muräna bie Ausjiht, die verlorne Gnade des Auguft wieder er: langen zu fönden, Cchade, daß Muräna den Wink feines dichterifchen Freundes nicht verftehen wollte und benügte, Denn er fuchte fic in der Folge an Nuguft
zu rächen, ließ fich in eine Verfchwörung gegen denfel: ben ein, wurde entdedt und unerbittlih mit dem Tode beftraft. Der Befchluß der Ode, 21— 24, faßt alles
zufammen in einen eben jo wohlgemeinten al® weifen Kath, und enthält einen Denkfprud, der, Eräftig und fchön ausgedrückt, die ficherfte Unweifung zu einem wire vevollen und glüdlichen Leben gibt,
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Eine Dbe, duch einen Zufall erzeugt, der dem Dichter hätte tödtlich werden Eünnen, nimmt feine ganze Phantafie in Anfprud, Es war am erften März, im Beginne des Frühlings, da Boraz auf feinem fabiniz [hen Landgut luftwandelte, oder fi auf den fonnigen Hafen geftredt hatte, als ein Baum in feiner Nähe ums ftürzte und ihn beinahe erfchlug. Ein an ich fo un= poetifher Umftand, ja eine jo gemeine VBeranlaffung erzeugte die herrlihe Gedicht, worinn die Kunft des Horaz, aud Kleinigkeiten durch Poefie zu verklären, in ihrem böchften Glanz erfcheint. Die Ode gehört: zu derjenigen Gattung, wo der Dichter von einer gemiffen Empfindung ausgeht, aber fobann fie verläßt, und durd) eine natürliche Sdeenverbindung zu einem verwandten Gegenftande fortfchreitet, und denfelben bis an’s Ende fefthält,
Er fängt damit an, den unheildrohenden Barum zu verwünfchen, und den Pflanzer deffelben der größten Verbrechen zu befehuldigen, 1— 12. Nachdem er dief mit dem höchften Pathos gethan, und fein Unwille fich gleichfam erfchöpft hat, wird fein Gefühl milder, und verweilt bei dem moralifchen Eindrud, den die Vor: flellung erzeugt, daß Niemand die Gefahren feines Te-
bens voraus wife, Der Punifche Cpbhönizifche)
—. Hd
Skhiffer fürdtet fi vor dem Bosporfunb, dem en- gen, und defhalb gefährlichen und brandenden Kanal bei Konftantinopel, weiter hinaus aber (auf dem offenen fchwarzen Meer) erwartet er kein Unheil, Der Ri: mifhe Krieger fürchtet die Pfeile des Par: thers und deffen fchnelle Flucht, weil die Parther gewohnt waren hinter fi) zu hießen, und die hisig verfolgenden Feinde zu verwunden und zu töbten, wenn fie am wenigften gegen Pfeile gededt waren; die Parther hingegen erbangten vor der Römifden Gefangenfhaft, denn die Kriegsgefangenen wur: ben zuerst gefeffelt und im Triumph aufgeführt, for dann gewöhnlich ins Blodhaus geworfen, und bins gerichtet. Allein der Zod rafft Menjdhen und Völker hinweg, wo fie eg am wenigften vermuthen,
Kun erft dringt fih ihm die VBorftellung des Zodes und der Unterwelt auf, welder er jhon fo nahe war. Diefer Stoff ergreift aufs neue feine Phantafie mit Lebendigkeit, und mahlt ihn aus bi8 zum Schluß, Nahe erblidt Horaz das Gebiet dev Proferpina, der Königin der Schatten, und den Meakus, den Richter der abgefchiedenen Seelen, Nun ift’s ihm, als jchwebe er zu den abgefonderten Gefilden der Geli- gen, und verweile unter den Iyrifchen Dichtern der Vor- welt, namentlich einer Saphbo und eines Alcäus,
Die Sapho Hört er Elagen über die Mäddien von Lesbos, (ihres Baterlands) entweder wegen ihrer Kälte in der Freundfchaft und ihrer Geringfhäsung der Mufen, oder weil fie ihr den fchönen Phaon abwendig mad: ten. Er bört aber aud den Alcäus mit goldnem Kiel (einem Snftwument, womit man die Gaiten anfchlug) die Leier rühren, und lauft feinen Ges fängen, über die Noth des Schiffs, der Verbannung und des Kriegs, Drangfale, die er zum Theil felbft er litt, weil er gegen die Tyrannen von Mytilene, feiner Vaterftadt, eiferte, und defhalb verbannt wurde, Horaz ift nun gänzlid in die Unterwelt verfest, er fieht die Menge, die mit gedrängten Schultern und mit tiefem Schweigen der Sapho und dem Alcäus zus Hört, doc diefem mit innigerer Theilnahme, weil es aud) die Schatten nodı freut, wenn die gute Sadıe fiegt und die Quäler der Völker verjagt werden, Und num von der Zauberkraft der Dichtkunft felbft hingeriffen, verliert fh Horaz in einer Befchreibung ihrer Wun- derwirkung in der Schattenwelt. GSelbft Cerberus, das hundertiöpfige Ungeheuer (hHundertäöpfig, viels leicht der Schlangen wegen, die an feinen 3 Häuptern fih aufrichten) fentt wollüftig die fchwarzen Ohren und vergißt der MWuthz; die Nattern im Haare der Zurien werden befänftigt; Prometheus, dem ein Geier
täglich die Leber fraß, die zu neuer Qual wieher nad- wuchs, und Pelops Vater, (Santalus) der fei- ner Verbrechen wegen zu der Strafe verbammt wurde, unter einem fhurzdrohenden Fels im Strom Eridanus ervig durftend zu ftehen, indem die Fluthen ihn flohen, wenn er barnad griff, und zu bungern, obgleich bie füßeften Früchte ihm vor dem Munde hingen, weil fie zurüdfuhren, fo oft er fie hafchen wollte, — felbft diefe Gequälten empfinden ihre Marter nicht mehr; und Drion, der Teidenjchaftlicite Täger, fteht fill, und verfolgt nicht mehr das Wild, (In der Unterwelt feßen die Schatten die Befhäftigungen des Erdenlebens fort, und nehmen ihre Leidenfchaften. mit binunter, )
Home (elem, erit. 1, p. 317.) zieht gewaltig gegen diefe Ode los, und fpriht ihr alle Ordnung und allen Zufammenhang abz allein es läßt fih pfuchologifch nachweifen, wie der begeifterte Dichter von einer Sdee zur andern fortgeriffen worden ift. Bu läugnen ift übri= gens nicht, daß ein eigener Gang im Ganzen fihtbar ift, und daß junge Dichter zu warten find, ich in ähnlichen Igrifchen Sprüngen zu verfuden,
11: 1,40:
Der Snbalt und Gang diefer Ode ift folgender:
Alle Deenfchen fehnen fi nach Ruhe, befonders unter
N ge
Gefahren und Befchwerden, allein nicht alle begreifen. ihre Natur, nicht alle fuchen fie auf dem rechten Wege, Hohe Würden und Reichthiimer gewähren fie nicht, fo- lang ein Menfch von Leidenfchaften und Sorgen be: uneuhigt wird, Aud mit Wenigem fann man froh und vergnügt leben, Mer in fidh felbft, in einem ges oröneten und ftillen Herzen, die Ruhe nicht findet, wird fie außer fich nirgends gewinnen, Sn fein Scid- fal fi fchicden, weil doc, nichts vollfommen auf Er= den ift, das ift wahre Weisheit, Aud) geht feiner der Sterblicen ganz leer aus, jeder hat feine Gabe aus ber Hand der Natur empfangen, und damit foll er zus frieden fenn,
1—8. Nach Ruhe fehnt eh der Schifferim Sturm, wenn er Gefahr läuft zu franden und zu fHeitern, nad Ruhe die wildeften und furdt- barften Krieger Thraciens und Mediens; aber die wahre Ruhe, ber innere Seelenfrieden,, Läßt fih nicht erkaufen, Tann nicht durd) Äufiere Güter er: langt werden. 10—12. Xud die höchften obrigkeit- lichen Ehren und bie glänzendften Wohnungen Tchüsen nicht vor Sorgen, Vor dem Konful gingen zwölf Liktoren hintereinander her, mit Faszen in ben Händen, (NRuthenbüfcheln zwifchen welche ein Beil ge: ftet war) um im Gebränge ibm Plab zu machen
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und bas Volk auseinanderzutreiben, aber auch als Eh: renherolde ber hödhften Macht. B, 18, Ein Salze faß auffhlidtem Lifhe, Die Zifhe der Reichen waren bamals ein befonderer Gegenftand des über: triebenften Lurus, Plinius ber ältere fchreibt: Gicero habe einen Tifch gehabt, der nach unferem Gelde 50,000 Gulden gekoftet habe. (?) Mande hatten fie noch Eoftbarer, Sn den Häufern des berühmten Genefa, befanden fich fünfhundert Zifche von fo Eoftbarer Arbeit, daß man jeden derfelden auf 25,000 (?) Thaler fchägte, Auch in Gerätbichaften, befonders in fkünftlichen Ge= fäßen, wurde ein ungeheurer Aufwand gemacht, Der: gleichen bedarf der Zufriedene nicht; ibm genügt ein Salzfaf, von bem Vater ererbt, es glänzt ihm lieblich genug auf feinem geringen Zifche, auch wenn e8 nit Eoftbar und nad) dem mopdifchen Gejchmade ges formt ift, ja er ehrt es als ein Erbe mäßiger und biederer Ahnen, 17—24. WVergebens fudht der Un= zufriedene oder Angefodhtene die verlorne Glückfeligkeit in fernen Ländern, denn feine Sorgen folgen ihm, und holen ihn ein mit Gefchwindigkeit der Hirfche und des Oftwinde, (Eurus). 29 und 30. Auh ein langes Leben macht nicht glüdlid, Es war dem Adhilles, dem tapferften Helden unter den Griechen vor Eroja, freigeftelt, ob er ruhmlos ein hohes Alter
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erreichen oder mit einem kurzen Leben dauernden Nadı= ruhm erkaufen wolle, Er 309 das lehtere vor, Zie thbonus erhielt durdy die Bitte feiner Gemahlin Au= rora von den Göttern Unfterblidhteit, aber fie hatte verfäumt, ihm zugleidy Eräftige Lebensfülle zu erfleben. Während alfo fie felbft als Göttin in ewiger Zugend fortbtühte, zebrte ihn das Eommenbe Alter immer mehr ab, daß er zulest die Verwandlung in eine Heufchrede als Wohlthat annahm, 81—40. Keiner beneide den andern; jedem bringt die Hore eine eigene Gabe, Die Horen find Untergättinnen der Zeit, aber aud Dienerinnen des Zupiter, die den Sterbliden ftets etwas Neues bringen, aber Eeinen ganz verfäumen und vergeffien, — Du bit reih an fhhönen Seerden Gi: cilifher Kühe, die wiehert die Stute, mit wel cher du im Wagen den Sieg erkämpfen Eannft, dic) fchmicden Gewande von Purpurz ic, befiße zwar ein Eleines Feld, aber ein wenig griedbifden Dihtergeift hat mir die Parze verlieh'n, und den boshaften Eroß meiner Neider und hämifchen Zadler Tann ic) verachten. Es ift bekannt, wie bitter die Kritikafter und Afterdichter des damaligen Noms den guten Horaz durchhechelten. Er fey, hieß es, ein Spracdverhunzer, ein Spylbenftümper, ein gefehmadlofer Nahäffer, und nichts weniger als ein Iyrifcher Dichter, Ueber folde
8*
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Schmähungen, fühlte fih Horaz erhaben, und tedftete
fih mit dem Beifall, der ihm je länger je mehr von
allen Stennern und Freunden des Schönen gezollt wurde,
LT 7,
Nicht Leicht ift eine Ode von unverfländigen Aus legern mehr mißverfianden und mißgedeutet worden,
als diefe, Mit Umgehung ihrer nüchternen Anfichten und Urtheilen wollen wir den Inhalt der Ode nad) dem eben nicht fo verftedien Zwed des Horaz zer: gliedern.
Der Dichter möchte gern ein Lied fingen, um das mit die fpröde Lyde zur Gegenliebe zu bewegen, Das ift das Themaz aber wie originell und einzig ift die Ausführung! Keine elegifche Riebesklage, kein romanz tifher Seufzer, überall Leben und Handlung, überall Eühner Schwung Iprifcher Begeifterung, und eine uns übertrefflihe Kunft in der Gompofition, Er ruft den Merkurius an, den Erfinder der Leier, ja die Leier felbft, ihm Zöne zu leih’n, um die harte Cyde zu erweihen, Nun geht er über auf die Wundermadt der eier, die fie niht nur in der Oberwelt fons dern fogar im Orkus bewiefen habe, und fchließt mit der Mythe der Danaiden, die ihrer Graufamfeit we= gen Strafe litten, Nur Eine war mild und mitleis
dig gegen ihren Geliebten. felben wird auf eine höchft rührende und evgreifende Urt befichrieben, und mit ihrem Lobe endet das Gedicht, Für die Eyde Eonnte es nicht fehwer fallen, des Dice ters Abficht zu errathen, und ihren Beifall Eonnte fie ihm wohl fehwerlich verweigern,
8,1. Merkurius oder Hermes, ber Erfins
Die großmüthige That berz
der der eier, war ein Lehrer des Amphion, Diefer
war fo gelehrig, Daß er die Steine, zum Bau der Matter von Thebe, durch feine Lieder in Bewegung feßte, Die Ausleger meinen, Ampbion habe durd die Macht feiner Gefänge die Einwohner Shebens zum Bau der Mauer begeiftert, 13 — 24. Sn diefen Ver: Ten befchreibt Horaz die Wundergefänge des Orpheus, der mit den bezaubernden Zinen der Zeiler Zieger zähmte, (wilde Horden) Wälder nad fid 309,
( Wrldgegenden in Fruchtfelder verwandelte) Bäche im Lauf aufbielt, Cverfumpfte Pläge duch Hemmung der Wafferzuflüffe austrodnete) und, da er binabftieg in die Unterwelt, um feine durch frühen Tod entriffene Gemahlin Eurydice wieder zu bolen, felbft dort die größten Wunder bewirkte, Shm horchte der fehred- lihe Gerberus, und verfiumte, ihm den Eingang in’s Zodtenreich zu verhindern. Gelbit die Verdamme
ten vergeffen ihrer Qual, Srion, der bie Guno
in, —
zu einer Umarmung nöthigen wollte, wurbe vom Zus piter bafür in den Zartarus geftürzt, und bafelbft auf ein Rad geflochten, das ohne Aufhören mit ihm berumlief, Zityos, ein riefenhafter Sohn der Erde, wollte der Latona Gewalt anthun, aber diefes Fre- vels halber von ben Pfeilen des Apollo getöbtet, Sn der Unterwelt liegt er der Länge nad) ausgeftredt, und ein Geier zerhadt die zur Gtrafe ftets nad wachfende Leber, Die Mythe von den Eöcdhtern des Danaus ift folgende: Danaus, ein Sohn des Belus, und Zwillingsbruder des Aegyptus, befam von feinem Vater Libyen zur Herefhaft. Nad) bes Vaters Tode aber zerfiel ev mit feinem Bruder, und mußte aus Xegypten weihen. Wegyptus hatte mit feinen Gemahlinnen fünfzig Söhne, Danaus aber fünfzig Zöhter gezeugt, Danaus entfloh, und geriethb mit feinen Töchtern nad Argos, wofelbit er durch den Helanor auf den Thron gelangte, Bon ihm befamen die dortigen Einwohner den Namen Das näer, Nach einiger Zeit erfehienen die Söhne des Hegyptus gleihfalls in Argos, nicht in der frieb- lichften Abfiht; allein Danaus wußte die Sade fo einzuleiten, daß zwifchen feines Bruders Söhnen und feinen Zöchtern eine Vermählung zu Stande Fam, Diefe Belegenheit benupte Danaus zur Race, und ver-
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abrebete mit feinen Eidtern bie Ermorbung ihrer Ge: mahle, Er gab alfo jeber einen Dold mit in bie Hochzeittammer, und alle gehorchten dem Vater, nur allein die Sypermneftra nidt, die ältefte, welde ihren Freier, den Eynceus, entfliehen ließ. Zwar legte fie der Vater defwegen in Ketten, endlich aber willigte er doc) in ihre Verbindung, und hinterließ ihm die Nachfolge im Reich, Die graufamen Mörderinnen mußten für ihre Unthat im Orfus büßen, und in bodenlofe Fäffer Waffer fchütten, mithin eine undanf- bare, nie endende Arbeit verrichten,
Auguftus ließ in dem Gäulengange, der zum Zempel des Palatinifhhen Apollo führte, die Ges Thichte der Danaiden abmalen. Ovid und Pro- perz baben dieß Gemälde befungen. Bielleiht war Doraz mit der Schilderung diefer Scene aud) darum etwas umftändlicher, um gelegentlich dem Auguft ets was Ungenehmes zu fagen,
III, 29.
Vielleicht die fchönfte und vollendetfte unter allen Dbden des Horaz, und in Plan und Ausarbeitung fo vortrefflid, daß ich wenigftens Fein Iyrifches Gedicht als ter und neuer Zeit kenne, dad, nad) meinem Gefühl, vorzlglidher wäre,
Der Dichter ladet ben Mäcenas ein, bie Sorgen und Gefchäfte der Stadt eine Zeit lang zu verlaffen, und auf das Sabinerlandgut zu ihm zu fommen, Die Beweggründe diefer Einladung find theils von dem LUeberz bruß bergenommen, in welchen man durd ununterbro= chenen Aufenthalt in der Stadt gerathen Fan, theils von der heißen Zahrszeit, in welcher die Nümer ohnes bin das Land zu befuchen pflegten, Weil Mäcenas damals Stadtpräfekt war, und nad) allen Gegen den des unermeßlichen Reichs fein Yuge gerichtet hielt, fo ermahnt ihn der Dichter zugleich, feine Sorgen ein wenig zu mäßigen und fie in weife Grenzen zu befchräne fen, Die Gegenwart foll man genießen, die Gorge für die Zukunft ift eitel und nußlos, Was nicht in beis ner Macht ift, führt hin, wie ein Strom, der alles mit fich fortreißt, Diet Bild mahlt er nun mit einer Kraft und Fülle aus, die bis zur Erfehütterung des Herzens gefteigert ift. Der Strom der Rede ift fo gewaltig, daf fie fich nicht mehr in den Schranken des Metrums hält, fondern in fleigender Kraft dahinbraust, Auf einmal aber tritt wieder eine liebliche Stille ein, Es folgen Lehren ber Weisheit, Nur der ift fein eigner Herr, der nad) feinem Belieben lebt, nicht nad) dem Zwang der Gefchäfte, froh des Augenblids, und zufrieden mit dem Schidkfal, QYom launifchen Glüde muß man nice mehr
erwarten, alö e8 geben ann, Den Befchluß madt ein Selbftbefenntniß des Dichters, in welchem er feine Ge: nügjamteit rühmt, um damit den hohen Geift des Mä- cenas ein wenig bevab zu flimmen,
8, 1, Die Römischen Dieter leiten gewöhnlid das Geflecht des Mäcenas von Tyrrhenifhen (Etrus rifchen ) Königen ab, B, 4 Rarde; eigentlich Baz lanusöhl, Es ift eine Nuß oder Eichel, woraus diefes Dchl gepreßt wird, befonders in Arabien, Das DOehl ift anfich ohne Geruch und Gefchmad, ift aber fehr gefchickt, den Geruch wohlriechender Blumen und Salben anzts nehmen. 6—8, Mäcenas hatte aufdem Erquilis nifchen Hügel berühmte Gärten, und einen hohen präd)= tigen Palaft, von wo aus er nicht nur die ganze Stadt, fondern aud) das benachbarte Tibur, Aefulä und die Stadt Fuskulum überfehen Eonnte, Zusfulum fol vom Zelegon erbaut worden feyn, einem Gohn des Ulyffes und der Eirce, der feinen Vater fuchte und in Fthaka landete, Ulvffes hielt den Sohn, den er nicht Fannte, für einen Räuber, und wollte ihn von der Snfel treiben; diefer kannte den Bater ebenfalls nicht, und erfchlug ihn im Kampf. Sodann flüchtete er nad) Stalien. 17— 24. Eine Befchreibung bes eintres tenden Sommers, Undromedas Bater Gepbeus, ein bekannter Stern unter dem Scwanze bes Kleinen
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Bärenz Procyon, ber Heine Hund: Sterne, die den Römern im Zulius aufgingen, Am 20ften Zul, tritt bie Sonne (Phöbus) in das Zeichen des Löwen 25— 28, Du forgft, welde Stellung gegen die Völker, Krieg oder Frieden, dem Reiche gebürt, oder auch, welde Verfaf: fung und Einridytung ihm am zuträglichften und ehren- vollften iftz; du forgft aber aud der Stadt, ale Präz fett, — Die war eine neue Wihde, die Auguft fliftete und dem Mäcenas verlieh, womit eben fo viel Auffiht und Gewalt, als Gefhäft und Ehre verbuns den war, — Du richteft aber zugleich deine Aufmerk- famteit auf die Bewegungen ber entfernteften Nationen; und bift beforgt um das, was die Serer (bie entfern: teften Völker Aftens) drohen Einnen, oder Bakttra, die an Eyrus ihren erften und berühmteften König bat: te, (das Parthifhe Neich, weldes öfters feindlich gegen Rom ftand) oder Tanacs Zwift, (der Don, der Europa und Afien fcheidet, und von feindfeligen BL fern, namentli den Scythen, umwohnt war.) 83 — 41, Das übrige fährt hin; f. der Sinn ift diefer: Das übrige, was nicht in deiner Gewalt ift, was wohl erft nod) zukünftig ift, ann für dic vuhig, aber aud ftürmifc) feynz der Sluß gleitet gewöhnlich ftill ins Meer, allein er Eann aud) dur Ueberfhwemmung alles ums ber fortreißen und verderben: Du aber Eannft ven Lauf
deffelben nicht leiten, noch hemmen, Alfo überlaß ber Leitung des Himmels, was bu nicht ändern Eannft, B, 48, Ber fagen darf: Sc lebte, Ohne Zweifel hatte Seneka biefe Stelle im Gcdächtniß, wenn er fagt: »Der ift dev Glüclichfte und ift im ficherften Befige feiner Selbft, wer den morgenden Tag ohne Aengftlichkeit erwartet; wer jprechen kann: Sch lebte! fteht täglic) zum Gewinn auf,? 465— 48. Das Gute, was genoffen ift, bleibt durch) bie Erinnerung, und kann nicht mehr entriffen werden, 49 — 52. Bom GlÜüd aber erwarte ich Fein bleibendes Gut, denn eö ift veränderlich. 57— 61, Um den Berluft äußes ver Güter Fann ich mich nicht zu fehr bärmen, follte mir im Sturm aud ein reiches Schiff mit Waaren aus Zyrus und Eypern untergehen, nod; viel weniger werde ich zu niedrigen Bitten oder zu habfüchtigen Ger Lübden mic, hevablaßen, um einem drohenden Berlufte vorzubeugen. Dann, wenn auch alles ftirmt, Auf: vuhriftim Aegäermeer, werde ich mich fürchte los cinem dDoppelrubrigen Boot, einem Heinen Schiffe, anvertrauen, und, gewiß des himmlifhen Schuges, hoffen, das Biel meiner Reife zu erreichen, indem die Cuft für mich fid) günftig wenden und Pollur mir beyfteben Eann, IV, 8, In diefer Ode, die an Melpomene (bie Diufe der
Iyrifchen Dichter) gerichtetift, fpriht Horaz cin lebhaf- te5 Gefühl feines dichtrifchen ea aus,
1—0, Wer bey feiner Geburt das Talent zur Dichte Zunft empfing, ber wird nicht um den Giegeskran; mit den Wettkämpfen auf dem Sfthmus (dev Landenge bey Korinth) buhlen, der wird nicht bey den Olympi= jben Spielen den Preis im Wagenrennen -gewine nen, der wird nicht als fiegender Feldhere mit Lorbeer geihmüdt im Triumph zum Kapitol ziehen, Allen diefen Ehren entfagt er gern. 10— 12, Dagegen begeiftert ihn die fhöne Natur zu Gefängen, die ihn berühmt mas chen, 18— 16, Diefes Nuhmes genießeid) endlich, da mid) Rom unter feine Licblingsdichter zählt, und der hämi: The Neid fi weniger, als fonft, an mid) wagt, 17 — 24. Der Schluß ift eine rühmende und danldare Anrede an die Mufe, nämlich die Melpomene, (Pieris) Die Mufen heißen Pieriden, woher fie diefen Namen ba- ben, ift nicht ausgemacht, denn es gibt der Deutungen mancherley, Es ift hier nicht der Ort fie er
Dem berühmten Scaliger gefiel diefe Ode fo febu daß er verficherte, ev wollte lieber der Berfaifer derfels ben, als ein König feyn,
Epod. 9,
Ein fchönes Gemälde der Vorzüge und Annehm-
lichteiten bed Landlebens, übrigens mehr idnllich ala ) B ) yuıd)
Isrifh, und durch den Wucherer Alphius, ber am Ende noch aufteitt, und dem gegen alle Erwartung die Rebe in ben Mund gelegt wich, zugleich ein moras üfhes Bild menfchlider Unbeftändigkeit, die heute aus Unzufriedenheit ihre Lage verändert, und aus alter Gewohnheit morgen fie wieder herflellt, Zur näheren Berftändnif werden wenige Bemerkungen hinreid)en, 8.9. Er vermählt die Sprößlinge der Rebe mit hoben Pappelbäumen Sn Stalien wurden, wie e8 heuf zu Zage nod) Sitte ift, die Weine ftöce an fchlanten Bäumen emporgezogen, um unter dem Laube vor der großen Gonnenhige Schug zu finden, DB, 21 und 22%, Priapus, ber Schusgott der Gär- ten, Gilvanus, der Schußgoft der Felder, Die DBerje 37 und 38 feheinen den Zufammenhang mehr zu ftören, als zu beleben, Nur von dom Standpunkt des Alphius aus, der redend eingeführt ift, mögen fie als Kontraft zu dem folgenden betrachtet werden, und der Ginn wäre biefer: die Liebesabentheuer, welche für die Städter oft fo fhlimm ablaufen, Tennt man auf dem Lande nicht; hier verfüßt chliche Zreue das Leben, 41 und 42, Die Weiber der Sabiner und Uppulier wegen ihrer Häuslidykeit und Treue, 43. Trodnes Holz aufbeil’gem Heerde,. Der Heerd war heis fig, weil auf ihm gewöhnlid) die Hausgötter (Laren)
ftanden, Zrodnes Holz mußte verbrannt werden, um den Rauch zu meiden, eine um fo nöthigere Borfiht, da die Römer Feine Raudfänge hatten, wie wir. Aud) war der Heerd nicht felten der Verfammlungsplag der Familie, B, 48 f. fr Lulrinerauftern, aus dem Lukrinerfee in Campanien, Meerbutten, ein platter, wohljchmedender Seefijh, der an der Küfte Staliens, infonderheit bei Ravenna, gefangen wurde, Brajjen, einzuerftim Kafpifhen Meere entdecter und dann zur Fortpflanzung ins Mittels meer gebradhter und dort fjorgfältig gehegter leders bafter Fifh, Eoifhe Wellen, Meerftrömungen vom Morgen ber, Afrervogel, Fafanen aus Numidien in Afcifa, Das Hafelhuhn,. vornehmlich das So: nifche, ward zu den feltenften Vögeln gerechnet, 8.59. Zerminus, der Gott der Grenze und der Befchüser derfelben,. SIShm zu Ehren wurden am 21. Februar Tefte gehalten, Die Feier war diefer daf die Nachbarn auf der Gränze der Felder zufammenfamen, der Bilde fäuleı des Terminus, die zugleich der Grenzftein war, einen Kranz aufjesten, und dem Gotte einen Kuchen darbrachten, Auch wurde ein Lamm oder Schwein gejählachtet, Loblieder wurden angeftimmt, und die Feier endete mit einem fröhlichen Gaftmabl, 3,67, We Phius der Wucherer will ein Landmann werden, gez
lodt von ben Meizen bed Landlebens, alfo treibt ex alles Geld in der Mitte des Aprils ein, um fi ein Landgut zu erkaufen, allein am erften Mai reut ihn fein Borhaben bereits, und die eingetriebenen Gelder werden wieder auf Wucher ausgelehnt,
Epod, 18,
Eine Aufmunterung zum Vergnügen, und vielleicht zu derjenigen Beit verfertigt, als der Dichter unter dem Brutus für die Republik diente, NRamler meint, Horaz habe bey der erften Ausarbeitung diefer Dde von den Zeitumftänden deutlicher gefprochen, aber nachher fir nöthig erachtet, die Spuren davon zu vers wifchen, Die Stelle: ymit erfreulidem Wedfel bringt uns ein Gott vielleiht das alte SLüc? feine auf den Verluft zu deuten, dem feine Partie erlitten habe, Daß er den Rath gibt, es wie Achilles zu machen, der im Lager fih mit eis ‚nem Liede den Gram vertrieb, zeige deutlich genug, daß er bier mit feinen Krigsgefährten rede, — Die Deutung ift finnreih, und gewinnt dadurd an Wahız fcheinlidkeit, daß Schem, der mit dem Numerus des Horaz vertrauf ift, der zerriffene Zufammenhang fühle bar wird, Die Haltung der Gedanten und des Zons hat nicht das Ebenmaaß der andern Oden, dbeffenobne
125 .—
erachtet hat fie einzelne Schönheiten, bie den Meifter ankindigen.
3,8, Horaz warim Konfulsjahre des Zor- quatus geboren. B, 18, GEyllenifd heißt die keier, weil fie eine Erfindung des Merkurs, der vom Bers ge Eylliene in Arkapien, wo er geboren wurde, der Eyllenier heißt. B, 16. ff. Der weife Een- taur Ehiron war der Erzieher mandyer Helden, und auch des Achilles, feines gewaltigen Zöglings, der ein Sohn war des Peleus und der Meergöttin Shetis, Die Flur des Affaralus, Troja, wo jener vormals König war, Stamandrus und ©i- mois, zroey Heine Slüße bey Eroja, durd Homers Slias berühmt, Weil dem Ahilles, der den Ruhm mebr liebte, alö ein langes Leben, die Heimkehr vers fagt war, jo folle er fih mit Wein und Gefang die Bit: terfeit eines frühen Zodes vertreiben,
Konradim
Brudftüd
von
uns DÜOCOCCOOCOCDEECIOEOO 00 Bm
Brudbfu ck
(Seefühe von Neavel. Konradin, Friedrich von Baden, ver Truchfeh von Waldbura, mit Frie- gerirchem Gefolge, fheinen aus dem Echife. Galvano Kancia, Marfchall von Sicilien, mit feinem Eohne; Tarfe, farencenircher Hauptling; FSranaisane, vonijcher Edelmann, mit feiner Tochter Julia; Suna- frauen mit Blumenfränzen und Mufif, apıliicher Adel, Sarracenen, Bolf, zu feitlichem Empfange verfammelt, )
Konrabdin,
Apuricer Poden, freudig fen gegrüßt!
DO Erde, die du dem Gelandeten
od) unterm Fuße want, ich faffe dich
Inbrünftig, wie der Bräutigam die Braut!
Land meiner Väter, du gefegnet Land,
Wie breiteft du dich blühend vor mir aus,
Dom reinften Himmel feftlich Überwölbt
Und in dem Meere deine Schönheit fpiegelnd! je] Ei
7 m 182 DAR
- Galvano,.
Er if’, er ift’3t Sa der ift Konvadin! Sieh hin, mein Sohn Galotto! fieh ! er iff’s, Der fhwäb’ihe Jüngling, der erwartete, Sn deg Verheißung ich dich auferzog, Seht Alle bin! o wer erkennt’ ihn nicht! Die helle Stirn, des Auges geiftig Feuer, Die goldnen Loden, um die Schulter wallend: Sal das ift Hohenftaufiiches Geflecht. Der einz’ge Sprößling ift’s des Herrfcherftammes, Des geiftesmächt'gen, dem kein andrer gleicht, Sn bem die Erefflichkeit nie ausgeblüht Und große Väter große Söhne zeugen. Stellt mir ihn ber, den Dränger diejes Landes, Den finftern Anjou, ftellt ihn neben Diefen, Und fagt mir: wo ift Eöniglid Geblüt?
(gegen Ronradin Vortretend:) Erlauchter Süngling, taufendmal willfommen ! Die Boten , die wir jüngft nad) dir gefandt, Sie brachten erft nur ein Gewand von bir, Daß unfre Sehnfucht fi erfättige, Bis du uns felbft erfchieneft. Dies Gewand, Wir trugen eg umber, wir faßten’s an, Wir Füßten es, gleich einem SHeiligthum. Und nun, Heil diefem Tag! erjchienft du felbft.
Laß jest mich beine Sand ergreifen, Kiffen,
Mit heifen Freudethränen fie beneßen ! Konrabin
er bift du? nenne dich ehrwiürd’ger Greis,
Den das Entzüden zu verjüngen fcheint ! Galvano,
Ein treuer Diener war id) deinen Vätern,
Galvano Lancia, Marfhall von Sicilien,
DO welche Angedenken dringen jest,
Bei deinem Anblie, mächtig auf mid) ein!
Sn Wehmuth und in Wonne fchmelz’ ich bin. Konrabim
GSalvano Lancia? der gepries’ne Held,
Der meinem Haus ein halb Sahrhundert lang,
Sn Shi und Noth, mit Rath und That, gedient,
Der Friedrichs, Konrads, Manfreds Schlachten focht Galvano,
Und in den deinen gern verbluten wird, Konrabin,
Mas Eonnte mir Erwünfchteres begegnen,
Als daß am Eingang meiner neuen Bahn
Der vielerfahne Greis dem Qünglinge
Die fihre Rechte bietet! Teite mid !
Du Eennft die Gänge, die wir Staufen gehn.
Galvano, &s jind des Löwen Gänge. — Zheurer Fürft!
Was ich, der Greis, bir leiften Fan, es ift Das Mindefte, Die hier verfammelt ftehn, Die Blüthe von Apuliens Adel, fie
Erwarten deinen Wink, mit ihren Schwertern Did) einzufegen in dein Königsrecht.
Be nah 2 Laß, Herrlicher, auch mic, dein Sinie umfaffen, Laß mich den Staub von deiner Sohle Kiffen! Du Sohn des Lichtes! Allah fegne did! Dem Meer entftiegft bu, wie der goldne Zag, Bor dem das Grau’n der Mitternächte fleucht,
Konrabin. Steh’ auf, dann laß mich wiffen, wer du feyit?
Zarfe, D bein geringfter Knecht, deß Name nicht Bor bir genannt zit werben würdig ift. Den Sarracenen, die Luceras Burg Bewohnen, bin zum Käuptling id gefegt, Dein großer Ahn, o Serr, der zweite Friedrich, Def Ruhm mit Sternenfhrift gefchrieben ftebt, Hat uns den fidyern Wohnfig dort gewährt, Shm war des Morgenlandes Weisheit lich,
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Er fprad) die Sprache der Alarben, er Berfchmähte nicht, in unfree Zradht zu gehn, Er ließ uns Zempel unfrem Gotte bau’'n; Er leuchtet? Allen, wie der Sonne Licht,
Wie Allah felber, der allwaltende,
Konrabdin. Sch kenn’ euh. Manfred floh in euren Schuß, Als von den Ghriften er verlaffen war;
She aber frugt ihn jubelnd auf den Händen.
zarfe Gebeut, o Herr, durch welchen Kampf und Sturm Wir dic auf unfern Schultern follen tragen!
Dort meine Bogenfchügen brennen längft,
Den Pfeil in deiner Feinde Herz zu fohnellen,
Srangizane Die Stätte, Fürft, die du gewürdiget Der Anfahrt am apulifchen Geftad, Sch trage von Neapel fie zu Rehnz Und preifen muß id das Gefchid, das mir Die Ehre fold erhab’nen Gaftes gönnt, Mein Nam’ ift Sohann Frangizane, nit Darf ich mir fchmeicheln, dir befannt zu feym. Dod mein Gefchleht ward dir vielleicht genannt. Es ift zu Rom verbürgert und hat oft
Aus feften Thürmen, die wir dort erbaut,
Der Gibellinen Sadhe ducchgefochten,
Scy’s gegen bie Gewalt des Laterans,
Sey’s gegen guelf’fhen Adels Übermuth, Konradin
Sollt’ id, der Frangizani nicht gedenken ?
No, wahrlich, fteh’ ich nicht fo body und feft,
Um Freunde zu verläugnen,
Brangizane, Mög’ es denn Erlaudter, dir gefallen, von den Mühen Der Seefahrt auszuruh'n in meinem Haufe,
Das dort fi im Orangenhaine birgt!
Did, zu begrüßen und dich einzuladen ,
Sf meine Tochter Julia hergeeilt
Mit andern Zungfrau’n diefer Küftenlande, Zritt näher, Zulia, führe felbft das Wort!
Sulia, Wir grüßen did als König, hoher Hewr, Und bald, wir hoffen’s, wirft bu in dem Dome Bor allem Volle Königsweih’ empfah'n, Dody bis die Krone nun, die goldene, Dein Haupf umfangen wird, fo laß gefchehn, Da$ eines Mädchens zage Hand mit Blumen
— 17 —
Als König diefes Landes dich befröne ! Wohl mag ein Blumenkranz das Land bedeuten, Das blumenreiche, wo du herrfchen wirft,
(fie befränst ihn) Und fo, gekrönter König, zeudy mit uns Zu meines Vaters Haufe, wo Gefang Und Saitenfpiel und Zanz gerüftet find, Die Feier deiner Krönung zu begehn!
Konradin.
Der Kranz, womit mid) zarte Hand gekrönt, Umraufcht die Schläfe mir nur wie ein Traum, Mie eine Ahnung Tünft’ger Herrlichkeit, Die exit erworben feyn muß und erkämpft, Mod) ift zu Feften mir nicht Zeit gegönnt, Noch darf ich nit im Haus der Freude weilen, od muß ich raftlos fteuern auf mein Ziel, Mann erfi.der Sieg mir feinen Kranz gewunden, Dann Eehr’ ich wieder, dann erfreue mid) Sn eurer Mitte Reigen und Gejang ! &s liebten meine Väter flets und übten Das Lied, womit man edle Frauen ehrt, und Kaifer Heineid fang: »was hülfe mir Die Krone, fol?’ ich meine Süffe miffen 2?
Sch felbft, im rauhen Frühling meiner Sahre, Hab’ in der Minne Weifen mic) verfucht,
Und wenn ich einft vom Feld des Gieges kehre, Dann reiht -die Saiten mic! mein erffes Lied Soll, jehöne Zulia, deine Anmuth preifen.
(3 ulia umd die Lebrigen ziehen fih zuriick, Konvradin und Friedrich von Baden bleiben allein im Bor- dergrunde.)
Konradin, DO Friedrich, du Genoffe meiner Jugend ! Sn deine treue Bruft ergoß ich fonft Die bittern Klagen über mein Gefdid; Laß jest mein freudig überfchwellend Herz Sich dir entfchütten, hilf mein Glüc mie tragen!
Wie anders, Friedrich, als in jener Zeit, Da ic) zu Landshut, an des Oheims Hofe, Umberfhlidy , einfam, erblos, vaterlos !
Die Mutter fahb mid nur mit Threänen anz Die meiner Bäter Gnade groß gemadt, Verachtend fchritten fie an mir vorbei,
Die Sänger, die von Hof zu Hofe wandern, Sie fangen von der Hohenftaufen Fall,
As wär es eine Mähr’ aus alten Tagen Und wär’ ich felbit nicht von den Lebenden, Wie anders nun! wie offen liegt die Welt Bor mir, wie blüthenreich, wie lebensvoll! Hier lacht mie Zugendluft und Thatenruhm
und jede Hoffnung, jedes fehönfte Biel;
Und diefes Haupt, das trauernd niederhing,
Es hebt fih in der Blumen frifhem Schmude, Sriedrid,
Kuf deinen Hoffnungen, o Konradin,
Beruh’n die meinigen, ein gleiches Loos
BVerbindet uns; des Erbes Räuber heißt
Dir Karl, mir Ottofarz bier in Apulien
Erobr’ ich Öftreichz Teih? ich dir den Arm,
Du leihft mir einft den deinen, mächtigern,
Dody wenn der Aufgang deines Glüdes, wenn
Des Landes Schönheit minder mid) ergreift,
Wenn du mid oft in Gram verfunfen fiehft:
Du weißt ja, in der deutfchen Heimath blieb
Die junge Gattin mir, faum anvermählt,
Wo diefe weilt, ift mir das fchönfte Land,
Konradin,
Bon Allem, was die Zukunft Serrliches Mir bringen mag, ift doch das Höchte diep: Wenn id) die Freunde, die in meiner Noth Mic, aufgerichtet, die in meinen Kämpfen
Zu mir gehalten, wenn ich mit der Fülle Des Dankes einft fie Überfhütten Kann,
— 110
Zruchfeß, (Der fich während des Borigen genähert:) Du theileft Gnaben aus, du glüheft fchon Bon Siegen, während ich, div Abfchied fagend, Die Angft des Herzens nicht verbergen Fann. Der Auftrag deines Ohms und deiner Mutter, Der bang beforgten, weist mid nad) Biterbo,
Wo ich verfuchen foll, den Zorn zu fühnen
Des heiligen Vaters, der den Bann dir fchleudert, Dod) da ich jeßt, dem Schiff entftiegen, dic) Dem Schuß der Fremden berlaffen fol,
&o zagt mein Geift und fcheiden kann ich nicht Bevor ich dir, dem Freudetrunfenen,
Ein Wort der Warnung an das Serz gelegt. Konradin.
Sprich, lieber Sruchfeß! ftetd noch hat dein Wort
Bei Konradin ein offnes Ohr gefunden, Trubjef.
Sohn meiner Fürften! diefes wälfhe Land,
Das dich mit feinem falfhen Schimmer blendet,
Tas ift es, als ein überfündhtes Grab ?
Leg’ dich in diefe Blumen, und e& wird
Die giff’ge Viper die die Ferfe ftechen.
Entfhlummee fanft, in lauer Naht, beim Klange
ee
Verbublter Lauten, und der Wand entlreucht Der Scorpion, die füdifhe Zarantel,
Der Sonne Glutftral brütet Seuchen aus
Und fchlägt den Leib mit Ausfas und Gefhwür, Der Boden felbft, auf dem du fußen willit,
If trügerifch, da drunten gährt die Hölle,
Der Abgrund reißt ficd) auf und fpeiet Flammen, Die Erde bebt und über deinem Haupte
Bricht das Gewölb zufammen, fürzt der Thurm, An jeder Ede lauert Meudyelmord;
Der Weiber brennend Auge zehrt das Mark
Der Helden aufs der Freundesbeder ift Bergiftet und die Hoftie felbit ift Gift,
Konradim. Du maleit finfter-
Trudhfeh. Unglüdfel’ger Durft Kadı Macht und Schäßen und nad) eitlem Ruhm!
Berwünfchte Gier, die uns nad) Fremdem fpornt, Sndeß Shmacvoll das Heimifche verdirbt!
Wie oft, wie oft jehon zog das deutfche Heer, Erles’ne Männer, fhmude Zünglinge,
Des PVaterlandes Stolz, der Ihren Wonne,
Die Alpen nieder, um auf Wälfchlands Ebnen
— 112 —
Dahinzufchwinden, wie das Sommergras!
Wo find fie, deine Väter, meine Fürften ?
Das deutfche Heimathland verfchmähten fie,
um Gift zu faugen in Apuliens Gärten.
Gift fchlürfte Heinrich aus dem Haren Quell;
Nenn Friedrich es nicht aus dem Becher trank,
© trank ev’s aus des liebften Freunds Verratb;
Dein Vater fhlürfte Gift für Arzenei,
Was heilen follte, würgt ihn fo dahin,
Daß er die Stunde der Geburt verfluchte,
Wenn dich, auch dich — nein! nein! idy darf ihn nicht
Ausdenken, diefen gräßlichen Gedanken, Konradin,
Wozu mir biefe Bilder des Entfeßens ? zrudjeß,
As Heimidy mit Gonftanzien fih zu Mailand
Bermählt, und in dem Kreis ifal’fcher Großen
3u Zifche faß, da traten in den Saal
Gefandte, die vom fhwäb’fchen Lande famen,
Sie fhenkten ihm zur Hodyzeit eine Wiege
Bon Silber, fhön durdbrochen und, verziert,
Ein künftlid) Werk der Schmiede zu Gemiünd.
Die Wiege fol!’ ihn mahnen, daß ihm felbft
Und jeinem Haufe Deutfchland Wiege jey,
ee Me
&o möcht auch ich dich mahnen, Konrabin,
Daß du, von diefes fremden Landes Zauber Umftriet, nicht deine Wiege gar vergeffeft,
D den! an jenen Berg, der hoch und fchlanf Sid auffchwingt, aller Thwäb’fhen Berge jchönfter, Und auf dem Eöniglichen Gipfel Eühn
Der Hohenftaufen alte Stammburg trägt!
Und weit umher in milder Sonne Glanz,
Ein greünend, fruchtbar Land, gewund’ne Thäler, Bon Strömen Thimmernd, herdenveiche Triften, Zagdluftig Waldgebirg, und aus der Tiefe
Des nahen Klofters abendlich Geläut,
Dann fernbin, in den Burgen, in den Städten,
Gefegnetes Gefchleht, treufefte Männer, Die Frauen aber fittig und verfchämt, Sa! wie uns Walther fang, den Engeln gleich.
Friedrid,
Den Engeln gleih! 0 was erregft du mir
Die Sehnfucht, die ich Faum befhwichtiget? zruhfeß.
Hätt? ich fie diefem fo erweden Eönnen !
D Konradin! warum verließeft du
Die Hoffnungen, die dir in Deutfchland fprofßten ?
Die Gegenlönige, die um das Reich
144 —
Sich zanten, find den Deutfchen beide fremd;
Der Eine ward in England eingethürmt,
Zenfeits der Pirenäen weilt der Andre,
Schon dreimal ward von dir im Fürftenrathe
Gehandelt, Hobenftaufen lebt uns nad,
Nur deine Zugend fchien noch nicht erftarkt,
Sn ftürm’fcher Zeit das Steuer zu ergreifen.
Du aber harreft niht und mahft dich auf,
Den Lodungen de3 fernen Landes folgend,
Gefahrvoll ift die Bahn die du befchritten,
Und fhwer, o fhwer ift diefer Abjchied mir, Konrabin,
Du haft, o Freund, die Stammburg mir genannt,
Den Hort, aus dem die Adler fi geichwungen:
Sie ift nit mehr mein eigen; was auf mid,
Das Wenige, von unfrem Stammgut Fam,
Beräußert ward es und zu Pfand gefest,
um die apulfche Heerfabrt zu beftreiten.
Dody wenn mir Andres nichts zum Erbe blieb,
Das Eine blieb: der angeftammte Geift,
Der firebende, der nichts verloren gibt,
Mir blieben die Entwürfe meiner Väter,
Der Hohenftaufen Tagwerk ift nicht Hein,
Sch muß es früh beginnen, wie die Vordern
Es früh begannen, Nicht das einz’le Land
u 145 =
Sf unfer Biel. Von jedem Fled der Erde Kann unfer Streben ausgehn. Hat zuerft Apulien mich gerufen, in Apulien
Beginn’ ich meine Bahn, doch wo fie ende, Das liegt verhüllet in der Zukunft Schoo$. Du meift, was und bas Lied gefungen: König Und Adler, niedrig fhwebend, taugen fchlecht ! Drum lebe wohl! vollführe dein Gefchäft !
She aber laßt die Banner vorwärts fliegen!
Gedid tn
Von mehreren Verfaffern.
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Dein lepter Eprößling, mädtiger Etaufen, ı04
Bon Giegeshofnung einft aus ber Heldenburg, 250 herrfchend feine Väter hausten, Sreudig und flolz in fein fernes Erbland,
Schon winfen ihm die Binnen der Königäftadtz Schon winft der Thronfaal. Ei, o Neapolis! Dein König Fommt, mit Sieb? und Treue Eip ihm entadaen ; dem. Heldenenfel.
Du faumf? Er Fommt, ein Kingling voll hoben Einng Und Fühner Thatfraft! Siehe, dir wird durch ihn Ein Alter, reih an Glanz und Größe, Eine beglücktere Zeit beginnen,
Mod faumft du? Ha, Treubrücige, haft du aanz Dein falfches Herz dem Gallier zugewandt ? D Zrevel, und mit Mörderhänden Greifft du den Erben de Thrond, und legeit
— i50 —
Berruchte Ketten deinem Gebieter an, Und ichlepver ihn im fchreckliche Kerkernacht And durch das biut’ge Beil des Hınferd
Säflt das aeheiliste Haupt: — Go enbet
Der Stamm der Helden, fo wird der Königdmorb Da faht Entfeken die Fürften all’
Bplibracht! — Auf ihren Thronen, und die Völker Geh’n dad Verbrechen mit Grau’n und Mitleid,
Dod ac, Fein Rächer wafner ben Arm für ihny Kein Dpfer fühnt den Staub des Gemordeten ; Sn Ruhe thront der Kronenräuber , Glanz und Gewalt ift der Lohn der Unthat,
Indeh der Geift bes Graufamgetödeten, Dieweil er noch die Bahn des Gefchiefes nicht Boltendet hat, ımreif zum Orkus Schiwebt, und den fingiichen Strand umirret,
Beltalter find im zögernden Zeitenlauf Dahingefloh’n; Kahrhunderte find indek Sefommen und geadıtnen; langer ange verube it der blut’ae Srevel,
Bedeckt vom grauen Slor der Vergangenheit ; Kein leifes Ahnen, daß noch ein Rächertag Erfcheine, hob der Menichen Herzen. — Aber die Nemefis wadte — Nimmer
Bergeffen Götter alter Berfchuldungen, Und früher, fpäter trifft ihe gerechter Zorn Ein Haupt, das fallen muß zur Gühne Boriger Srevel. Das war verborgen
Den Troßer, dem die Waffen Napofeond Die Keom’ erfämpften. Dem da der mädtige Gerallen war, da fchufen jenen Spornende Gurien blinden Wahnfinn,
Daß, da ihm Land und Zepter derbürget war, Er jelbft die Völker reiste durch Miffethat,
Und nicht von Trug und Schanden abliep, Bis er ed büfte mit feinem Blute,
Da fant fein Haupt, ein Opfer veriährter Schuß; Ein zweiter Theondieb, wieder ein Gaflier, Mar von Gefhied beftimmt, der Vorzeit
Gräuel zu filhnen mit fpäten Tode.
u erft erlöst vom fer ber fIrengen Gtyr Nach langer Zeit, unglüclicher Konradin, War dir’ö vergönnt, zu deinen Vätern Hin nach Elyfiumd Au’'n zu fchweben.
Neuffer:
An eine NRofe
vis träat im Mutterichooße Süße Köniein der Sur,
Dich und mich die ftille, arofe, Atibelebende Natur!
Röschen, unjer Schmuck veraltet, Stürm’ entblätteen dich und mid), Doc der ew’ge Keim entfaltet Stets zu neuer Blüthe fi.
Hölderlin.
155 —
Huldbigung der Feen
Am neunzehnten Yuguft: 1822.
(Beranlaft durch ein Ballfern mit Gartenerfeuchtung, welches der rufiihe Gefandte, General von Benfendorf, zu Ehren de3 Großrürften Michael von Rußland und feiner Berlobten, der Prinzeffin Charlotte von MBürtemberg, aufber Silberburg by Stutt=- gart anorönete.)
. Wiusommen ı Billfommen ! Zur feligen Etunde, Du holde, beglückte
Beglückende Braut! Die firalenden Zeichen Sm Buche der Sterne Berfünden Dir Wonner
Berfünden Dir Heil! Wir weben Div Tänzer Mir weih’n Dir Gefänger Bir opfern Dir Blumen,
Wir huldigen Bir! Das Gute zum Schönen Dir ewig und ewig! Du Schöne, Du Gutel
Bir huldigen Dir !
Und hm dem Erfornen,
Dem herrlichen Sünaling
Bom Strande der Meier Shm Subel und Preis!
Eein Lenz, wie entzüefend!
Erin Sommer, wie jelig !
Sein Herb, wie beftändin,
Eein Winter, wie mild!
D» Einklang ber Herzen
Dich fegnen wir freudig !
Du fchönfter, dem Himmel Entauoliner AEfford!
ind nun auf den Slügeln Aurprens zur Newa! Hir bringen der weifen, Erhabnen Maria
Die Kunde des Heils !
Matthiffon,
15 — Drey Sonnette
an Grafen Keinhbardt,
(damaligen franzönirchen Gefandten in Bern.)
den 28ften October 1800,
I.
Was hör’ ich fiir melodifche Geränge!
Die trübe Zeit feh? ich vor mir fich hellen ; Der SZugend Brunnen hör’ ich Tieblich quellen, Entrifen meiner Nähe diumpfer Enge,
Eind’3 befirer Tage fichöne Wicderklänge ? Das Herz will fat vor Wonnen mir und Mehen Sn fremden Hall und Duft. und Licht vergehen;
Berlornes Paradies | dich darf ich fehen-
Da führte mich die Mure dir entacaen;
Da lernt’ ich ed, das Glück der Freimödfchaft Fennen, Sr Liebe fah die Mur’ uns fanrt entbrennen-
G3 fproften Rofen hold auf unfern Wegen;
&3 Teuchtete vor uns der Hofuung Gegen-
Ach muntet du fobald, Gerchiel , und trennen!
ih hat das Schieffal unftät umgetrieben;
Su fremden Volk dich bald in Fremden Lande Hinausgeführt, und deines Schiffe Bande
Eind in der Stuth de3 Boilfes fett geblieben.
ie manches Schiff jahft du nicht aufgerichen ! Beym Wogengrimm in wildenporter Brandung Hard deinem doch die fichre ichöne Landung ; Treu ift dad Glück die, wie dein Herz, geblieben,
Auch wollten dich die Miufen nicht verlaffen , Und mit den Murfen nicht die holde Liebe,
Eie lüfteten die Wimpel dir der Ehre,
Die Liebe Fam, die Hand die treu zu fallen; Was wäre Leben, wo nicht Liebe bliebe, Und Ehre, wenn die Miuf’ um fie nicht wäre?
Kn vielbervetenen, im schmalen Gfeire,
Ep führten mich mit firenger milder Rechte, Den weithinftrebenden, die Lebensmächte,
Sie ehrend, zürn’ ich nicht dem engen Kreife,
Der Wünfche Saat, wie fah ich fie serftieben!
Wie Weniged gewährten mir die Stunden:
Doh fol? ich ob der Zäufchung mic betrüben ? Raafes Kunft ward doch von mir gefunden,
WBünfche hat die firenae Zeit gezügelt, Und wenn im Hintergrumd der fchönern Stunden Mit ihnen aud dein reines Bild fich fpienett;
Mein Hera mir faat: er hat mich werth aefunden,
Mein Freund zu feyn in jenen Hofmumastagen ; Er ift ed noch — maat e8 fih dann zu fagen,
(Beilage zu den Morinen.)
[® : : Am engen Kreis bannt mich der Arm des Iwanges, Mein Herz muß oft an Lieb’ und Sreundfchart darben;
0 manche Keim’ und manche Blüthen ftarben. gas bleibt mie noch? — die Liche des Gefanges-
Eie foll hinab mich leiten zu den Schatten,
Ste will fchon hiev mein welfend Geyn ermeuen ill Vlumenduft um meine Dede fireuen,
Und reichlicher nie jeden Raub erftatten-
Sie jotl Hinab mich leiten zu den Schatten; Dem Lechzenden zur vollften Gnüge bietet Aus noldner Echale fie den Tautern Frieden:
Xp ihrem Dienfte will ich nicht ermatten , a3 auch um mich die STuth der Zeiten mwiitbetz Weihe ihre Liebe meiner nur befchieden.
Eon
159
YU:ntwort.‘®)
Die alten Zage haft du mir nefungen , Das Band der Herzen umd den Bund der Lieder: Aus andern Zeiten, Völkern, Gitten, Jungen ,
Führt mich dein Lied ind Land der Heintath wicher.
en nie gegrüßt! Geyd mirs, Erinnerungen! er Juaendträume farbiges Gefteder
inet fächelnd auf mein ernftes Schiefral nieder , em ich aerolat freiwillig und geriwungent.
Du bliebeft treu dem deutichen Eichenhaine, Die Mufe, die einft unfve Augend weihte, Geht dir, wie einft, begeiternd noch zur Kite.
Vergeben: ruf’ ich fie, nicht mehr die nieine. Berfühne fie mir, daß fie mir evfcheine , Und mir das Mäthfel des Aahrhundertd deute-
Bern. Reinhardt,
*) Diefes Gedicht ift zwar fehon in das Taschenbuch für Da- men auf das Sahr 1809 (S. 275 — 274.) von mir eingeriickt worden ; da aber die voranftehenden Gonnet- te, die 08 veranlaßten, Von denen ich damals Feine Abjchrift mehr bei der Hand hatte, nicht mitaedruckt werden Fonnten, und überhaupt bier zum erftenmale er= icheinen, jo glaubte ich den Wirderabdrwf der geift- und aemüthvpollen Antworrszeilen meines verehrten Freun-
des bier ganz Fehicklich- Gonz
— 10 —
Fragment aus Lucians Charon.
ECharon.
Ss an, wer find die Menichen dort Sm Handgemeng’ und Wechfelmord ?
Merkur, Achiver fellen in die Echlacht Eich gegen Eyartad Ariegesmacht-
Eharon- Korüber hadern fie fo fehr?
Merkur. Sie fireiten um dad Feld umher, Borauf fie fih die Hälfe brechen.
Eharon. D Narren! Hätt! auch Einer mehr, Ad Hellas Land und Infelneer, Dod wird fein Urtheil Minos foreden, Und, tritt er in den Hades ein, hm Feine Spanne Lands verleih’n,
Reuffer,
Zobesfeier
der im Kampfe fürs Vaterland
gefallenen freiwilligen Krieger,
Hit den Helden! Heil euch allen, Die im Todesfampf gefallen , Heil und ewig hoher Ruhm! Wo die tapfern Sparter wallen, Bei Thermopylä aerallen ,
Walt ihr in Elyfiunt,
Sauchzend flog auf Gonnenweaen Euerm Brupderfuß entgegen Sinaft verflärter Helden Geift, Fauchzend in der Strahlenfrone Des Berdienites, die Katoner Fauchzend Hermann, Tell und Kfeift!
Unter iubelvollen Bralnıen , Reichten fie die Eiegespalmen , Die Herven jenfeit3 blüh'n, And von Pindars goldner eier Kaufchten ech sur Todtenfeier
Hymnen durch die Himmel hin
162 —
Söttlich, fang er, if’, Tin Leben Zür da3 Vaterland zu geben. Selig, felig if der Held, Dev erkämpft mit Fühnem Muthe, Der erfauft mit feinem Blute, Segen für die Enfelwelt!
Denn, das Schwerdt in farfer Rechte, Stürster ihr zum Mordgefechte,
Jungen Löwen nleich, heran!
Trog den Donner der Gefchlüge
Stürmtet ihr sum Selfenfite Zaprrer Feinde fecf binan.
Blutend von des Eifens Spiie, — Mit des Bufens offner Rike, — Kämpftet ihr noch Mann für Man, Banze Reihen fanfen nieder , 1leber Leichen eurer Brüder Bracht ihre euch die Giegeshahn,
Darum Heil und Danf euch allen; Die im ZTodesfampf aefallen, Heil und Dank und Gotteslohn! Slorreih habt ihr euch aebettet, And das Vaterland gerettet, Und serfnirfcht det Seindes Drof'n.
163
Da, wo euer Blut aeflofen, Wird der Frühling schöner fprofen , Werden mild’ve Liirte weh’.
Ef durchfcehauert vom Entziiefen, Hohe Gluth in trunfnen Bliürken + Wird dert oft ein Wandrer fich’n,
und, als wie von Himmelshöhen ,
vd ihr Krartgeruhf unmwehen Sühft er einen Held fich fchon- Dort wird er den Schwur erneuens Eich dem DBaterland zu weiben, GSöttlich, wie Timoleon.
Unter fanften Wonnezähren
erden aute Mütter lehren
Zarten Söhnen euern Tod.
Eures Heldenfinnes Erben erden mit der oofuıng flerben : Auf zum Siea! Mit ums ift Gott!
er
&. Fr. Stäudlim.
u gel Pe
Säfulargefang
beym Anfang des neunzehnten Sahrhunderts.
War, fehrecklichites von allen, die noch waren, Wirf, bfutbefleckteftes von allen Sahren, Wirf, o Sahrhundert, nur noch Einen Blick, Eh du entfleuhft, in unfee Welt zurück.
Hör? Einmal noch der Menfchheit banges GStöhnen ! Blick nieder auf die Millionen Thränen , Die Deutfchlands Sur, von Leichnamen nebiingt, Und Ihein und Donau biufgeröthet trinkt,
Hör’, an der Hütt’ md des Palaftes Trümmern, Hinauf zu Gott die Halberftarrten winmern ! Bernimm mit Schaudern, wie auf banger Flucht Der Eine betet, dort der Andre Aucht!
und nun erheb’, hinauf vom Kriessaewimmel, Dich wieder zu des Allerbarmers Himmel, Der, uns zu slcht’gen, dich berabgefchickt ! Auf, und ersäpp ihm, was dein Aug’ erblickt!
Sag’ ihm, daf unter all den Millionen Bon Böfen auch noch gute Menjchen wohnen, Die, fchlecht und vecht, das Eine fih erfich’n, Ningsum bealüicht die ganze Welt zu jeh'n-
Leg, an der Eeite deiner Altern Brüder, Bor feinem Thron die taufend Geufjer nieder , Die, Zahre fchon vom Rriegeiftuem veriweht,
Umfonft ven Srieden uns herabgefleht.
Dann fenfet ih im beiten Viorgenalansze ,
Die Schläf umgrint vom frifhen Moyrtenfranze,
Den Palmsweis in der hochachobnen Hand, Der Sriedendengel aufs verbeerte Land.
Die Menfchheit iauchzt mit Tauten Hevsensfchlägen Dem Kommenden ihe Subellied entgegen-
Der Krieg durchbohrt wurhfnirfchend fich die Bruftr Und Altes fchwimme in neuer Sebensluft,
So. Mart, Miller,
Aufgebot an dbeutfhe Frauen.
reis sum Schwert, She zarten Damen! ach ver Leyer grift Ihr fchon. Ueberfiraplt die Heldennamen,
Blücer, York und Wellington !
Meiber follen fih ermannen !
Alfo will der Geift der Zeit,
Und nur tapfere Sohannen
Warne, Vaterland, zum Gtreit!|
Statt dem Muttecherzen fchlage Künftie in der Frauen Bruft, Das ihr Haupt den Lorhber trage;
tur ein Herz volt Heldenluft! Sf der böchfte Ruhm Euch theuer , Blist und donnert in ver Schlacht! Nicht genitats am fchönen Feuer , Das Ihr mit den Auaen macht.
167
Geyd Ihr doch sum Gieg geboren ! ind wenn Frauenmuth gewinnt, Was der Mann im Seld verloren, Ber beklagt, daß She nicht foinnt ? Sühre She Waren Tänaft dodh Alte; Denn die Nadel, wie She wihts Sf vom nämlichen Metalle,
Als ber Heldendegen ift-
Für den Preis von Iavad Bohnen, FBenn man ihn 5 fleigern droht, Streitet, wirdige Matronen!
Gilt: doch Trinken, oder Tod!
Dft befteigt She, will man fabeln , Gar ein fonderbares Prerd.
Meitet Ihr auf Drengabeln,
Schütt mit ihnen auch den Herd!
Fir die Männer, welh Entziüden, Kenn, dem Baterland zum Schuß , Euch nur Helm und Panzer fchmiicken , Statt dem theuren Frauenpup !
Seichter wird der Fuß mit Leder, Als mit feidnem Stoff beichuht; Minder Fostet eine Feder
Auf den Helm, ald auf den Hut-
— 198 —
er Warenftahl nicht härter , ls der Schmucd, mit den She prahlt ? Kauft ber Mann nicht fieben Schwerter, En’ er Einen Fächer zahlt 7 Stefit ein Vater, laßt mich fragen ! Drey der Töchter nicht ind Feld, Eh’ er, ad, mit welchem Bagen ! Eine nur zum Balle ftellt ?
Darum laft den Ruf der Töpfe, Und, Bellonen uleich gefhmücdt. Bieht ind Feld, und fpaltet Köpfe, Die zu Haus Shr und verrückt! Dallas felter, mag Eucd lehren , DuE Ihe aröfern Ruhm eriwerbt, Wenn hr auf dem Bert dev Ehren; As im Wochenbette fterbt.
Denft an bie verruchten Türken ! Mäctig fteht.ben Griechen bey Weiber, wenn nicht diefe wirken , Kämprt ein Volk fich nimmer Frey, Habt Ihr Muth, Euch aufzurafen? Wollt Ihr länger zaudern? Nein! Meldet Euh um Geld und Waren Nur beym griechifchen Berein !
Weiffer,
Der Grafvon Zollern.
Schwäbifche Romanze:
Der junge Kohenzofler - Graf
Er dient dem Würtemberger brav, Er dient ihm vedlich früh und fpat In nad und Seld, im Feld und Rath.
Dodh als verfchied Herr Eberhard, Die Wittw’ im Lande Meitter ward, Da fattelt’ er fein Roß und foricht: Sahrt wohl, dem WBeibe dien’ ich nicht!
Erin Knappe wracdh: Herr, das it fchlimm Berwahret euch vor Srauenarimm: Er aber Tacdhte trosiglid : „Es wird fein Keid verfchlingen mich!“
*) Probe aus der Schrift: Die Neckarfeite der wirtemb. ud; Röegweifer und Reifebefchreibung Mit Romaıız sen, Erutig: Mebler, 1323.
170
Er vier fo laut eö unterm Thor, Da drang ed in der Herrin Ohr;
And ald er auf dem Zollern fahr
Traf ihn ein Bot’ am vollen Glad.
Der reiht ein Eleined Brieflein hin
Som von der Wiirtembergerin;
Er zieht die Augen ein fo tief:
Was ailt’d, es ift Fein Liebeäbrief!
„ Berfchlingen allewea will ich Dein Gut, dein Schlof, dein Leben, dich!
Kein feiges Weib, wie du nealaubt;
&5 traf dein Hohn ein Sürftenbaupt! *
3» &$ traf? Nun gut, wern’s nur fie traf.
Entgegnet fpottend ihm der Graft Doch anderd hab’ ich jeßt zu thun; Die Städte Tafen mich nicht ruh'n.
Bon Reutlingen, von Alm die Herrn Den Ritter fingen gar zu garen;
Ee if nur ihe beladnes Rof
Gefallen gar zu oft mein Trof,. "
Und indem 508 der belle Hauf’
er Städter aus dem Thal herauf;
Der Bote macht fich fchnelt hinaus, Der junge Graf beftellt fein Haus.
Er zieht die Stügelbrück? empor, Nerriegelt wohl fein neunfad sIhor ; Die Knechte führt er auf den Wall, Ihr Schuß bringt unten viel zu Sal.
und froben Muthed bleibt der Held, Es mangelt ihm nicht Speif’ und Geld, Er ichmaust und zecht ein ganzes Jahr: — Zum Abzua bläst der Feinde Schanr.
Da naht es Schwarz, ein neues Heer, Sweitaufend find e3 oder mehr. Der Anapye fpricht: „Gnad’ und o Chrift!
Die wirtembera’ihe Kahn’ es if l*
Der Fühne Grar Fämpft noch ein Sahr, Bis Scheune leer und Keller war- Er beißt die Lippen fib vor Wuth:
„» Berfchlungen hat fie doch mein Gur!“
172
Die Thore fchlieht er traurig alfı 8 zieht herein der Feinde Kauf, Die Ulmer brechen Stein um Stein,
Die Wirtemberger lachen rein.
Nah Stuttgart führt man ihn zu Nof: „ Merfchlungen habt Ihr» Frau, mein Schioin: She Tießet mie Fein Zöfepfand, — Mein Leben freht in eurer Hand. “
Die Hofe Gräfin winfer ftumm, And lächelt arg und Fehrt fich um , Ans ferne Sand, in einen Them, Scieft fie den Feind zu Mold und Wurm.
Zehn Sahre wohnt der Graf im Haus, Sein Haar wird gran, fein DBIicE Töfcht aus, Da finft er traurig in das Sinie:
„ Berichlungen hat mein Leben fie!“
Und feines Kerkers Prorte Ypringt, Und Botjchaft ihm dev Knappe bringt: » 3m Grabe Tiegt das arimme Weib;
Sry foyd Ihr, Here! an Eee und Seiß!
Er tritt hervor and Hinmeltficht,
Und hebt fein bleiches Angeficht
und recft empor zum Gchwur die Hand: „Sort, fort in dag gelobte Land !“
„Mich hat fie mir gelafen, mich!“ Er fchiwingt, wie fonft, zu Noffe fir Er fliegt durch die befonnte Slurr
And denkt an Gottes Sehde nur.
Er fprinst vom Roß, er fleigt ind Edhiff, Er fchwimmt vorbei am Selfenvif,
Er ift der erfte auf dem Strand;
Er faffet das gelobte Sanıı —
Da fpirt fein Athem erft die Gruft;
And feine Bruft die Kerkerluft; Die Kraft, im Snnerften verfehrt,
Ihr Lested hat fie aufgesehrt.
Den Knappen finkt er in den ent, Der Morgenwind umhaucht ihn warn;
Gein jterbend Haupt, es neiget fi, ie
Er feufst: „verfchlungen bat fie mich! Guftav Schwab.
a a a ET Vist mehr Eriftafiheit fließe dahin, o Strom! ein, flute fchiwarztrüb, oder verfiege aanz! Denn ach! erforhen ift auf ewig
Suliend Auge, mein Erdenhimmel,
Und nimmer fpiegelft treuer, ald$ Malerfunitz Des Engeld Abhild zauberisch du zuriick, Und nimmer fucht die zwente Saura, Nandelnd an deinem Geftnde Kühlung.
Du ftiller Hain, wo Schatten und Ruhe Sie Und Lieb’ und mich fand, ziemt die noch helled Grin ? Berfchwunden ift die Srühlingsadttin! Schrumpft und verwelfet und fallt, ihr Blätter !
he Gärten, YAu’n, und Beete! Berwaiste tran’rt! Die Blumen pflückt” und janımelte, hüflt ein Grab! hr Vera’ und SKtüfte, home nimmer Shre Gefänge zurichzuhallen!
Doc tönt im Srührothichimmer mein Klagelied, Tont um die Abendbännmerung noch, und du, Stroms, vaufche Dumpfer, und elenifch
inmert ihr Lifte des dden Haines!
Daug
Phyllisan Damon
(nach dem feansöfifchen. )
SD Damon, fühlet du der Trennung bitten Ecdmersr
So den? an’d Wiederfel’n, an frohes Wiederfehren ,
Kur die fchafft Ruh und Troft, trau’vt das verwaiste Herz, Nur Liebe trocknet ab der Liebe Wehmuthssähren.
Der fchrwarzen Hölle Dual, ded Miftrau’nd Naferen ,
Laß nicht durch Griltenfang dein aralos Herz bethören, Nur, wer in Wahrheit liebt, ift ftandhart und getreu. Urtheile nach div felbit, und laß dein Glück nicht ftören.
Strid van kinfhoten
Un die Freude
Pein! — du Gift nicht verichwunden
Du, die in früher Zeit
So oft mit Wonneftunden Miein junges Herz erfreut.
9 du im Rofenkleide,
Sch Eenne deine Spur,
Du Himmeldtind, o Freude, Dı
Riebling der Natur!
9 Zeit, wo fie, von Echerzen
Umaauckelt, mich umfchwebt ,
Nadı manchen herben Schmerzen Mich wieder neu belebt;
Bo fie im Nerheralanze Eid mir zur Seite hing, Mit mir zum frohen Tanze
in Winternäcten aina.
177.
Bo fie zum NRundgefange Den Lieben Zirkel fchloß,
And bey der Gläfer Klange Manch Lächeln ihre entflof.
0 Gold aus Bechern blinfte, Gezeuat am alten Rhein, ind wo fie freundlich winfte,+
Mit Srohen froh zu fenn.
No fühe Mädchen fangen, Bo bey der Freude Lob Ein fehnendes Serlangen Die jungen Bufıen hob; Ko aus des Slügeld Eaiten Eie Harmonien entwand, und ihren Hochgeweihten
Mit Blumenfetten band.
Bo Freude zu den Hallen Der Sreundfehaft mich gerührt z Bo Glück des Einen allen
Dad offne Herz gerührt;
Sn der Geliebten Arnten Sie felig mich beglückt, Mit Kiffen von dem Warme,
Dem fühen Mund entsiieft.
178
91 Taf mic nie vergebens Did fuchen, goldne Zeit! — Der befte Theil des Lebens
War, Freude, dir geweiht.
Das Neftchen brächt” ich gerne
An deinem Hocdaltarı Dieffeit3 der Liche Sterne, Dir froh zum Opfer dar.
DO wohl mir, denn es prangen
An meinem Pilgerftab
Noch Rofen! — Bon den Wangen Bebt mande Thrän’ herab,
Wenn die Erinnrung Bilder Berfloßner Zeiten mabltr
And mir dein Auge, milder
Als Glanz der Sonne, firalt.
Noch fcheucht die aoldne Leier Aus wunder Bruft den Schmerz Noch, voll von Siunalinasrener , Driück” ich den Fremd and Herz. Ach! Ihöner Thaten Kunde Erfüflet noch mit Luft,
Und von der Gattin Munde
Der Kuß, die frohe Brufk
Sn guter Kinder Mitte Erböbet fib mein Glück, und nab’n fich Enfeltritte, Wie fean’ ich mein Gefchick! Noch ftarkE am Alrersftabe Gibt Wonne mir der Sleih, Sabt mich des Mheined Gabe
An guter Menfchen Kreis,
Een nah mir, bolde Sreude, Bis du mich aufwärts trägflr Ind eimft im Engelfleide Die free Beruf bewegft! Dort, wo entzücft die Hünde Eich Freund und Freundinn reicht, Dort ift dein Neich ohu’ Ende, ind jeder Gram entweicht- Wagenfeil,
An einen unwurdig Befreuzten.
} or doch diefer Teere Heiz
nr deiner Bruft, dieß eitle Prangen!
E@3 follte nicht an dir das Kreuz,
Du jollteft an dem Kreze banaeıı.
Erinnerung und Freude.
Ih war ein fchnimer Zungefelle
Und arif die Luft aus erfier Duelle, ar Feinem blauen Meunlein avant,
Und, ch’ ichH dacht’, ein Bräutigam.
ch forang, wie Lämmchen auf der Hnide Sm Eonnenfchein der neuen Freude, Und wenn mein Senitenfpiel erflang,
War nur die Liebe mein Gefung.
Nichts alich hienieden meinem Glücke;
Die Etunden floh'n wie Augenblide, Und ch’ ich mich es nur verfahr War ich der glücklichfte Papa !
Ein Rnäbchen, welche Kimmelsgabel Holdläcelnd, wie Entherend Anabe, 2ag mir im Arm’, in füßer Ruh’,
And bald — fein Schwefterchen dazu
Dem Himmel dankt’ ich fir dieh Pärchen ; Doch war zu Ende Faum ein Kährchen z En itellte Schon. mit langem Bein
Der Storch fich wieder bey uns ein.
Altiahelih ward das Erübchen enger , Der Tifchb um einen Anfab länger, und Abends fah oft Weib und Mann Eich nafes Blick! und fihweigend an.
Des auten Singer Philipps Frage Fur nun mit jedem neuen Tage Die Pofung: ab, au lieber Gott!
Hoher fir all die Küchlein Brod?
Die Harfe, von der matten Profe
Der Zeit, verdrängt aus meinem Gcoofie,
Hina oft, die Gaiten abaefpanıt ,
Biel Wochen lang im Staub der Wand;
Aus Kindern wurden mählig Seute, Nun wucs der Bach zur Etromes Breite, Und was noch erii ein Goralein war,
Bleicht ist ald Eorae mir das Haar,
152 Ein Echifchen löste nach dem andern Bom Sande fich, um fortziivandern
Nach Nord und Süd, nach Oft und Neft
und einfum fand das alte Ne.
Doch, wenn der Rinder frommer Reigen Eich aleih des Delbaunms jungen Iweisen tm ung nach Sahren wieder fehlen, War nur die Wonne doppelt groß.
Beraeffen war des Lebens Mage,
Berftummt in frober Bruft die Klone,
Herz lag an Herz, und Bruft an Bruft,
Und Subel überall und unit!
Der alte Himmel) fanf min wieder Ep fdhön, wie einft, zu mir bernicder, Und neu befeelt und neu beivannt
Erklang die Harr’ in meiner Hands
Sie töne bis zum lebten Morgen! Gott forat und wird noch rürder forgen Und endigt fich des Lebens Saufı
So flieg’ ich fingend zu ihm aur!
Agatbon,.
Der Todtenfoyf im Walde.
1 De Pal: } F 4 fahler Schädel, welcher zerfplittert bier
Yuf oder Heid’ am Gtrahble der Sonne bleidht Den Menfhen unwertb und den Maren
Aber dem Wandrer cin böjed Zeichen;
Auer bit du, daß vergefien, ein leichtes Spiel Der Winterftiiem’, und obne Beerdigung Du bier an Hügel rollt? Weldh Schidfal
%öarf dich in- Dieje verlaßne Wilöniß ?
Ersirate hier ein Iaurender Feind vielleicht In ihwarser acht den eilenden Wanderer , Und nahm durch Meuchelmord auf ewig
Ihm den erwarteten Tag der Heimfche ?
Beftraften bier die vächenden Surien Geheimen Srevel? Oder bewaffnete Des Elendd Wurb dem langen Dulder
Gegen den Bufen die eiane Redte?
Du fchweiatt- Des Schieffald richtender Augenblick fr länaft vorüber; aber nech Tieaft du hier Ein fpäter Seuge fummer Inthat
Unter dem Himmel in Thau und Wettern.
Soc Feine Hand beftreute mit Erbe dich, Kein fronmes Zeichen ehrt ber Gebeine Pak, Und unbefiimmert ftreift ber Käger
Heute wie morgen an dir vorüber,
Steuffer,
an
er Auftftron, wie gefund, wie rein! 3a, Baltor Loci bier zu fen,
in
Sf Himmelswonne —
Pafor,
— Zugegeben,
ut ich nur von der Luft zu leben.
Haug,
am 24. März 1776.
Veır Einen Tag entreif? ich mich Du holde Eeele, Dir!
ind doch treibt meine Geele fich ,
Und dänmmrig wird e mir,
Gptt welh ein Schickial, vier es mich An fern're Gegenden, Soll’t ih, Du liebe Seele Did
Auf läng’ve Zeit nicht feh'n!
2 Trennung, Trennung! wende fie Du Gott ver Liebe ab! Des Sehens Wechjel trenn’ uns nie,
Auch tremm’ und nicht dns Grab !
Saf nie Seelen einft, vo Gott, Mir Einem Hauch verwen’!
2af ung dereint noch nach dem Tod Bor deinem Throne fteh'n !
oh, Martin Miller,
Am Neujahrsabend.
Biner beiten Abenditunde,
Sr der nemveriingten Seit s
An der trauten Tafelrumnde , Sreunde, fen Ddieh Glas geweiht! Sedes Leid, fo uns aetvofen,
Sen verfenft in diefem Weint
War wir wünfdhen, was wir hoffen,
Mög’ ein guter Gott verleib’n.
Den entflohnen Biederfitten , Heimkehr in ded Deutichen Brufft. Sn den Edhlößern, wie in Hütten, Gicherheit und Sebenäluft! Dienfibenquälern Stud und Ecdunde, Sroßfinm auch dem Armiten Knecht, ohlitand jedem Erdenlande,
Den Berrolaten Edhub und Recht!
Mannesfinn und Herzensfülle Auch im fehwerften Mißgefbick, Sn den Grürmen Geifiesftille, Ernft und Mäßigung im Gh. Kraft der Weisheit Götrerlehren , Untergang dem Vücherfiveitz Berzweiflung — milde Zähren,
Triumph — der Menfchlichkeit !
Balfanı jeder offnen Wunde; Troft und Hülfe jedem Schmerz! Dauer jedem eveln Bunde, Fedem Menfchenreind — ein Herz ! Eüfen Tod dem Kebendmiüden , Und, nach Tannen Bölferfrieg z Alten Reichen Rub’ und Svieden , nd der auten Ende — Eieg.
Keuffer,
Grabfhrift des Artilleriehefs ©,
Car Er am Tase des Weltgerichts
in feiner Gruft fich rühren,
Sp frommet der Engel Drommieten nichts :
Sie mifen — Fanoniren. Haug.
Buhaent
auf der Donau bey Allıı.
uns aegrüßt im Subelton , Du Fieber Donaufrom! Kelch Leben vaufcht und woat in dir, Auf Tehnellem Kabne rabren wir,
Bald fhwinden Sradt und Dom.
Borüber eilt Geftad und Fand, ie gleiten rchaufelnd fort, Und Hörnerton, der reitlich vchallt,
Und an den Urern wieverhallt,
Zone bis zum Sandungsort-
Kein Eandbanf und Fein Selfeneiff Erfüllt mit Ang die Bruf,
Und in den lauten. Hörnerkflang
Ertont manch reober Rundgefang,
Und wehrt de3 Tages Lufe
189
Der fiattlidhften Sresatte zich’'n
Kir unfer Fahrzeug vor, Bir brauchen weber Topp noh Malt, Nicht Geael, Compak oder Laft,
Kein Bpafpriet wagt empor.
Auch danken wir dem Winde nicht Sir feinen icharfen Haud,
Nicht er treibt unfer Echifflein fort,
Macht höchitendg etwas Eühl am Bord,
Und jagt den Tabadsraud.
teutfcher Strom vol teuticher Kraft Beflüigelft felbft den Kabır,
Zug der Wellen vafft uns hin, Ruder ruh’'n, wie Schwäne sieh'nr
Durdfchneiden wir die Bahn
Und denfen mancher Freude ned, Die beine Stuth gewährt, Dein Wellenbad macht froh und reif,
Auch manchen bochwillfonm’nen Siich
Haft vu dem Gaum befchert.
190
Auch Birterfchiffe räaft du fort, Erbaut an deinem Strand,
Da jchwinmmt hinab viel veiches Gut,
Auch mander Pilger wohlgemuth ,
Sn weitentferntes Land-
Sp treib’ auch unfer Schiflein fort, Dem heitern DOften zu! Wir aleiten bin auf fanfter Bahn, Bleich Eeligen, die Ehurons Kahn Einfchifft zur ew’gen Ruh. Zheodor,
Poftwagengefvyräd.
„sch gönnte den langen Mittagfchlaf Dir.
as? langen ? — Wie weit denn Famen wir? — „air find bereits wen Stunden von bier.
. Haug.
DD
$; ichläft ein Kindlein fo füße, und lächelt fo frob und fo fchon E3 träumt ihm, ein Engel arüße
hm zu von den himmlischen Höh’n,
Er winkt mit dem Lilienitengel Dem fronmen Kindlein zu: „D Eomme, du menfchlicher Engel,
„Ben uns ift Frieden und Ruf.
» Wir beten und fingen und warten » Der Lilien, die hier blühn „Im fchönen Himmelsgarten,
„» Der Rofen, die hier alühn,
„Es wartet da drunten auf Erden „Nur Kampf und Kummer bein;
„Wer dort will glücklich werden ,
„Muß viel erit foften der Pein. *
Da fühlet das Kindlein ein Sehnen Nach Himmtifcher Seligfeit. „Lieb? Mutter, 0 trocne die Ihränen ,
„Dem irdischen Schmerze geweiht!
„Da droben ift’3 jchoner und beffer ; „D Taf mich, vo laß mich dahin!“ Da werden die Wangen ihm bläffer,
Da ichwindet der Mutter der Gi —
„Lieb Mutter, ich habe die Leiden, „Die dort mir auf Erden aebroht, „ Bertaufcht nur mit ewigen Sreuden;
„Drum weine die Augen nicht vorh!“
Da hört fies wie Harfen erflingen Bon ferne fo fanft und fo hehr Da bört fie die Eingelein fingen, —
Da denkt fie des Schmerzes nicht mehr,
Suftav Hohbad.
Lied der Freundfchaft.
C4N°904}
ars ! Nrei, wie Götter an dem Vinhler Singen wir um die Pokale, Ko der edle Trank eralüht Sn der Nbendbämmeung Hülle, Und im Herzen ernft und fiiller Eingen wie der Srrundichart Lied.
Ecdwebt hevab aus Fühlen Lüften, Schwebet aus den Edhlummergrüften, Helden der Vergangenheit!
Kommt in unfern Kreis hernicder , Staunt und fprecht: Da ift fie wieder, Unfre deutfche Herzlichkeit !
Ha, der hohen Götterftunden z Nenn der Eple fich gefunden, Der fir unfer Her; aehört ! Set in Freud’ und Leid zu fichen, Wie im Sturm die Selfenhöben,
ft des deutichen Sünglinas werth.
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Sroher fchlägt das Herz und freier,
Neichet zu des Bundes (Seler
Uns der Sreund den Becher dar;
Ohne Freuden, ohne Leben
Erndtet’ er Pyäaud Neben,
Als er ohne Freunde war.
Männerftolz, wenn Läftver fchreien ,
Wahrheit, wenn Despoten dräuen ,
Erelenkraft im Mißsefchic, Duldung, wenn die Schwachen finfen, ”
iebe, Duldung, Wärme trinken
Freunde von des Sreundes Blid.
Sanfter athmen Srühlingslürte,
Süßer find der Linde Düfte, Sreundlicher ver Eichenhain,
Henn mit offnem Einn und Herzen,
Unter Ernft und muntern Gcherzen Sreunde fich des Abends freu’'n,
Grüder, Taßt die Thoren finnen, Die fie Gunft und Dunft aewinnen , Wie fie fammeln Gut md Geld;
Sficheind Eannn’s der Edle miffen ,
Eich geliebt, aeliebt zu willen, Sf fein fehönftes Gfick der Welt
Sufret auch aus der trauten Halle Einft die Auserwählten alle Sn die Gerne dad Gefcdicf, Mandelt er mir Gram beladen Oft auf freudelofen Braden, Miffend das verlorne Glück;
Hanft er, wenn fihb Wolken thirmen , Einfam in Gewitterftlürnen , Dhme Seiter, ohne Stab; Lanfcht er fchmerzerfült und diter Bangem Mitternachtögeflüfter Sehnfuchtsvol am frifchen Grab;
Dann erauicen ihn die Etunden , Sn der Freundfchaft Arm verfchwunden , Tröftend durch Erinnerung; Das Gedächtnif vor’ger Freuden Sabr dad Herz in bangen Leiden , Gibt der Geele neuen Schwung.
Dann gedenft er ruhig wieder
Mancer frobaefunanen Lieder ,
Und der Schwüre, treu und warnt ;
Und aeweckt von ftillem Eehnen Duellen fchwerverhaltne Thränen,
And befchwichtigt ift der Harn,
196
Kaufcht ihm dann des Todes Stüael, Scrfäft er ruhig unterm Hügel, So der Freund den Kranz ihm flicht, In das Herz der Bundesbrüder ESäufelt noch fein Geift hevnieder:
Leber wohl! VBergeft mein nicht! Hölderlin,
in a cher
mit einem Sußteppiche.
yreund! Hoher Dank ift fühe Mlicht Bemwmundern deiner Kun Magie,
Doch fie belohnen Fann ich nie. Drum achte meiner Gabe nicht,
nd tritt mit Füßen fie!
Haug:
Meinem lieben Noöschen.
3um Geburtstage, am 21. Nuguft 1795, Sy», , j + Fr kimm dieß Lieb vol inniger- Gefühle, Das Dir heut die ferne Freundin fingt, Das, entenufcht dem beitern Suitenfpiele, end fich in Deine Mühe fchwingt, den jchönen Tas uns fefllich feiern, er Dich einjt der ÜWelt zur Srende aab, der Sreundichart heil’gen Bund ernenern,
uns daure Über Ton und Grab.
Heute wer es, als zum erfien Male Dich der Eonne goldnes Licht umfing , Als entziickt im fünften Morgenftrahle Deiner Neltern Auge an Dir hing.
Da fand ungefehn an Deiner Seite Himmelsunfchuld, Deine Schüßerinn , Umd mit reinem Geelenadel weihte
Sie Dich bald zu ihrer Lieblinainn
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Auch die Sreundichart nahte Deiner Wiege, Deines Herzens Plegerinn zu Ten, Siehe geub in jeden Deiner Ziige Zarten Eeelenreis und Anmuth eint- Zur Gefpielinn Got füh Dir die Sreude, Mähigfeit war Deine Warterinn, Und die Tugend pradh: „ Befreit vom Leide,
Füge’ ich Dich durchd Erdenleben hin.“ —
Unter folcher Sührerinnen Bilese Blühtet Du, der Rofe aleich, empor, Und fie freuten Blumen auf die Xbeae, Die das Schickffal Dir zu gehn erfor. Blicke Deiner Zukunft froh entgegen, Unausfprechlich glücklich wirft Du feyn; Tenn der Menfchheit heiter, höcdhfter Ergen,
Reiner Liebe Wonnen harren Dein.
D, dah ih an Deine Bruft nicht fliegen, Heute nicht im feuriaften Pian, Mein Gefühl, der Eympathie Vergnügen, Sreundin! Div entgegen raufchen Fanıt. — Hör’ den Wunfch, den mit dev Morgenröther Fern von Dir, mein walend Her; Dir bringt! Doh, er wird zum flanmenden Gebete,
Das zum Himmel aus dem Herzen dringt;
— 199 —
»Die ih innig, wie mich felber, liebe, Seane fie, 0 Gott, du fegneft gern! Daß Eein Kummer ihre Blicke trübe , Halte jedes Unheil von ihr fern ! Sap ihe bis zum Testen Sebensziele Neue Luft mit jedem Tag erblüh'n , Und der Freundfchart heilige Gefühle
Stets für mich im treuen Herzen glüh'n! *
Wilhbelmige Mail,
SSH er end ST ee ee
T
Sanzig der Wille nur ii, auf welhem Gefinnung und That ruht, Und durch welchen der Menich felbft fich zur Gottheit = erhöht. Doch, was göttlich dem Einzelnen ift, wird zum Fluch ber Gerellichaft Nicht der Wille, da folk herefchen allein das Gefek.
Neuffer.
An die Shaambaftigkeit.
D Edhanm, die mit ber Reinheit
Der edle Stolz gezeunt,
Du, von der beften Mutter
Zur Grasie gefäugt!
Du holdes Bild der Blume,
Die, nur vom Welt gefüft,
Der Neugier vafchem Finger
Die zarte Bruft verfchliegt!
Ah, würdig dich befingen , D Tochter der Natur, Kann nur der Slerfenreine , De3 Himmeld Seraph mir! Drum zürne nicht dem Siede,
Das ihwach von die erffingt,
Und fih zu deinen Höhen Bom Etaub empor nicht ihiwingt,
201
Als vor der Werenmurter , Sm vofigen Gewand, Raum ihrer- Hand entrchiwebet , Die junge Schönheit ftand, Da fvracd zu dir vom Throne Die fchaffende Natur: „ Mein Meifterwerf vollenden
Kann deine Jartheit mut “
Da Füßtefr du als Schwefer, Gehorfam den Gebot, She auf die Lilienwange Ein fanftes Abendroth. Da flehr fie nun die Göttinn Sn herrlicher Geftalt, Sm Burpurlicht vollendet ,
Das ihre Wang’ umfeahlt.
Mit ihr md mit der Tugend An fliller Harmonie , Durdwanft du nun die Erde, Uniterblich , fo wie fie, Die Wunder fo dythateft; Mit deinem Schwefterpaar, Berfünden hohe, Lieder
Der edeln Bardenfchuar.
Auf deiner Etivne thronet Der Würde Zauberfrart; Echen bebt vor die zuriicke Die wilde Leidenichart. E3 raften ihre Stürme Sim Srühlingsionnenlict , Das fanft und ruhverbreitend
Aus deinem Auge ipricdht.
Du biickeit aleih beicheiden, Gleih froh umher und mild, Ob offner firahlt dein Antlik, Ob es dein Flor umhüllt.
&3 fiest auf deinem Blicke, er deinen Schleier hüpft , Daf an die aanze Schöpfung
Dih Gottes Friede Enüprt-
Ernft blicdet du den Srevlerr Den Edeln fegnend an, Du lächelt wie die Güte, Und zirneftz wie ein Mann. Dir wohnt in Einem Buren Der fühne Heldenmuth Der Brutus und Satone,
Und janfte Riebesalurh-
=
Du feihft de3 Mädchend Arme, Die mit dem Böswicht vingt, Dft Aiar Heldenftärke , Die feine Wuth beswingt. Du Nähltert ein die Nechte Der Gattin Kollatins, 13 fie ihe Dolch entrifen
Der Srevelfuft Tarauins.
Du wacht, wenn um die Tochter, Die unter Blumen ruht Sich die Verführung winder, Der Hölle Bipernbrut , Du Ienfit den sifttaen Stachel Bon ihrem Herzen ab, Und firecfft mit Herkulsfühnhert
Die Mörderinn ins Grab.
Du häftft felbft dem Tyrannen, Der Tod der Unfchuld fchwor , Den Sviegel deiner Reinheit Sn trumener Gtunde vor, Daß er dor feines Bildes Entmenfchung felöit erfchrict, Und thierisches Verlangen Sn feiner Brut erjtickt,
9, nie ift wichrendfböner +
9
Simmlifche! dein Bild, Als wenn um die Gejaline Dir Zährenthan entauillt;
Nie holder dein Errötben +
Al wenn die Edelthat,
Bon dir vollbracht im Stillen ,
Der Dank entichleiert bat,
Du wandelft gern durch Auen, Bo Srühlingsmilde blüht, Ko dor Des Grabes Grilte Schaamloje Frechheit flieht; Nie weileft du im Enale Bol bunter Munmereym;z Wo silaeliofe Sreuden
Did, Hinmmlifchel entweih’n ;
Bo jah, aleih Wirbeltwinden ,
Gleichfiegend , aleichbefiegt ,
Der Süngling mit dem Mädchen
In ZTaumelkveifen fliegt.
Mo Bruf an Bruft, und Wange
An Wange vocht und alüht,
Und jedes Auge $unken
Der Lüflernbeir verfprübt:
205
DO wehe, wenn Die Siehe, Sm Leichtfinn von dir fchied ! Ach, bald wird fie sur Thörinn, Bon roher Bruni durchglüht Zur vafenden Mänade, Die nur der Bote lauft, und fich mit wilden Senthen
Im Wolufsift beraufcht!
Mir dir im Bunde fehaffet Die Welt fie fchöner um, Und zaubert uns hiniiber An ein Elifium; Dein Jarter Ginn vergeiftiat Dur Vlatons Hochaerühl ,
Durd Ehrfurcht vor dem Menfdhen ,
Entherens Ginnenfpiel,
D wohl der Erdentochter, Der holden Charitinn, Die, Göttinn! Du erlefen Fu deiner Lieblinginn! She huldigen die Herzens Menm mit der Maieflät Der Tugend, fie im Kreife
Befcheidner Männer gebt
206
S mehr als wohl dem Fnalings
Den fie vor alten Fiebt,
Dem fie ein Bild bienieden Nom Glück der Engel gibt !
S Himmlifch fchöne Gene: Henn fie, durch Treu erweicht,
Ahr She, nur fanfterröthend, =
Zu feinem Stehen neigt!
Kenn fie faum durch ein Zächeln,
Das ihren Reiz erhöht,
Durch halbe, Tchene Blicke,
Den innern Drang verräth,
und, ähnlich dem Gefäufel
Des Wefid im Blumenbeet ,
She Lispeln endlich Teife
Die Liebe ganz geiteht!
Sp ihre Schwüre tönen ,
Sfr Feines Laufcberd Spur;
Auf ihre Sreuden blicken
Des Himmeld Grerne nur;
Da fauat mit ihren Kiülfen , Gleich ihrem Herzen vein,
Kur Durft nach Epelrhaten
Der Hochbeafückte ein.
207
Cie Fänmpft, die junge Held, Den Kampf der Seivenfchaft, Bis fie ermattet wanfet Am Ziel der Menfchenkrarft; Dort bringt fie überwunden, Bon dir, o Riebel nur, Und unter Feufchen Thränen hr Dpfer der — Natur.
&, 5 Stäublim,
Sonderbarer Ehrgeiz
Stot; ließ Napoleon publieiren : „Wenn Gie nicht heute Fapituliven, „Ev Taf’ ich morgen Sevilla — ra firen!t — Ein Bürger Tate: Mich wundert’s doc:
Der Raifer will zu den neuen und alten,
Zu vielen Titeln den eig’nen nod) as „Barbier de Seville * erhaften-
”
Haug.
Dem Könige von Würternberg. (im Namen der Univerfität Tübingen)
den Sten Sun- 1822.
Ds von der Wurgel aus der Blume Leben
Bon felber treibt und nach der Höhe dringt: Doch nimmer Fann fie fröhlich fich erheben, Wenn Nahrung ihr nicht mild der Nether brinat; Am ichönften mim gedeiht das Kind der Reben, Wenn fich die Reb’ um ihre Alme fchlinat.
Ep — baf gedeih’n der Mufen fiille Auen,
Ruß Lieb’ und Huld vom Throne fie bethauen.
Drum bringen wir ein frendiges Willkommen Dem König dar, ber heut erichnt uns naht, und mifchen unfre Subel mit den Sronmen Danfopferungen biefer treuen Stadt.
Sin Geine eigne Erndt’ ift Er gekommen, Der hohe Schirmer Eeiner Gegendfant. 9 fchönes Feft ber Herzen fen gefeanet,
Bo Ehrfurcht heut der Hoheit Huld begegnet;
209
Hier, wo, aleih Ihm aefchmücdt mit hohen Gaben,
Gein Ahn in ewia reiner Blüthe lebt, Bo Eberhard den Mufenborn gegraben, Den jeanend noch fein hoher Geift umfchweht; Daß Eitt? md Kunft möcht’ eine Stätte haben ,
‚ dom Thau des neuen Duells belebt, Eich in des Vaterland und Auslands Söhnen Den Guten weil? dem Wahren und dem Schönen.
Der Mufe Laut nebeut, und Eteine fügen Sich bald der Mauern wundervollen Bau; Wenn Macht fie fchütt, muß GStarves fih ihr fehmiegen, Der Frieden hebt fih an ber Sonne Schau,
Und Städte jeht, wo Eitt’ md Necht foll fiegen, Gie yrangen auf entiwildert = fihrer Au,
Es hat der Mure Zucht noch ftet3 gewalter, And einend Etreitendes nach fich aeftaltet.
9 reinfter Schmuck in eines Fürften Kuhnte, Der, wie das Nedt, auch treu die Künfte pflegt! Gein Volk beihüst, und an dem Heiligthume Der Menfchheit baut, fich Telbft und fein Gefchleht Verherrlichend , der Vflener ihrer Braune.
Ihre Licht fcheut nur, wer Wahrheit fcheut und Kecht; Nicht Hohes kann dem Dunfelen aerathen, Er wirft den Brand in feine eignen Saaten!
14
210
& Wilhelm nidte! Gleih frischen Mainz Birken Grint weit und duftet Eriner Ehre Neid, Der fhöne Lohn für Sein glorreiches Wirken, Für edler Müh’n ftet3 underbroßnen Fleiß, Auch von des Auslands feiernden Bezirken , Fort blühet er zu ferner Seiten Preis t Nie ift des reinen Wollend Frucht erftorben, tind Liebe hat fett Liebe noch aeworben,
Den AUrTrEidtei:
Sa nicht aranfan, ihr Männer des Lichts! Abe bauer
den Wald um,
Kelcher dem Wanderer einft labende Schatten verlich. Seuchten: folk fie fürwahr -und befeben, de Gonne der Wahrheit,
Doch nicht ziinden und nicht tilgen, was beffer befteht.
Neuffer,
TU MER ITS EP
Um 27ften Sulius 1776,
Dr liegt, vom lieben Mond erhellts In fiiller Ruh’ umher die Welt;
Nur Grillen zirpen noch um mic, Und Freuen ihres Dafeyns fich,
Ahr Käfer und ihr Wögelein, Auch ich noch Fann mit euch mich freun! Diefi fchafft die Siebe, Holde mir,
Denn eben Eomm’ ich ber von ihr.
Wie war ich wiederum fo froh! Und jeden Abend bin ichs jo; Erit fie mir ihre Huld verlich, VBerfiegt die Sreudenguelle nie.
Ah, Gott, das dacht” ich nimmermehr, Dak fo viel Freud’ auf Erden wär. und — lieber Gott, ad bin ichd werth? Mir haft du all dieß Glück befchert. 14 *
Wie aber dien’ und dank’ ich bir, ie Hieb* und ehr? ich dich dafür? Sch will ja immer fromm und rein, SE treu ber Tieben Geele feyn. %
ob, Mart, Miller,
Mandben Mufenzöglingen.
Of edes Gewerb wird erlernt, der Schufter bildet den Schufter , And der Zimmerer lehrt wieder den Fungen fein Werk:
ur in der Doefie, in der Kunft der Kinfte, da pfufchet Seder getroft, und meint bennoch ein Meifter zu fern.
Neuffer,
Das Mahl ;zu Heidelberg.
Nomanse
Den WBiürtembera md Baden Die Herren sogen audı
Bon Mes de3 Bifchofs Gnaden DBergaf das Gotteshaus;
Sie zogen aus zu Friegen
Wohl in die Bra am Rhein,
Sie fahen da fie liegen
Im Gommerfonnenfcein-
umfonft die Kebenblüthe Eie tränft mit milden Duft, umfonft des Himmels Güte Aus Nehrenfeldern ruft: Sie brannten Hof und Edeuer - Daf heulte Groß und Klein; Da Teuchteten von Geuer Der Neckar und der Rhein,
BEE
Mit Gram don feinem Ecleie Gicht e8 ber Prälserfrik , Heißt fpringen auf bie Koffe Zwei Mann auf Einen Eit- Mit eng gebrängtem Bolfe Eprengt er dur Feld und Wald, Doh ward die Fleine Wolfe Zum Wetterhimmel bald-
Eie wollen feiner fpotten, Da find fie fchon umringt, Und über ihren Rotten Eein Schwert der Sieger fehmwinat- Bom Hügel fieht man prangen Das Heidelberger Schloß, Dorthin führt er gefangen Die Fürften fammt dem Troß.
Zu Hinterft an der Mauer, Da ragt ein Thurm fo feit; Dad ift ein Gib der Trauer, Der Schlang’ und Eule Neft; Dort follen fie ihm büßen Sm Kerfer teiib und Falt, Es aähnt zu ihren Süßen Ein Schlund und finftrer Wald:
”
ln
Hier lernt dom Grimme walten Der Wilrtemberger U,
Der Biihorf hält ein Faflen ,
Der Markgraf läßt vom Trub-
Eie mochten jchen in Eorgen
um Leib und Leben feyn:
Da trat am andern Mioraen
Der fiolze Präalzer ein,
„ Heranf, ihe Heven, geitiegen An meinen hellen Saat! Ahr follt nicht fürder Tienen in Binfternig und Qual, Ein Mahl ift euch aerufietz Die Tafel ifi gedeckt! Drum wenn e8 euch, gelüfter,
Berrucht, ob es euch fehmeckt.
Sie laufchen mit Gefallen, ie er fo Lächelnd ipricht, Eie wandeln durch die Hallen Ans volone Tageslicht:
Und in dem Saale winfer Ein herrliches Gelaa, &s danipfet und es blinfet,
Wae nur das Land verndg-
Es festen fi) die Fürsten ; Da mochte’ es Teltfam feyn:
Eie hungern und fie dürften Beim Braten und beim Wein. — & „ Kun? wills euch nicht bebagen ?
E5 fehlt doch deucht mir nichts ?
Horüber ift zu Flagen,
Un was, ihr Seren, gebrihr’s ? *
„Es fchickt zu meinem Zifche Der Odenwald das Schwein, Der Neckar feine Siicher Den frommen Trank der Rhein! She Habt ja font erfahren, as meine Pfalz befchert! as wollt ihrd heute fparen , Go Feiner ed euch wehrt? *
Die Fürften fahn verlegen Den andern Jeder an,
Sim Ende doch verwegen 1
Der Ulrich da begann:
„Herr, fürftlich ift dein Bien, Doch Eines thur ihm Noth, Das mag Fein Knecht vermiffen: Bo lieffet du das Brod?" —
„Wo ic das Brod gelaffen 7"
Sprad da der Prälzerfrigr
Er traf die bei- ihm faßen Mit feiner Mugen Blik;
BB ——
Und thät die Genfierpforien Heit auf im hoben Saal, Da fahb man aller Orten
ns pffne Neckarthal.
Gie fprangen von den Stühlen , Und Lbiicften in das Sand, Da raudıten alle Mühlen Kings von ded Krieges Brand; Kein Hof ift da zu fchauen, Bo nit die Scheune dampft, Bon Nofes Huf und Klauen Sfr alles Feld zerfiampft.
„Kun fprecht, von weien Schulden Sf fo mein Mahl beftelit ? Sr müßt euch wohl gedulden,
Bis ihe befü’t mein Seld, Bis in bed Gommers Echwüle Mir reifet eure Saat,
und bid mir in der Mühle Eich wieder dreht da3 Rad *
218 —
„hr feht, der Weftwind fachelt ‘n Stoppeln und Gefträuc! She feht, die Sonne lächelt, ie wartet nur auf Euch ! Drum fender uns die Gcliüffel Und öffttet euren Schab, So findet bei der Schüfel Das Brod den rechten Pag“
Buftav Shwal,
ns Stammbuh der Miß ** Nur diefem Teeren Mäschen bier
Du, holder Mädchen Neid und Bier,
Deut ich der Wiinfche höchiten any,
Den wohl dein Herz erahnen Fan.
Sand ich in diefem Herzen doch
Auch folch ein leeres Bläschen nod,
Sir neuen füßen Eindruck neu s Li ind von Erinnerungen frey!
Dort, ECharis, und nur dort allein
Schrieb ih gern meinen Namen ein.
Haug.
Pu
DEE Mi
Srnebe bich, o Lied, zum Ruhm der Reichen! Mur fie allein find deiner Kränze werth-
Kaum darf ein Schuft dem Biedermarne weichen, Sobald aus ihn die fchwarze Geele fährt.
Dem Titus ift ein Nero zu vergleichen,
Menn er dem Reich der Ecatten angehört,
D frommes Grab! dem Redlichen sum Glüce , Bift du ein Damm für alle Bubenftücke,
Ein Held, it er vom Dafeyn mr gefchieden , Nie dürftet mehr ded Tapfern Etahl nach Mord. Nicht frevelnd bricht er den aelobten Frieden; Meckt ihn der Feind, er ichweigt, und fchlummert fort. Möat Ihr ein Schwert, mögt einen Plus Ihr fchnieden, Kom gilt e3 aleich, und glaubt der Dufe Wort! Die Donner, die an feiner Gruft noch brüllen,
Sie find zu Ichwach, mit Zuf ihn zu erfüllen.
— 220
Die Unfchuld morder nimmer, Der dort zulter, Dein Nachbar, o des Wunders ! fügt nicht mehr. Bon Senem wird Fein Waifengut betaftet,
Und diefer winft nicht volle Stafchen her.
Do dort der Schlemmer ohne Murren fafter,
Zu alauben fällt? wohl Feinem Zweifler fchwer. Der Reiche bier, zum Ruhm ihm laßt michs Tagen, Drücdt me die Armen, die sur Gruft ihm tragen.
Den Großen dort, ihn mahnten viele Schulden, Und ach! zu viele blieben unvergnügt. Doch mögen auch fih Taufende gedulden, Wenn nur nicht Seden eitle Hoffnung trügt! Shn zu beftatten, Foftet manchen Gulden, Und — glaubt nicht, dak die ernfte Mufe Tügt! — Kein Srämer wird, Fein Tifchler wird betrogen ,
Der Redner nicht, der ibm zum Preis gelogen-
Hier Täft ein Nimeod feine Hunde wedeln; Shan ruft zur Dagd nicht mehr das laute Horn. Diit Wappen prangen unbewußt die Edeln, Den Eifrer reizt fein Widerfprudh zum Zorn, Beraefien hat der Sohn Merfurs das Trodeln ; Der Wuchrer fragt nicht mehr: Was gilt dad Korn? Die Laid, ach! gefchmeichelt font von Allen, Gefällt nicht mehr, und will nicht mehr gefallen.
4
—. 1 —
Mit Unfin hört Euch Klingklana auf zu auäfen; Der Krittler dort, er hat fich Tatt gebelit. Ein Harpaaon vergißt fein Gold zu zählen; Berföhnt hat fih ein Timon mit der Welt. Bom Heuchler wird, wie oft die Brüder fehien, Nicht mehr die Chronik hier ans Licht geftellt- Den Läftern, denkt! und Iavas edler Bohne Entfagt zugleich die würdiae Matrone-
Die Mutter farb, und jet erft haben eine Die Kinder, einft von ihr der Welt gefchenft. im offnen Garage jeht dort jene Kleine! Mit falfchen Perlen hat man fie behenft; Nicht Acht in ihrer_Krone iind die Steine, md doch bleibt fie, die Thörinn, ungefränft, Die Haare felbft, nicht nad) der Kunft aeflochten,
Fhr Tadel, denkt! bat fie nicht angefochten.
Drum joll die Todten nur die Mufe preifen, Henn Lebende der Schmeichler nur erhebt! Erft, wenn die Maden aierig von uns fpeifen, ft nöthig, daß ung Weihrauchbuft umfchweht. Auf, fchenft der Gruft, She Dichter, Eure Weifen , Und adıtet nicht des Molfs, das Teibt und Tebt! Und will ein Sich der Mienge nicht gefallen , So denft: &3 ifi das würdiafte von allen!
Weiffer.
Der teutfde Mann.
Wer ift ein teutfcher Mann ? Der für das Groß’ und Gute Mit felfenfeftem Murhe Beharrlih Eämpfen Fan,
Das ift em teutfcher Mann,
er ift ein teutjcher Mann ? Der, ohne Furcht und Tadel, Der Geele wahren Adel | Niemals entweiben Eann,
Das ift ein teutfcher Mann.
Ger ift ein teuticher Mann ? Der fühn vor allen Ohren , Den Weifen, und den Thoren Die Wahrheit fagen Fann Das ift ein teutfcher Mann.
Mer ift ein teutfcher Mann 7 | Der ftandhaft ftets geblieben, | Der teutiche Frauen lieben Und Treue halten Fann,
Das it ein teutfcher Mann.
er ift eim teuticher Mann ? Der für das Heil’ge Fechten, Der von der Bahn deö Rechten Nie haarbreit weichen Fanı ,
Das it ein teurfcher Dann.